Im Osthessen-Center in Fulda gibt mit den 40 Jahre alten Aufzügen große Probleme.
Im Osthessen-Center in Fulda gibt mit den 40 Jahre alten Aufzügen große Probleme. Bild © Stephanie Mosler

Das Osthessen-Center in Fulda ist in die Jahre gekommen - und nun auch in die Schlagzeilen. Denn in dem Hochhauskomplex klagen Bewohner über kaputte Aufzüge. Inzwischen ist auch die Stadt alarmiert.

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Einer der Aufzüge funktioniert - was für ein Glück für Brigitte Perleth. Sie lebt in einer Wohnung im 16. Stock des Osthessen-Centers. Gerade kommt die Seniorin mit Einkäufen zurück. Seit vielen Jahren pflegt Perleth ihren Mann, der im Rollstuhl sitzt. Muss der einen Arzttermin wahrnehmen, fahren die beiden natürlich mit dem Aufzug von der Wohnung ins Erdgeschoss. Doch leider ist das eine Art Glücksspiel geworden.

"Nachdem der Aufzug so oft kaputt ist, hilft das ganze Warten nichts", sagt Perleth dem hr. Sie vermutet, dass die Aufzüge auch mutwillig beschädigt werden. "Die Leute gehen an die Drähte und schon bleibt er stehen." Einer der beiden Aufzüge in dem Gebäude in der Heinrichstraße 60 funktioniert seit mehr als einem Jahr nicht mehr.

Offene Drähte im Aufzug

Und tatsächlich: In der etwa ein Quadratmeter großen Kabine sieht man die offenen Drähte unterhalb der Schalter. 1972 wurden die Aufzüge gebaut. Saniert wurden sie seit Jahren nicht mehr, wie die Fuldaer Zeitung als erstes berichtete.

Das Osthessen-Center besteht aus mehreren Gebäuden.
Das Osthessen-Center besteht aus mehreren Gebäuden. Bild © osthessen-news.de

Bewohnerin Perleth fühlt sich hilflos, von seitens der neuen Hausverwaltung spürt sie nicht die geringsten Anstrengungen, diesen Zustand endlich zu beheben. "In einem echten Notfall sieht es schlecht aus", sagt die Bewohnerin.

Nicht nur die Aufzüge, das ganze Osthessen-Center ist inzwischen in die Jahre gekommen. In den 1970er Jahren war es das größte Bauvorhaben in Fulda. Es besteht insgesamt aus mehreren Gebäuden mit mehr als 230 Wohnungen.

Auch Perleths Nachbar Horst Leubecher ärgert sich über die Zustände. Der 63-Jährige hält einen Aufzug für 16 Stockwerke für eine Farce. "Das geht ja morgens schon los, wenn viele Leute zur Arbeit oder zur Schule wollen", so Leuchbecher. Auch am späten Nachmittag, wenn die Bewohner wieder nach Hause kommen, sei ein Aufzug viel zu wenig.

Eigentümer können sich nicht einigen

Es stellt sich die Frage, warum die Hausverwaltung, die das Gebäude seit rund einem Jahr betreut, nicht in der Lage ist, die offensichtlichen Missstände zu beheben. Eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht, allerdings glaubt Leubecher den Grund zu kennen. Und der ist recht simpel: Im Osthessen-Center leben nicht nur Mieter, sondern auch mehr als 200 Eigentümer. Und die sind sich in vielen Angelegenheiten gar nicht einig.

Laut Leubecher kommt es immer wieder vor, dass einer der Eigentümer sein Veto gegen anstehende Entscheidungen einlegt. Die Konsequenzen sind sichtbar - sogar die Stadt Fulda ist inzwischen alarmiert. Gemeinsam mit dem TÜV Hessen hat die Stadt den Eigentümern nun eine Frist gesetzt. Bis zum 28. Juni müssen sie sich auf eine Marschroute geeinigt haben. Ansonsten werden die Aufzüge abgestellt. Denn ohne Sanierung überstehen sie keine weitere TÜV-Prüfung.

Laut Stadtsprecher Johannes Heller ist die Eigentümergemeinschaft des Osthessen-Centers verpflichtet, für eine funktionierende Aufzugsanlage zu sorgen. Da dies derzeit nicht gewährleistet werden könne, leite die Stadt wegen der Missstände ein ordnungsbehördliches Verfahren ein. "Falls die Eigentümergemeinschaft nicht in der Lage sein sollte, die Anlage fristgerecht instandzusetzen und dauerhaft nutzbar zu machen, behält sich die Stadt Fulda vor, notfalls Zwangsmittel und Bußgelder verhängen", so Sprecher Heller.