Stehpaddler auf dem Main in Frankfurt
Im Main bei Frankfurt sind gefährliche Keime gefunden worden. Bild © Collage: hessenschau.de, picture-alliance/dpa

Die Stadt Frankfurt hat ihre Gewässer auf gesundheitschädliche Keime untersucht. Überall sind die Grenzwerte überschritten. Besonders alarmierend: die Belastung mit multiresistenten Erregern. Die Kläranlagen sind überfordert.

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In allen Frankfurter Gewässern sind im vergangenen Jahr multiresistente Erreger (MRE) gefunden worden. Das geht aus einem am Donnerstag vom Gesundheitsamt der Stadt vorgelegten Bericht hervor. Die Stadt Frankfurt hat erstmals im vergangenen Jahr ihre Gewässer auch auf MRE untersucht.

Bei den in Proben entdeckten Erregern handelt es sich um Bakterien, die gegen viele Antibiotika widerstandsfähig geworden sind. Sie gelten bei der medizinischen Versorgung zunehmend als Problem.

Besser nur im Schwimmbad plantschen

Für die Bevölkerung bedeute dies keine Gesundheitsgefährdung, betonte Ursel Heudorf, stellvertretende Leiterin der Behörde. Aber: "Wir warnen vor dem Baden und Schwimmen in allen unseren Gewässern." Kinder, die dennoch im Wasser geplantscht oder im Schlamm Burgen gebaut haben, sollten gründlich die Hände waschen. Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, sollte ins Hallen- oder Freibad gehen.

Neben Main und Nidda sind auch die kleineren Bäche und Weiher betroffen. Selbst zum Bewässern von Obst- oder Gemüsepflanzen eignet sich das Wasser wegen seiner Keimbelastung größtenteils nicht.

Exzessiver Antibiotika-Einsatz als Auslöser

MRE entstehen im menschlichen Darm durch den vielfachen Einsatz von Antibiotika in der Medizin. Die Erreger gelangen dann über die menschlichen Ausscheidungen und Kläranlagen in die Gewässer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Keime in Flüssen und Weihern: Frankfurter Gesundheitsamt rät vom Baden ab

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Heudorf unterstrich die generelle Notwendigkeit, Antibiotika verantwortungsvoll einzusetzen. Bei vielen Atemwegs- oder Harnwegsinfektionen seien Hausmittel ausreichend. In vielen Gewässern haben sich sogar Keime nachweisen lassen, die gegen alle verfügbaren Antibiotika resistent sind.

Wo viele Kliniken sind, sind auch Keime im Wasser

Nach Ansicht von Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene der Universität Bonn, muss das Hauptaugenmerk deshalb auf der Reinigung von Krankenhausabwässern liegen. Der Experte, der die Analysen durchgeführt hat, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein vieler Kliniken und dem Auftreten der Keime in Gewässern.

Doch auch Wildvögel können Keime weitertragen, wie Heudorf berichtet. "Wenn Sie sich den Rebstockweiher angucken, da finden Sie immer relativ viele Vögel". In den Rebstockweiher fließen keine Abwässer. Dennoch ist das Gewässer stark belastet.

Kläranlagen nicht gerüstet

Bereits im Dezember war die Belastung einiger Frankfurter Gewässer mit multiresistenten Keimen bekannt geworden. Schon damals brachte die Stadt eine mögliche flächendeckende Aufrüstung der Kläranlagen in die Diskussion. Konkret sind die Pläne aber noch nicht.

Das gilt auch deutschlandweit: Wie der NDR nach Keimfunden in niedersächsischen Gewässern berichtete, sind die mehr als 10.000 Klärwerke in Deutschland grundsätzlich nicht so ausgestattet, dass sie Bakterien komplett herausfiltern können. Die nötige zusätzliche Reinigungsstufe haben bisher nur wenige Versuchsanlagen.

16 Euro pro Einwohner

Angesicht der bundesweit zunehmenden Keimbelastung von Gewässern fordert das Umweltbundesamt die Nachrüstung, zumal die nötige Technik vorhanden sei. Was fehle, seien die gesetzlichen Grundlagen.

Die Behörde schätzt die Kosten zur keimfreien Reinigung von 90 Prozent aller Abwässer auf 1,3 Milliarden Euro. Das mache pro Einwohner rund 16 Euro im Jahr aus. Angesichts der zu erzielenden Minimierung des Gesundheitsrisikos und der Vorsorge für die Umwelt seien diese Investitionen erwägenswert.