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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Prozess: Pfleger ging trotz Corona-Infektion zur Arbeit

Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl.  (dpa)

Obwohl er unter Quarantäne stand, ist ein Altenpfleger aus dem Main-Taunus-Kreis zur Arbeit gegangen. Dafür wurde er jetzt von einem Gericht bestraft. Hat er die Anordnung einfach nicht verstanden?

Wer unter Quarantäne steht, weil er Kontakt mit einer infizierten Person hatte oder selbst Corona-Symptome bemerkt, darf sein Haus nicht verlassen. Gegen diese simple Regel hat ein Altenpfleger aus dem Main-Taunus-Kreis verstoßen.

Der 61 Jahre alte Pfleger aus Liederbach war im April des vergangenen Jahres noch zwei Tage lang zur Arbeit gegangen, obwohl er zuvor eine infizierte Heimbewohnerin betreut hatte und ihn das Gesundheitsamt daraufhin in Quarantäne geschickt hatte. Auch seine Tochter brachte er noch zur Schule. Erst, als zwei Tage später das positive Testergebnis vorlag, blieb er zu Hause.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Das Amtsgericht Frankfurt entschied am Donnerstag, dass der Altenpfleger deshalb drei Geldbußen in Höhe von jeweils 500 Euro zahlen muss. Die drei Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz müssten als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden, lautete die Begründung.

Vor Gericht sagte der Altenpfleger aus, er habe an den beiden Tagen eigentlich Urlaub gehabt, sei wegen mehrerer Corona-Fälle in dem Seniorenheim aber eingesprungen. Von seiner eigenen Erkrankung habe er erst vier bis fünf Tage später erfahren.

Möglicherweise Missverständnis wegen Sprachbarriere

Mitarbeiter des Gesundheitsamts bestätigten jedoch als Zeugen vor Gericht, den Mann schon vorher telefonisch zur Quarantäne aufgefordert zu haben. Da er die Möglichkeit hatte, sich im Seniorenheim zu testen, sei ihm bloß erlaubt worden, dafür den Test noch einmal dorthin zu fahren - nicht aber, um zu arbeiten.

Ob der Pfleger das allerdings verstanden hat, ist unklar. Vor Gericht übersetzte ein Dolmetscher für ihn ins Russische und er musste sich Anordnungen des Richters mehrmals erklären lassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: hr4, 27.05.2021, 12.46 Uhr