Einsatz- und Rettungswagen am Tag danach am Tatort in Volksmarsen

Gegen Maurice P., der am Rosenmontag in eine Menschenmenge in Volkmarsen fuhr, ist Haftbefehl unter anderem wegen versuchten Mordes erlassen worden. Sein Motiv ist weiter unklar. Derweil besuchten Hunderte den Gottesdienst in Volkmarsen.

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  • Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen
  • Fahrer von Volkmarsen war nicht betrunken
  • Täter ist vernehmungsfähig
  • Zahl der Verletzten auf 61 gestiegen
  • 35 Menschen in stationärer Behandlung
  • Aktuelle Entwicklungen im Ticker

Im Fall des Auto-Angriffs auf einen Karnevalsumzug in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) hat das Kasseler Amtsgericht am Dienstagabend auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Untersuchungshaft gegen Maurice P. angeordnet. Es bestehe der "dringende Tatverdacht des versuchten Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr", teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit.

Der 29-Jährige sei dringend verdächtig, am Montag "gegen 14.45 Uhr auf dem Rosenmontagsumzug in Volkmarsen seinen Pkw bewusst in Tötungsabsicht in eine größere Personengruppe gesteuert zu haben". Dabei seien nach derzeitigem Ermittlungsstand 61 Menschen im Alter zwischen 2 und 85 Jahren verletzt worden, 35 von ihnen schwer. Unter den Opfern seien 20 Kinder.

Angreifer war nicht betrunken

Die Ermittler hatten am Dienstag auch mitgeteilt, dass P. bei dem Angriff nicht alkoholisiert war. Ob er möglicherweise unter Drogeneinfluss stand, war noch unklar. Der 29-Jährige war beim Rosenmontagszug in der nordhessischen Kleinstadt mit einem Auto wahrscheinlich vorsätzlich in eine Menschenmenge gefahren.

Gottesdienst in Volkmarsen

Am Dienstagabend besuchten hunderte Menschen einen ökumenischen Gottesdienst, an dem auch Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth (beide CDU) teilnahmen. Der Fuldaer Bischof Michael Gerber rief die Menschen zum Zusammenhalt auf. Die Tat könne man nicht verstehen, sagte der katholische Geistliche. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, sagte, das Geschehene habe das Leben in Volkmarsen radikal verändert, doch Gott sei auch in diesen dunklen Momenten bei den Menschen.

Die Pfarrkirche St. Marien war schon lange vor Beginn des Gottesdienstes gefüllt. Hunderte Menschen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, standen auf dem Kirchplatz zwischen Fachwerkhäusern und dem Rathaus. Einige Besucher hielten sich im Arm, wischten Tränen weg, Menschen beteten und sangen gemeinsam. Nach dem Gottesdienst, der über Lautsprecher nach draußen übertragen wurde, stellten Menschen Kerzen an der Kirche ab.

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"Wenn wir etwas brauchen in diesem Land, dann ist es Zusammenhalt", sagte Bouffier. Die Täter - egal, welches Motiv sie hätten - hätten immer ein Ziel: "Sie wollen unser friedliches und häufig fröhliches Gemeinwesen stören. Sie wollen Angst schüren. Unsere Antwort muss klar sein, wir werden diesem nicht weichen."

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Ministerpräsident Bouffier gibt vor dem ökumenischen Gottesdienst ein Pressestatement.
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Zweite Festnahme wegen "Gaffervideo"

Maurice P. hatte sich bei der Tat selbst Verletzungen zugezogen - daher konnte die Polizei ihn noch nicht vernehmen. Beamte nahmen den Mann noch am Tatort fest. Er lebt in Volkmarsen. Sein Motiv ist weiterhin unklar. Nach Aussagen von Augenzeugen steuerte der Mann sein Auto mit hoher Geschwindigkeit in die Zuschauermenge.

In der Wohnung von Maurice P. gab es noch am Tatabend einen SEK-Einsatz, wie der Vermieter dem hr sagte. Die Beamten seien mit Gewalt in das Fachwerkhaus eingedrungen, auch Kripo und Spurensicherung seien beteiligt gewesen. P. sei vor knapp zehn Jahren gemeinsam mit seiner Großmutter und seiner Schwester nach Volkmarsen gezogen, berichtete der Vermieter. Der Verdächtige habe eher zurückgezogen gelebt.

Zuvor hatte Maurice P. nach Recherchen des SWR zeitweise in Baden gelebt. Bis ins Jahr 2010 habe er dort mit seiner Mutter und Schwester gewohnt. Die Familie wollte sich demnach auf Anfrage nicht äußern. Man sei geschockt und könne sich nicht erklären, was passiert ist.

Ein sogenanntes Gaffervideo führte am Montag zu einer zweiten Festnahme. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft sagte, gegen den Festgenommenen werde wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen" ermittelt. Ob der Mann darüber hinaus in einem Zusammenhang zu dem Vorfall stehe, etwa ein Komplize des Täters sei, müsse man noch herausfinden.

Polizei bittet keine Fotos zu verbreiten

Die Polizei warnte unterdessen vor dem Verbreiten angeblicher Fotos des Täters, was wie in solchen Fällen mittlerweile üblich in den Sozialen Medien passierte. "Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter", schrieb die Polizei Nordhessen bei Twitter: "Teilen Sie keine Falschnachrichten!" Derzeit kursierten Fotos, die angeblich die Festnahme des Täters zeigen, hieß es in dem Tweet.

Keine generelle Absage von Fastnachtsumzügen

Nachdem einige Kommunen ihre für Fastnachtsdienstag geplanten Umzüge wegen des Vorfalls von Volkmarsen abgesagt hatten, gab es vom Landeskriminalamt und vom Innenministerium keine allgemeine Absage aller Umzüge. Der Polizei lägen "keine konkreten Hinweise vor, dass Umzüge in Hessen am heutigen Tag gefährdet sind", hieß es. Letztlich entschieden die Veranstalter vor Ort. Die Polizei schicke mehr Beamte auf die Straßen.

Die größten Fastnachtsdienstagsumzüge in Frankfurt ("Klaa Paris") und Dieburg fanden unter größeren Sicherheitsvorkehrungen statt. Sie wollten sich die Feiern nicht kaputt machen lassen, hieß es bei den Organisatoren. Welche Umzüge abgesagt wurden, steht in unserem Volkmarsen-Ticker.

Volkmarsen auf einer Landkarte

Sendung: hr-fernsehen, 25.02.2020, 19.30 Uhr