Foto des Skateparks in Dieburg - ohne Rollsplit. Im Vordergrund ein Haufen Rollsplitt, in dem eine Schaufel steckt. Im Hintergrund zwei Skater auf einer Halfpipe sitzend.

Da sich auf dem Skatepark Dieburg trotz Corona größere Gruppen trafen, kippte die Stadt kurzerhand eine Lkw-Ladung Rollsplitt auf den Boden. Nun sind mehrere Menschen mit Schaufeln angerückt.

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zum Video Skatepark wieder freigeschaufelt

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Tagelang war der Skatepark in Dieburg mit Rollsplitt bedeckt, jetzt ist er wieder frei: Mehrere Erwachsene haben den Kies am Donnerstag in Eigenregie weggeschaufelt - unter Aufsicht der Polizei. Zu der Räumung aufgerufen wurde nach hr-Informationen auch in einer Querdenker-Gruppe bei Telegram.

Eine Polizeisprecherin sagte der dpa dagegen, zwar habe es Hinweise auf Querdenker gegeben, "aber wir würden die Aktion in keinerlei Zusammenhang mit dieser Gruppe stellen". Auf wen der Aufruf ursprünglich zurückgehe, sei unbekannt.

Wer hat da geschaufelt?

Auf hr-Anfrage teilte die Polizei außerdem mit, an der Aktion seien hauptsächlich sechs Erwachsene beteiligt gewesen. Einige von ihnen kämen aus dem Raum Dieburg, andere nicht. Der parteilose Bürgermeister Frank Haus hatte zuvor von "überwiegend Menschen, die nicht aus Dieburg stammen" gesprochen.

Das decke sich mit den Beschwerden in sozialen Medien und E-Mails, die nach dem Zuschütten des Parks die Stadt erreicht hatten: Sie waren laut Haus "beinahe ausschließlich anonym und aus dem gesamten Bundesgebiet".

Andere Maßnahmen halfen nicht

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Audioseite Skatepark in Dieburg wieder vom Rollsplitt befreit

Der Skatepark ist mit kleinen Steinchen übersät.
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Die Stadt hatte auf dem Platz eine Lkw-Ladung Rollsplitt abgeladen, weil sich dort trotz der geltenden Corona-Kontaktbeschränkungen wiederholt größere Gruppen zum Skaten verabredet hatten, wie Bürgermeister Haus dem hr sagte. Abstände seien nicht eingehalten worden, Masken nicht getragen.

"Wir haben zunächst mit Flatterband abgesperrt, dann haben wir Baustellenbaken aufgestellt. Die sind ignoriert und umgeworfen worden." Auch regelmäßige Polizeikontrollen hätten die Skater kaum beeindruckt, sagte Haus. Kosten seien für die Aktion nicht entstanden. Der Rollsplitt sei bereits für Pflasterarbeiten eingekauft worden.

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zum Video Kritik an Rollsplitt-Aktion auf Skatepark

hessenschau von 16:45 Uhr vom 11.05.2021
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Die örtliche SPD äußerte trotzdem Kritik. "Ich hätte mir gewünscht, dass er (der Bürgermeister, Anm. d. Red.) die Kinder- und Jugendförderung hier mal vorbeischickt oder das Ordnungsamt, um für Verständnis für die Corona-Regeln zu werben", sagte Matti Merker, Sprecher der SPD Darmstadt-Dieburg. "Hier gleich mit Schotter um sich zu werfen, ist zu viel. Dafür habe ich kein Verständnis."

Protestaktion vor dem Rathaus

Auch die Jugendlichen selbst fühlten sich offenbar ungerecht behandelt. Am vergangenen Wochenende habe es eine "kreative Protestaktion" vor dem Rathaus gegeben, sagte Bürgermeister Haus. Dort seien Rollsplitt-Häufchen aufgetürmt worden, beschriftet mit Orten, die ebenfalls zu sperren seien - etwa Spielplätze oder Parks.

Dazu wird es nun aber nicht mehr kommen. Da die Inzidenz im Kreis Darmstadt-Dieburg seit einer Woche unter 100 liegt und somit die Kontaktbeschränkungen gelockert werden, hätte die Stadt den Rollsplitt am Montag sowieso weggeräumt.

Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch werde die Stadt deshalb nicht stellen, sagte Bürgermeister Haus. Die Aktion brachte der Stadt auch einen Vorteil: "Der Aufwand der Reinigung hat sich nun deutlich verringert." Nun soll noch eine Kehrmaschine den verbliebenen Rest beseitigen, damit die Anlage wieder sicher benutzt werden kann.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.05.2021, 19:30 Uhr