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Ärzte empfehlen Grippeschutzimpfungen

In diesem Winter könnte die Grippewelle besonders heftig ausfallen - hessische Mediziner raten daher zur Impfung. Denn nach zwei Jahren mit niedrigen Grippezahlen dürfte das Immunsystem vieler Menschen auf die Probe gestellt werden.

Gesundheitsexperten empfehlen bestimmten Bevölkerungsgruppen, sich mit einer Impfung vor der nächsten Grippewelle zu schützen. Die Spritze könne helfen, der klassischen Influenza vorzubeugen. Deswegen haben das hessische Sozialministerium und die Landesärztekammer zur Grippeschutzimpfung aufgerufen.

Jetzt sei ein passender Zeitpunkt, sagte Minister Kai Klose (Grüne). Und der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Edgar Pinkowski, betont: "Die Grippeimpfung darf trotz der öffentlichen Aufmerksamkeit auf Covid-19 nicht vernachlässigt werden."

Influenza kann heftig verlaufen und tödlich sein

Denn auch eine Influenza-Infektion kann schwere Komplikationen bringen oder gar tödlich verlaufen, wie Pinkowski erläutert. Vor allem für chronisch Kranke und Ältere stelle die Grippe ein hohes Risiko dar. Die Risikogruppen ähneln jenen, die auch bei Corona schwere Verläufe fürchten müssen.

Laut Ständiger Impfkommission (Stiko) können die Impfstoffe gegen Covid-19 und gegen die Grippe gleichzeitig verabreicht werden. Grippeschutzimpfungen müssen jedes Jahr erneuert werden. Denn die Zusammensetzung der Influenza-Impfstoffe aus Bestandteilen der aktuell weltweit zirkulierenden Virustypen muss immer wieder neu entwickelt werden.

Impfung für mehrere Bevölkerungsgruppen ratsam

Die Stiko empfiehlt Impfungen insbesondere für über 60-Jährige, aber auch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen. Dazu zählen unter anderem Menschen, die Diabetes, Asthma oder eine Herzkreislauferkrankung haben. Impfen lassen sollten sich auch Menschen in Alters- und Pflegeheimen sowie medizinisches Personal und Schwangere.

Geimpft werden soll dem Robert-Koch-Institut zufolge möglichst bis Mitte Dezember. Doch auch eine spätere Immunisierung kann noch sinnvoll sein. Rund 27,5 Millionen Impfstoffdosen stehen zur Verfügung, wie das Paul-Ehrlich-Institut als Bundesinstitut für Impfstoffe mitteilt. Das sei ausreichend, befand der Deutsche Apothekerverband.

Impfung meist gut verträglich

Die Impfung ist meist gut verträglich, wird in der Regel von den Krankenkassen übernommen und kann zum Beispiel beim Hausarzt erfolgen, wie das hessische Sozialministerium erklärt.

Als Nebenwirkung können erkältungsähnliche Symptome auftreten. Dazu zählen etwa leichtes Fieber, sowie Muskel- oder Gliederschmerzen.

Hausärzteverband erinnert an Relevanz der Impfung

Eine Impfmüdigkeit wegen der andauernden Corona-Pandemie sieht der Deutsche Hausärzteverband zwar nicht. Aber ihr Vorsitzender Ulrich Weigeldt sagt: "Nach bald drei Jahren Corona-Fokus müssen die Menschen aber auch in ihrem täglichen Leben wieder an die Relevanz anderer Impfungen erinnert werden."

Christian Sommerbrodt, Vorstand im hessische Hausärzteverband, sagte dem hr, dass die Grippeschutzimpfungen derzeit gut angenommen würden. Das sei auch gut so. Denn er rechnet in diesem Winter mit schnelleren Infektionen und stärkeren Verläufen, "weil dem Immunsystem vieler Menschen die Übung fehlen dürfte", sagte der Hausarzt aus Wiesbaden.

Auch Sabine Wicker, Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes am Universitätsklinikum Frankfurt und Stiko-Mitglied, sagte, es hänge primär von den Impfquoten ab, wie gut Deutschland durch die Influenza-Saison komme. Sie betonte zugleich, dass die Quote bei den Risikogruppen noch zu niedrig sei.

Weit entfernt von Zielvorgaben beim Impfen

Besonders niedrig ist die Quote laut der Stiko bei Schwangeren mit nur 23 Prozent. Und bei den über 60-Jährigen lag die bundesweite Impfquote zuletzt bei knapp 39 Prozent. Damit ist man weit entfernt von den Zielvorgaben der der Europäischen Union. Danach sollen 75 Prozent der älteren Menschen gegen Grippe geimpft werden.

Gerade in der Pandemie gelte es, zusätzliche Belastungen des Gesundheitssystems zu vermeiden, sagte Wicker. Dass es doch noch zu einer Doppel-Welle aus Corona und Grippe kommt, hält die Professorin nach dem Wegfall zahlreicher Corona-Maßnahmen für möglich. Masken würden schließlich kaum noch getragen.

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