Feuerbestattung im Krematorium

In Gießen sind in den vergangenen Wochen deutlich mehr Menschen gestorben als üblich. Das Krematorium fährt Extraschichten, um mit den Einäscherungen nachzukommen.

Im Dezember sind deutlich mehr Gießenerinnen und Gießener gestorben als üblich. Das zeigt sich derzeit besonders im Krematorium der Stadt. Nach Angaben der Stadtwerke haben die Mitarbeiter dort momentan spürbar mehr zu tun und arbeiten deshalb im Zweischichtbetrieb - auch samstags.

Ina Weller von den Gießener Stadtwerken sagt: Herausfordernd seien weniger die Kapazitäten für die Einäscherung als jene für die gekühlte Lagerung der Särge. Man habe deshalb die Bestattungsunternehmen gebeten, vorrangig ihre eigenen vorhandenen Kühlkapazitäten zu nutzen. Ein "würdevoller Ablauf" im Gießener Krematorium werde durch die personelle Aufstockung weiterhin gewährleistet, sagt sie.

Uniklinikum: "Erhöhtes Leichenaufkommen"

Laut Gießener Standesamt sind im Dezember 112 Gießener Bürger gestorben. Das sind rund doppelt so viele wie in den beiden Vorjahresmonaten. Durchschnittlich starben in den vergangenen drei Jahren jeden Monat 62 Menschen aus Gießen. Bis November lagen die Zahlen noch im Durchschnitt.

Auch das Uniklinikum Gießen und Marburg spricht in einer schriftlichen Stellungnahme von einem "erhöhten Leichenaufkommen". Trotzdem sei es durch einen Notdienst über die Weihnachts- und Silvesterfeiertage ohne Probleme gelungen, die an oder mit Covid-19 Verstorbenen zu kühlen und ihre Leichen an die Bestatter zu übergeben. Derzeit gebe es aufgrund der guten Zusammenarbeit mit den Bestattern keinen Anlass, zusätzliche Kühlkapazitäten zu beschaffen, so das Klinikum.

Zu solchen Maßnahmen war es in der Vergangenheit etwa in Hanau gekommen. Weil dort die Kühlkapazitäten der Krankenhäuser erschöpft waren, musste die Stadt im Dezember einen Kühlcontainer auf dem Hauptfriedhof nutzen.

Kühlcontainer auf dem Friedhof Hanau

Bestatter: Hessenweit nicht mehr Sterbefälle

Der Landkreis Gießen ist momentan eine der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Regionen in Hessen. Im Kreis sind bisher 160 mit dem Virus infizierte Menschen gestorben – über 100 davon seit Anfang Dezember. Ob aber die erhöhte Todeszahl in der Stadt Gießen allein am Coronavirus liegt oder ob möglicherweise auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen, lässt sich derzeit noch nicht gesichert sagen.

Der Kasseler Bestatter Dominik Kracheletz ist Vorsitzender des hessischen Bestatterverbands. Er will die erhöhten Zahlen in Gießen nicht allein auf die Pandemie zurückführen. Es gebe immer wieder regionale oder saisonale Schwankungen bei den Todeszahlen, meint Kracheletz. Er sagt, dass die Bestatter in Hessen für das Jahr 2020 insgesamt nicht mehr Sterbefälle hätten feststellen können als 2018 und 2019.

Derzeit liegen noch keine hessenweiten Todeszahlen vom Statistischen Landesamt für das ganze Jahr 2020 vor, um gesicherte Aussagen zu einer möglichen Übersterblichkeit treffen zu können.

Sendung: hr4, 12.01.2021, 12 Uhr