Salzbachtalbrücke von oben.

Nach vielen Verzögerungen steht jetzt ein Sprengtermin für die Wiesbadener Salzbachtalbrücke fest: Am 6. November soll das Bauwerk fallen. Die A66 bleibt allerdings noch länger als ein Jahr unterbrochen.

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Seit Monaten sorgt die gesperrte Salzbachtalbrücke für ein Verkehrschaos rund um Wiesbaden - jetzt soll es endlich einen entscheidenden Schritt voran gehen: Das marode Bauwerk soll am 6. November um 12 Uhr gesprengt werden. Das teilte die Autobahn GmbH auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Stadt Wiesbaden am Mittwoch mit.

Dabei sollen die beiden mehr als 300 Meter langen Brückenteile mit rund 220 Kilogramm Sprengstoff zu Fall gebracht werden. Am Sprengtag selbst könne nur noch schlechtes Wetter wie Starkregen oder Nebel dazwischen funken, heißt es in einer Mitteilung.

Aufwendige Vorbereitungen

Die Vorbereitungen für die Sprengung sind aufwendig. Da rund um die Brücke noch Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg liegen könnten, muss der Kampfmittelräumdienst das Gebiet absuchen. Rund 750 Löcher mit bis zu neun Metern Tiefe müssen dafür gebohrt werden. Bisher habe man drei Verdachtsfälle entdeckt, die noch näher untersucht werden müssen, hieß es auf der Pressekonferenz.

Auch die Infrastruktur unter der Brücke muss vor der Sprengung geschützt werden. Mehrere Bahngleise und Oberleitungen seien bereits abgebaut. Insgesamt sollen rund 50.000 Kubikmeter Sand aufgeschüttet werden, um den Aufprall der Brückenteile abzufedern.

140 Menschen betroffen

Am Sprengtag wird ein Bereich von 250 Metern um jeden der Sprengpunkte abgesperrt. Darin liegen unter anderem ein Klärwerk, ein Friedhof, eine Sektkellerei und mehrere Wohnhäuser. Rund 140 Menschen müssen ihre Wohnungen am Morgen verlassen.

Ist der Bereich evakuiert, soll zuerst die Südbrücke gesprengt werden und den Plänen des Sprengmeisters zufolge senkrecht nach unten fallen. Wenige Sekunden später soll die Nordbrücke folgen, sie soll vom Klärwerk wegkippen.

Bahnen sollen schnell wieder fahren, A66 bleibt länger unterbrochen

Sechs Wochen nach der Sprengung soll der Bahnverkehr wieder rollen. "Alle Beteiligten stehen in den Startlöchern, sodass nach der Sprengung rasch mit dem Wiederaufbau der Bahnstrecke und der Bundesstraße begonnen werden kann", erklärte Ulrich Neuroth, Direktor der Niederlassung West der Autobahn GmbH.

Auch mit dem Bau der neuen Brücke soll schnell begonnen werden. Vorgefertigte Teile für die neue Südbrücke liegen demnach schon in einem Zwischenlager bereit. Anders als zunächst gedacht, werde die Südbrücke aber wohl nicht mehr im Jahr 2022 fertiggestellt, sagte Neuroth. Wann die Brücke im Laufe des Jahres 2023 wieder befahrbar sein werde, könne die Autobahn GmbH aktuell noch nicht einschätzen. Für Autofahrer ist damit aber klar: Die A66 wird noch länger als ein Jahr unterbrochen bleiben.

Der genaue Zeitplan für den Neubau werde neu ausgearbeitet, Baufirma und Autobahn GmbH würden "alle Möglichkeiten zur Beschleunigung ausloten". "Die Gesamtfertigstellung der neuen Süd- und Nordbrücke wird durch die Vollsperrung der A66 bis zur Inbetriebnahme der Südbrücke jedoch schneller erreicht als ursprünglich bis 2026 geplant", teilte die Autobahn GmbH mit.

Seit Mitte Juni gesperrt

Ein Passant hatte Mitte Juni herabfallende Betonbrocken vom bereits gesperrten südlichen Teil der Salzbachtalbrücke gemeldet. Seitdem sind sowohl Nord- als auch Südbrücke nicht mehr befahrbar. Weil im Umkreis von 50 Metern um die Brücke ein Sicherheitsbereich eingerichtet werden musste, wurde auch die nördliche Brückenhälfte gesperrt. Auch unter der Brücke darf seitdem kein Zug- und kein Straßenverkehr rollen. Deshalb musste auch der Bahnverkehr zwischen Wiesbaden-Hauptbahnhof und Wiesbaden-Ost eingestellt werden.

Die Vollsperrung der Autobahn betrifft den Abschnitt der A66 zwischen Wiesbaden-Biebrich und der Mainzer Straße. Auch der Verkehr der B263 auf der Mainzer Straße unterhalb der Brücke wurde gestoppt. Autofahrerinnen und Autofahrer müssen den Bereich seitdem über die A643, A60 und A67 weiträumig umfahren.

Eine der Hauptursachen für den drohenden Einsturz der 1963 gebauten Brücke ist ein defektes Rollenlager gewesen. Zu diesem Ergebnis kamen im September vier unabhängige Gutachten, die unter anderem von der Autobahngesellschaft des Bundes in Auftrag gegeben worden waren.

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