Geldscheine Umschlag

Über eine Woche nach dem Verlust eines Briefumschlags mit 5.000 Euro hat ein anonymer Finder das Geld doch noch beim Fundbüro in Korbach abgegeben. Die Belohnung für seine gute Tat behielt der nicht ganz makellose Held gleich ein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anonymer Finder gibt in Korbach 4.750 Euro ab

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Ein 80 Jahre alter Mann hat am 25. Juni in Korbach 5.000 Euro abgehoben, in einen Briefumschlag getan und in der Innenstadt verloren. Knapp eine Woche später, am vergangenen Mittwoch, meldete er sich bei der Polizei, die den Verlust eines "größeren Geldbetrags" und den vom 80-Jährigen ausgesetzten Finderlohn in Höhe von 250 Euro öffentlich machte.

Einen Tag später berichteten örtliche Medien. Am nächsten Morgen, mittlerweile über eine Woche nach dem Verlust, fanden Mitarbeiter des Fundbüros der Stadt einen Umschlag im Briefkasten und gaben diesen an die Polizei weiter. Darin befanden sich 4.750 Euro. Den anonymen Finder hatte offenbar doch noch spät das schlechte Gewissen gepackt, die ausgesetzte Belohnung behielt er bei seiner Geldrückgabe eigenmächtig ein.

"Vielleicht hatte der Finder Angst vor Repressalien"

"Es ist sehr ungewöhnlich, den Finderlohn gleich abzuziehen", sagte ein Polizeisprecher aus Korbach dem hr am Montag. Normalerweise hätten die Beamten das Geld erstmal komplett beschlagnahmt. Überhaupt sei der Fall "komisch und grenzwertig". Keiner habe mehr damit gerechnet, dass überhaupt noch jemand das Geld abgebe, sagte der Polizeisprecher: "Vielleicht hatte der Finder Angst vor Repressalien."

Hätte dieser sich zu erkennen gegeben, hätte die Polizei Namen und Daten gehabt. Der Verdacht der Fundsachenunterschlagung stehe noch im Raum, betonte der Polizeisprecher. Entscheidend sei, ob der Finder eine sogenannte Zueignungsabsicht gehabt oder schlicht vorher keine Zeit hatte, das Geld beim Fundbüro oder der Polizei abzugeben.

Finderlohn wäre eigentlich geringer gewesen

Der Finderlohn wäre nach Bürgerlichem Gesetzbuch eigentlich niedriger ausgefallen. Ist die Fundsache bis zu 500 Euro wert, beträgt dieser laut Gesetz fünf Prozent. Übersteigt der Geld- oder Sachwert 500 Euro, liegt der Finderlohn für die darüber hinausgehende Summe bei drei Prozent. In diesem Fall wären es bei einer Gesamtsumme von 5.000 Euro also 160 Euro gewesen.

So oder so war der 80-Jährige laut Polizei überglücklich, den Großteil seines Geldes zurück zu haben. "Er hat versprochen, in Zukunft besser auf sein Geld aufzupassen."

Sendung: hr4, 06.07.2020, 17.30 Uhr