Die Polizei hat die Abschiebung einer vierköpfigen Familie aus einer Flüchtlingsunterkunft in Rimbach abgebrochen. Die Mutter hatte die Beamten mit einem Messer bedroht. Dass die Familie mitten in der Nacht abgeholt werden sollte, rechtfertigen die Behörden mit äußeren Umständen.

Polizei Blaulicht
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Draußen war es noch dunkel, als eine Polizeistreife am Dienstag gegen 4 Uhr in eine Flüchtlingsunterkunft in Rimbach (Bergstraße) kam. Eine vierköpfige Familie aus Armenien sollte von dort abgeholt und in die Slowakei abgeschoben werden. Doch das Vorhaben scheiterte.

Die 26 Jahre alte Mutter bedrohte die Beamten beim Eintreffen mit einem Küchenmesser, wie die Polizei mitteilte. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein. Die Frau zog sich daraufhin mit ihren beiden sechs und acht Jahre alten Kindern, die Zeugen des Vorfalls wurden, in ein Zimmer zurück. Der 34 Jahre alte Vater sei bei dem Zwischenfall ebenfalls anwesend gewesen, habe sich aber neutral verhalten.

Neuer Abschiebetermin offen

Die 26-Jährige konnte in Gesprächen schließlich beruhigt und dazu bewegt werden, das Messer wegzulegen. Anschließend wurde sie vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Hilfskräfte kümmerten sich vor Ort um die anderen Familienmitglieder. Die Polizei brach den Abschiebungsversuch schließlich ab.

Unklar ist, was mit der Familie nun passiert. Wann die Rücküberstellung erneut ansteht, wird vom zuständigen Regierungspräsidium (RP) Darmstadt angekündigt. Ein RP-Sprecher sagte, ein neuer Termin stehe noch nicht fest. Die Abschiebung in die Slowakei erfolge, weil die Familie dort zum ersten Mal eine Grenze in die EU passierte.

RP rechtfertigt extrem frühe Abholung der Familie

Der RP-Sprecher rechtfertigte auch, dass die Flüchtlinge aus dem Schlaf gerissen wurden, wie es bei anstehenden Abschiebungen regelmäßig passiert. Die Beamten hätten die Familie so früh abholen wollen, weil der Flieger in die Slowakei um 9.50 Uhr starten sollte. Man habe der Familie noch Zeit zum Packen ihrer Sachen einräumen wollen und den nötigen Vorlauf am Flughafen selbst mit Sicherheitskontrolle und Übergabe an die Bundespolizei einkalkuliert.