Direktor Thomas Platte und Sabina Freienstein präsentieren das LBIH-Konzept für den Darmstädter Akaziengarten.

Mit einer illegalen Pflanzaktion im denkmalgeschützten Darmstädter Akaziengarten sorgte ein Bürgerverein für Aufregung. Dabei geriet auch der zuständige Landesbetrieb in die Kritik. Doch der hat die Chance zur Versöhnung liegen und die Bürger im Regen stehen lassen.

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Ärger um Darmstädter Akaziengarten

Der Baumbestand im Darmstädter Akaziengarten hat in den letzten Jahren schwer gelitten.
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Mit einer spontanen Pflanzaktion im Darmstädter Akaziengarten hat eine Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohnern jüngst einen zwar illegalen, aber doch deutlichen Hilferuf in Richtung des Landes geschickt: Lasst unseren schönen Garten nicht verkommen! Auch den Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung und Pflege äußerten sie deutlich. Eigentlich eine Steilvorlage für den zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) - doch der hat die Chance so richtig versemmelt.

Schon die Reaktion auf die vom Bürgerverein "Zusammen in der Postsiedlung e.V." organisierte Pflanzaktion ließ aufhorchen. Statt das Anliegen der Guerilla-Gärtner im Darmstädter Westen ernst zu nehmen und als Chance für Dialog und Zusammenarbeit zu begreifen, drohte der LBIH wegen "widerrechtlicher Bepflanzung auf Privatgrundstück" unverhohlen mit Strafanzeigen.

Betroffener Bürgerverein nicht eingeladen

Der daraufhin als Reaktion auf die auch mediale Empörung einberufene Pressetermin sorgte nicht für Entspannung - ganz im Gegenteil. Der erste Fauxpas: Der betroffene Bürgerverein war nach eigenen Angaben gar nicht zu der Präsentation des sogenannten Parkentwicklungskonzepts eingeladen. Die Mitglieder kamen trotzdem.

Das könnte man noch in der Kategorie Gedankenlosigkeit verorten, doch es wurde nicht besser. Nachdem LBIH-Direktor Thomas Platte das mittlerweile fast sieben Jahre alte Konzept zur Wiederherstellung des über 200 Jahre alten Akaziengartens "nach historischem Vorbild" (dessen Herausgabe dem hr einige Tage zuvor noch verweigert worden war) vorgestellt hatte, fragten Vereinsmitglieder, warum denn die Bürger nicht beteiligt worden seien.

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Konzept für Akaziengarten

Das Parkentwicklungskonzept des Landesbetriebs für Bau und Immobilien Hessen (LBIH) sieht eine Wiederherstellung des Akaziengartens "nach historischem Vorbild" vor. Das Konzept steht in dieser Form bereits seit 2015. Seitdem wurden nach Angaben des LBIH die nötigen Gutachten zur Umsetzung eingeholt. Jetzt müsse noch die Finanzierung von politischer Seite abgesegnet werden. Der LBIH rechnet spätestens 2024 mit Beginn der Maßnahmen. In diesem Zuge sollen etwa Wege und Bänke erneuert und ein modernes Bewässerungssystem installiert werden. Anschließend würden neue Bäume und Sträucher gepflanzt.

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Schließlich seien in dem Konzept wichtige Punkte zeitgemäßer Gartengestaltung nicht berücksichtigt. "Es fehlen etwa sämtliche biodiversen Aspekte", kritisierte Bastian Ripper, Sprecher des Postsiedlung-Vereins. "Wilde Ecken", die als Rückzugsgebiet für Tiere wie Igel oder Eichhörnchen dienen sollen, seien überhaupt nicht vorgesehen.

Wir sind der Souverän!

Die Antwort ließ tief blicken: Sabina Freienstein, Leiterin der für den denkmalgeschützten Akaziengarten zuständigen Niederlassung Süd sprach vom Landesbetrieb als "Souverän", dessen "fachkundige Entscheidungen" keinerlei Anpassung oder Verbesserung bedürften. Frei übersetzt heißt das: Bitte, liebe Bürger, haltet euch raus und seid froh, dass ihr überhaupt einen Park habt!

"Das war sehr ernüchternd", resümierte Ripper die Begegnung mit dem Landesbetrieb im Nachgang. Der Wunsch des Vereins nach mehr Bürgerbeteiligung und einer Umgestaltung des Akaziengartens zu einem Bürgergarten seien in dem Konzept nicht berücksichtigt. Wie es anders geht, zeigt gerade die Stadt Darmstadt, die eigens ein Online-Portal für Bürgerbeteiligungen eingerichtet hat. Dort können sich Darmstädter und Darmstädterinnen aktiv in das Stadtgeschehen einbringen.

Fronten verhärteter denn je

Nach nunmehr sieben Jahren, in denen Bürger und Land in ihrem Anliegen, den Akaziengarten im Herzen der Postsiedlung zu einem lebenswerten Ort zu machen, kein Stück weit zueinander gefunden haben, hätte der Termin am Donnerstag ein Wendepunkt in diese Richtung sein können. Anwohner und Anwohnerinnen sind bereit, sich einzubringen und Zeit und Expertise in die Gestaltung ihres direkten Wohnumfelds zu investieren. Der LBIH bräuchte nur zuzugreifen, Ansatzpunkte für Kooperationen gibt es zuhauf.

Stattdessen scheinen die Fronten verhärteter denn je. Zwar versprach LBIH-Direktor Platte, den Dialog künftig aufnehmen zu wollen. Doch Ripper und den anderen Vereinsmitgliedern fehlt der Glaube: "Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass sich etwas ändert."

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