Angeklagte vor dem Landgericht Limburg
Zwei der Angeklagten im "Elysium"-Prozess vor dem Landgericht Limburg Bild © picture-alliance/dpa

In Limburg hat der Prozess gegen die vier mutmaßlichen Betreiber der Kinderporno-Seite "Elysium" begonnen. Die Verlesung der Anklage zeigt, welche Grausamkeiten Kindern und Jugendlichen zugefügt wurde, um die Sucht der Nutzer nach Bildern zu befriedigen.

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Sie kannten sich bisher nur mit ihren Nicknames: Im Darknet nannten sie sich "Skorpion", "Mad Mouse", "León", "Dark Soul" und "Berndinihr". Am Donnerstag begegneten sie sich erstmals im realen Leben, im Gerichtssaal des Limburger Landgerichts. Sie würdigten sich keines Blickes.

Die Männer im Alter zwischen 40 und 62 Jahren aus Bayern, Hessen und Baden-Württemberg sollen die Kinderpornoplattform "Elysium" im so genannten Darknet aufgebaut oder als Administrator, Programmierer und Moderator betreut haben. Ihnen wird unter anderem Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften vorgeworfen.

Die Verteidiger der Angeklagten kündigten am Donnerstag an, dass ihre Mandanten sich zu den Vorwürfen äußern würden - und auch Teilgeständnisse ablegen. Bis Mitte November sind bisher 15 Verhandlungstage angesetzt.

111.000 Mitgliederkonten weltweit

"Elysium" war etwa ein halbes Jahr im Darknet, dem verborgenen Teil des Internets, online. Im Juni 2017 wurde die Plattform nach langer Detektivarbeit durch das Bundeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt abgeschaltet. Die Ermittler fanden mehr als 111.000 Mitgliederkonten weltweit, außerdem Bild- sowie Videodateien mit Aufnahmen schwersten sexuellen Missbrauchs von Kindern. Manche Opfer waren erst zwei Jahre alt.

In dieser Form soll die Plattform eine der größten ihrer Art im Darknet gewesen sein. Die Nutzer konnten die Dateien nicht nur austauschen. Sie sollen sich auch zu Übergriffen verabredet haben.

Drei Stunden braucht Staatsanwältin Julia Bussweiler am Donnerstag, um die rund 60-seitige Anklageschrift vorzutragen. Sie beschreibt den Missbrauch und die sexuelle Gewalt an den Kindern, der auf den Bildern zu sehen war: Kinder, die mit Schraubenziehern vergewaltigt oder zum Oralverkehr gezwungen wurden, Oralverkehr, Vergewaltigungen, schwere Gewalt.

Manche Opfer waren erst wenige Monate alt. Die Missbrauchsbilder waren auf der Plattform in verschiedenen Kategorien nach Säuglingen, Kleinkindern, Kindern bis zwölf Jahren und Jugendlichen bis 17 Jahren gegliedert.

Missbrauchsbilder bei Staufen-Angeklagten bestellt

Einer der Hauptverantwortlichen für "Elysium" soll Frank M. aus Bad Camberg sein. Der Anklage zufolge hat der 40-Jährige die Seite mit aufgebaut und den Server bereitgestellt. Der Server wurde in seiner Autowerkstatt in Bad Camberg gefunden. Als der Richter den Angeklagten zu seinen persönlichen Daten befragt, antwortet er sehr leise. Nur bei der Frage nach dem Familienstand wird er lauter und deutlich: "Seit 18 Jahren glücklich verheiratet!". Frank M. hat selbst zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen.

M. soll über das Forum mit Christian L., einem der mutmaßlichen Täter im Staufen-Prozess in Kontakt gestanden haben. Er soll Christian L. angewiesen haben, welche Sachen er mit dem neunjährigen Jungen anstellen solle, den Christian L. und dessen Mutter regelmäßig missbraucht und an andere Männer verkauft haben sollen. L. soll ihm dann die entsprechenden Bilder zugeschickt haben.

Angeklagter soll selbst Kinder missbraucht haben

Der Angeklagte Joachim P. aus Baden-Württemberg hat einen langen, grauen Bart, trägt ein gelbes Hemd, das viel zu groß um seinen hageren Körper hängt. Sein Anwalt Thomas Weiskirchner sagt über seinen 58-jährigen Mandanten, er sei "hochintelligent", gleichzeitig aber von "Familie und Freunden verlassen", einsam, ein Messi, der in prekären Verhältnissen in einer Einzimmerwohnung hinter Rolläden im Dunklen saß. P. soll Frank M. geholfen haben, die Plattform aufzubauen, nachdem eine andere große Kinderporno-Seite, "The Giftbox Exchange", von australischen Behörden geschlossen worden war.

Uwe G. ist der einzige Angeklagte im Prozess, dem realer Kindesmissbrauch vorgeworfen wird. Er trägt seine langen grauen Haare zum Zopf, mit seiner Lesebrille verfolgt er jede Zeile in der Anklageschrift, die vor ihm liegt. Wenn ihm nicht passt, was die Staatsanwältin vorliest, schüttelt er den Kopf. Laut Anklage fuhr der 62-Jährige nach Österreich zu einem Chatpartner, den er aus "Elysium" kannte und verging sich an dessen Kindern, ein vierjähriger Junge und ein sechsjähriges Mädchen. Der Vater der Kinder machte Bilder von dem Missbrauch, und soll danach seine eigenen Kinder missbraucht haben, während Uwe G. fotografierte.

Geständnisse angekündigt

G. ist der einzige Angeklagte, der bereits wegen Kindesmissbrauch verurteilt wurde: Er hatte als Erzieher in den 80er Jahren teils behinderte Kinder missbraucht und davon Aufnahmen gemacht. Fünfeinhalb Jahre saß er dafür in Haft. Über "Elysium" soll er dieses alte Material wieder an andere Nutzer geschickt haben.

Der vierte Angeklagte, Bernd M. aus Baden-Württemberg, wirkt im Gerichtssaal fast abwesend. Bei "Elysium" soll er bei Verschlüsselungen und Anonymisierung geholfen haben.