Festnahme in Frankfurt

Es geht um Schwarzarbeit im Sicherheitsgewerbe: 900 Beamte haben am Mittwochmorgen bundesweit rund 100 Objekte durchsucht. Ein Kopf der Bande soll ein Rocker aus Frankfurt sein.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr vom 30.09.2020
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Unter Federführung des Frankfurter Hauptzollamts haben am frühen Mittwochmorgen 900 Beamte rund 100 Objekte in vier Bundesländern durchsucht. Auch bewaffnete Spezialkräfte waren dabei im Einsatz. Schwerpunkt der Durchsuchungen war das Rhein-Main-Gebiet. Außerdem gab es Razzien in Hamburg, München und Lörrach.

Bei der großangelegten Aktion geht es um Schwarzarbeit im Sicherheitsgewebe. Im Visier der Zollbeamten steht eine Bande von 50 Personen. Insgesamt wurden sechs Männer im Alter zwischen 30 und 46 Jahren festgenommen. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, mehrere Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben nicht abgeführt zu haben. Sie sollen Scheinrechnungen geschrieben und Schwarzgeld kassiert haben.

Scheinrechnungen in Höhe von 30 Millionen Euro

Einer der Hauptverdächtigen ist ein 32-Jähriger aus Frankfurt. Der Mann, der dem Rockermilieu zugerechnet wird, wurde am Mittwochmorgen im Stadtteil Bornheim festgenommen: Einsatzkräfte, einige von ihnen vermummt, führten ihn zum Fahrzeug. Über dem Kopf hatte er eine Decke. Der Mann sollte noch am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden.

Er soll Scheinrechnungen in Höhe von 30 Millionen Euro geschrieben haben. Bislang geht der Zoll von einem Schaden wegen nicht gezahlter Steuern und Sozialversicherungen in Höhe von 3,5 Millionen Euro aus.

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Razzia in Frankfurt
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Bundesweit stehen rund 100 Firmen aus der Sicherheitsbranche im Verdacht in diese betrügerische Masche verwickelt zu sein. Der Zoll beobachtet seit Jahren eine wachsende Zahl solcher Kettenbetrugsfälle. Vor allem im Bau, im Reinigungs- und Sicherheitsgewerbe. Insgesamt geht der Zoll von einem jährlichen Schaden für die Allgemeinheit von einer dreiviertel Milliarde Euro aus.

Betrug mit falschen Polizisten?

Auch in Berlin durchsuchte das Landeskriminalamt Gebäude im Rahmen von Ermittlungen gegen den 32-Jährigen aus Frankfurt. In dem Fall sollen aus einem Call-Center in der Türkei heraus ältere Menschen angerufen worden sein, heißt es vom Zoll. Dabei gehe es etwa um Fälle, in denen sich Betrüger als Polizisten ausgegeben haben sollen.

Einschließlich der heutigen Festnahme seien in diesem Verfahren, das schon länger läuft, bisher neun Verdächtige festgenommen worden. Dabei gehe es auch um diejenigen, die Schmuck und Bargeld bei den Betrugsopfern abgeholt haben sollen. Die geschätzte Schadenssumme in diesem Fall betrage 1,2 Millionen Euro.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 30.09.2020, 16.45 Uhr