Umweltaktivisten hängen an einer Brücke über der Autobahn.

Die Abseil-Aktion von Umweltschützern auf der A3 schlägt hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft sieht bei den Aktivisten zumindest eine Mitschuld am schweren Unfall danach.

Videobeitrag

Video

zum Video Wie steht die hessische SPD zum A49-Ausbau?

hessenschau kompakt 16:45 Uhr am 14.10.2020 Thumbnails
Ende des Videobeitrags

In Zeitungen und Sozialen Medien wird nach der Abseil-Aktion und dem schweren Unfall im folgenden Stau auf der A3 am Dienstag kontrovers diskutiert, wie die Blockade zu bewerten ist. Auch unter den hessenschau.de-Nutzern schlagen Vorfall und Berichterstattung hohe Wellen.

Die Palette der Überschriften reicht von "Autobahn-Hasser lösen Horror-Crash aus" (Bild-Zeitung) über "A3-Blockade von Umweltschützern führt zu schwerem Unfall" (hessenschau.de) bis zu "Unfall nach Autobahnblockade" (Deutsche Presse Agentur). Und die der Reaktionen von "linke Straßenterroristen auf Pseudo-Ökotrip" bis zu "Die Sperrung wurde ja wohl erst durch die Polizei veranlasst".

Genaue Unfallursache weiter unklar

Zwei Umweltschützer hatten sich aus Protest gegen den Weiterbau der A49 von einer Brücke abgeseilt, die Polizei sperrte daraufhin die Autobahn bei Idstein (Rheingau-Taunus). Ein Stau bildete sich. Ein 29 Jahre alter Autofahrer fuhr am Stauende auf einen Lastwagen auf, wurde eingeklemmt und schwer verletzt.

Wie genau es zu dem Auffahrunfall kam, war am Mittwoch weiter unklar. Der Pkw-Fahrer habe noch nicht vernommen werden können, sagte ein Polizeisprecher.

Ein Lkw-Fahrer, der hinter dem Pkw des 29-Jährigen gefahren war, sagte, das Auto sei von der linken erst auf die mittlere und dann auf die rechte Spur vor seinen Lkw gezogen. Der Pkw sei ungebremst unter den Lkw gefahren. Er bezeichnete die Aktivisten gegenüber dem hr als Idioten. "Die Autobahn zu blockieren, dass es dann zu solchen Unfällen kommt, ist meiner Meinung nach der größte Schwachsinn und gehört verfolgt", sagte der Ersthelfer.

Verdacht der Nötigung und fahrlässigen Körperverletzung

Nach Angaben der Polizei vom Mittwoch wurden nach der Aktion sieben Menschen festgenommen. Sechs seien inzwischen wieder entlassen. Die Identitätsfeststellung dauere noch an, sagte ein Polizeisprecher.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Unfall nach Protestaktion: juristisch kompliziert

Auto fährt unter Lastwagen
Ende des Audiobeitrags

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiesbaden sagte am Mittwochnachmittag, die noch in Gewahrsam befindliche Person werde dem Haftrichter vorgeführt, "wenn er nicht noch seine Identität verrät". Insgesamt richten sich die Ermittlungen den Angaben zufolge gegen fünf Frauen und zwei Männer, die soweit bekannt zwischen 20 und 24 Jahre alt sind. Es bestehe der Verdacht der Nötigung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung.

Aktivisten in Rechtfertigungsdruck

Der Unfall hatte die Aktivisten unter Rechtfertigungsdruck gesetzt. Sie teilten am Dienstag mit: "Wir fühlen mit den Angehörigen und hoffen, dass die verunfallte Person sich gut erholt." Gleichwohl sei es geschmacklos, dass die Polizei die Aktion kausal mit dem Unfall in Verbindung bringe, "während Auffahrunfälle bei Autobahnstaus ansonsten als trauriger Alltag akzeptiert werden". Auf Anschuldigungen, für den Unfall verantwortlich zu sein, wollten die Aktivisten noch reagieren.

#A3 1. Abseilaktion von Autobahnbrücke bei #Wörsdorf 2. Stau 3. Schwerer Unfall am Stauende 4. Menschen wurden schwer verletzt #Dannenroeder #A49 #DannenroederForst

[zum Tweet]

Die Jugend-Klima-Bewegung Fridays for Future kritisierte, es werde ein Zusammenhang suggeriert, "der nicht gegeben ist": "Genauso könnte man jeden Baustellenmitarbeiter für Auffahrunfälle am Rande des Staus verantwortlich machen."

Und das liebe Kinder nennt man Framing. Die @hessenschau sugeriert den Leser*innen einen Zusammenhang der nicht gegeben ist. Genauso könnte man jede Baustellen Mitarbeiter*in für Auffahrunfälle am Rande des Staus verantwortlich machen. Geht's noch? https://t.co/10AR16VHev

[zum Tweet]

CDU-Politiker kritisiert Geltungssucht

Dagegen sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch aus Schlangenbad (Rheingau-Taunus), es gehe den Aktivisten, die Verbrecher seien, "gar nicht primär um die Natur, sondern um die eigene Geltungssucht". Würden Bäume für Windräder gerodet, "kommt kein Protest, manchmal sogar Applaus".

Die AfD Hessen bezeichnete die Blockade als Ökoterrorismus. Diejenigen, die die sogenannten Aktivisten der Klimabewegung bis jetzt verharmlost hätten, "sollten dieses Bild sehen", twitterte die AfD mit Verweis auf das Foto des Pkw unter dem Lkw.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 14.10.2020, 16.45 Uhr