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Audioseite Der hessische Wald leidet

Nördlicher Odenwald im Herbst, der Wald zeigt sich von seiner bunten Seite. Teils sind aber auch die Schäden der verganenen trockenen Sommer zu sehen.

Obwohl es in diesem Jahr keine längeren trockenen Zeiten gab, steht es um die hessischen Wälder weiterhin schlecht. Das Land führt das auf den Klimawandel zurück und will mit aller Kraft gegensteuern.

Umweltstaatssekretär Oliver Conz wählte bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2021 in Taunusstein (Rheingau-Taunus) drastische Worte, um seine Message zu vermitteln. Der hessische Wald sei "todkrank", sagte der Grünen-Politiker, es habe in diesem eher feuchten Jahr lediglich eine Atempause gegeben.

Die jährliche Absterberate (alle Bäume, alle Alter) beträgt 2021 dem Bericht zufolge 0,7 Prozent. Sie ist damit im Vergleich zum Vorjahr (2,9 Prozent) zwar deutlich zurückgegangen, liegt aber fast doppelt so hoch wie im langjährigen Mittel (0,4 Prozent).

"Trockenheit, Käfer und Pilze haben unseren Wald vielerorts stark geschädigt", sagte Conz weiter. Die Folgen des Klimawandels seien fast überall erkennbar. "Hessen blieb in diesem Jahr von langanhaltenden Trockenperioden verschont, trotzdem war es erneut zu warm."

Besonders ältere Wälder betroffen

Der Zustandsbericht dokumentiert einen seit 2019 anhaltend schlechten Gesundheitszustand der Wälder, besonders betroffen sind ältere Bäume. Die jüngeren, bis 60 Jahre alten Bäume, haben demnach von den günstigeren Niederschlagsbedingungen 2021 profitiert und weisen verbesserte Werte auf. Der Anteil starker Schäden bleibt über alle Baumarten hinweg jedoch sehr hoch, hieß es.

Zum Aufbau eines klimastabilen Waldes in Hessen stehen bis 2023 nach den Worten von Conz 260 Millionen Euro zur Verfügung. Neben der Wiederbewaldung im Staatswald würden auch private und kommunale Waldbesitzer bei dieser Aufgabe unterstützt.

HessenForst will "klimastabilen Mischwald" aufbauen

Seit 38 Jahren wird der Zustand des Waldes systematisch erhoben, wie Ulrike Talkner von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt erklärte. Der Anteil der stark geschädigten Buchen habe 2021 mit acht Prozent den höchsten Wert in dieser Zeitreihe erreicht. Das gleiche gelte für die Kiefer, bei der in diesem Jahr an neun Prozent der Bäume starke Schäden dokumentiert wurden.

Stefan Nowack vom Landesbetrieb HessenForst bekräftigte, dass für den Wald "Alarmstufe Rot" gelte. Nun müsse ein "klimastabiler Mischwald" aufgebaut werden. Dies geschehe teils durch Anpflanzungen, teils dadurch, dass sich die Bäume im Wald von selbst aussäen und vermehren. In 50 Jahren werde es vermutlich noch Wald in Hessen geben - "aber nicht so, wie wir ihn kennen", sagte Nowack.

Nabu fordert geringere Holzernte

Der Naturschutzbund Nabu Hessen forderte mehr Vorsorge beim Waldschutz. Die Folgen der vergangenen Dürresommer seien dramatisch, für die nächsten Jahre sei mit weiteren Trockenperioden zu rechnen. "Für einen effektiven Klimaschutz braucht Hessen mehr Wildnisgebiete ohne Holznutzung", sagte der Nabu-Geschäftsführer Mark Harthun. Hier könne sich das Kronendach der Bäume schließen und dadurch den Wald vor gefährlicher Austrocknung schützen.

Auch für den bewirtschafteten Wald empfiehlt der Nabu Zurückhaltung bei der Holzernte. Oberstes Gebot sei nun, die Bestände so geschlossen wie möglich zu halten, damit die Bäume geschützt blieben. Künftig müsse in Hessen insbesondere im öffentlichen Wald das Motto "Walderhalt vor Holznutzung" gelten, erklärte Harthun. Wald habe noch viele andere wichtige Funktionen wie Artenschutz, Erholung, Grundwasserbildung und Bodenschutz. Dafür müsse aber der verschwenderische Umgang mit Holz aufhören, forderten die Naturschützer.

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