Ein silberfarbener Kombi fuhr in Volkmarsen in den Rosenmontagszug.

Nach der Auto-Attacke auf dem Rosenmontagszug in Volkmarsen ist gegen den mutmaßlichen Amokfahrer Anklage erhoben worden. Der 30-Jährige muss sich wegen 91-fachen versuchten Mordes vor dem Landgericht Kassel verantworten. Das Motiv ist bis heute unklar.

Videobeitrag

Video

zum Video Volkmarsen: Anklage gegen Amokfahrer

hessenschau vom 18.12.2020
Ende des Videobeitrags

Fast zehn Monate nach der Amokfahrt von Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) erhebt die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen den mutmaßlichen Täter. Der 30-jährige Maurice P. muss sich vor dem Landgericht Kassel wegen versuchten Mordes in 91 Fällen, gefährlicher Körperverletzung in 90 Fällen und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Wann der Prozess startet, ist bislang noch unklar.

Über 150 Verletzte

Am Rosenmontag war der damals 29-Jährige mit seinem Auto in den Fastnachtszug gerast. Über 150 Menschen wurden verletzt, darunter auch viele Kinder. Der Fahrer überlebte schwer verletzt und konnte festgenommen werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Maurice P. in der 172 Seiten starken Anklageschrift vor, den silbernen Mercedes-Kombi ungebremst und zielgerichtet mit 50 bis 60 Stundenkilometern in die dichte Menschenmenge gesteuert zu haben. Er habe die Absicht gehabt, Menschen zu töten.

Die Tat hatte der Angeklagte nach Erkenntnissen der Ermittler bereits im Vorfeld des 24. Februar geplant. Sein Auto etwa soll er bereits einen Tag zuvor so geparkt haben, dass er leicht in den abgesperrten Bereich fahren konnte. Zudem soll er eine sogenannte Dashcam eingebaut haben, um das Tatgeschehen aufzuzeichnen.

Der Täter schweigt noch immer

Doch auf die wichtigste Frage, die auch die Menschen in Volkmarsen umtreibt, gibt es bislang keine Antwort: Warum hat Maurice P. das getan? Sicher scheint nur, dass die Tat keinen politischen oder religiösen Hintergrund hat. Der Angeklagte handelte alleine und hatte keine Mitwisser, zum Tatzeitpunkt soll er nüchtern gewesen sein.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden durch die Zusammenstöße mit dem Auto 90 Menschen teilweise schwer verletzt, 20 davon mussten intensivmedizinisch behandelt werden. Eine Vielzahl weiterer Menschen soll durch die Tat traumatisiert und psychisch stark beeinträchtigt worden sein.

Maurice P. selbst schweigt zu seiner Tat, und sein Anwalt machte bereits im Sommer wenig Hoffnung, dass sich daran etwas ändern wird: "Die Frage nach dem Warum wird sich in diesem Verfahren möglicherweise nicht klären lassen."

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Anklage nach Amokfahrt von Volkmarsen

Das beschädigte Auto, das in den Rosenmontagsumzug in Volksmarsen gefahren ist
Ende des Audiobeitrags

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.12.2020, 19.30 Uhr