Feuerwehrleute auf einem brennenden Feld
Kampf gegen die Flammen - eine Bahnlinie bei Hattersheim musste zeitweise gesperrt werden. Bild © wiesbaden112.de

Das ist die Kehrseite von Grillwetter: Unter der sengenden Sonne sind wieder zahlreiche Felder in Hessen in Brand geraten. Viele Bäche führen nur noch wenig Wasser. Und Entspannung ist kaum in Sicht.

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Seit Tagen knallt die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel. Erst kürzlich warnte das Umweltministerium vor erhöhter Feuergefahr. Am Dienstag sind alleine im Rhein-Main-Gebiet drei Felder in Brand geraten. Dabei fielen knapp 30.000 Quadratmeter Acker den Flammen zum Opfer. Das sind fast vier Fußballfelder.

Feuerwehr muss vor Feuer fliehen

Bei Hattersheim (Main-Taunus) stand am Mittag ein 100 mal 100 Meter großes Feld zunächst zur Hälfte in Flammen. Da dies die bereits abgeerntete Hälfte betraf, konzentrierte sich die Feuerwehr darauf, die auf dem Rest des Ackers stehenden Früchte vor den Flammen zu bewahren. Doch ein auffrischender und sich drehender Wind machte den Rettungskräften einen Strich durch die Rechnung.

Verbrannter Acker in Hattersheim
Die Flammen ließen viel verbrannte Erde in Hattersheim zurück. Bild © wiesbaden112.de

Die Flammen hätten sich rasant ausgebreitet, berichtete ein Feuerwehrsprecher. Mannschaft und Geräte mussten nun selbst in Sicherheit gebracht werden. Eine sogenannte Schlauchhaspel fiel den Flammen zum Opfer. Allein dadurch entstand ein Schaden von rund 3.000 Euro.

Die angrenzende Bahnstrecke der S1 zwischen Wiesbaden und Frankfurt musste wegen der Rauchentwicklung vorübergehend gesperrt werden. Wie groß der landwirtschaftliche Schaden war, konnte der Sprecher nicht sagen. Auch die genaue Ursache des Brandes ist noch unbekannt. Die Trockenheit habe aber die Ausbreitung des Feuers stark begünstigt.

Stoppelacker in Offenbach abgebrannt

Ausgebrannter Traktor in Katzenfurt
Ausgebrannter Traktor auf abgebranntem Feld in Katzenfurt Bild © J.R.

Ähnlich sah es etwa zeitgleich in Offenbach aus. Hier brannte ein 10.000 Quadratmeter großes Feld in der Nähe des Schultheisweihers, das bereits abgemäht war. Anwohner fürchteten, die Flammen könnten ihr Haus erfassen und hielten das Geschehen im Video fest. Durch die Dürre habe sich der Brand schnell ausgebreitet, sagte ein Sprecher.

Berufsfeuerwehr und freiwillige Feuerwehren waren vor Ort. Nach etwa einer halben Stunde war der Brand gelöscht. Auch hier ist der genaue Auslöser noch unbekannt.

Zigarettenkippe als Auslöser

Anderswo war es nicht besser. Beispiel Rüsselsheim. Eine weggworfene Zigarettenkippe könnte den Flächenbrand auf einem 7.100 Quadratmeter großen Feld verursacht haben. Darauf deute ein Stummel hin, den man vor Ort gefunden habe, teilte die Polizei mit.

In Frankfurt-Schwanheim geriet eine Thuja-Hecke in Brand, als der Bewohner eines Anwesens Unkraut mit einem Gasbrenner abflämmen wollte. Dabei seien aufgrund der langen Trockenheit die mit Harz überzogenen Blätter des Gewächses "explosionsartig" abgebrannt, berichtete die Feuerwehr. Auch die Dachtraufe des Hauses wurde beschädigt.

Die herbeigerufenen Einsatzkräfte konnten ein weiteres Übergreifen der Flammen auf das Gebäude verhindern. "Nur kurze Zeit später hätte das Feuer das gesamte Dach zerstören können", sagte ein Sprecher. Rauch drang in das Haus. Eine Person wurde vom Rettungsdienst mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung versorgt.

Mähdrescher fängt Feuer

Feldbrand Dillenburg
Und noch ein Feuer - in diesem Fall bei Dillenburg Bild © J.R.

Auch in Nord- und Mittelhessen hält die Trockenheit die Feuerwehren auf Trab. Am Dienstag fing in Udenhausen, einem Ortsteil von Grebenstein (Kassel), zunächst ein Mähdrescher Feuer. Kurz danach stand ein 30.000 Quadratmeter großes Stoppelfeld in Flammen, wie das Onlineportal hessennews.tv berichtete.

Im Lahn-Dill-Kreis brannten Felder unter anderem in Dillenburg und Katzenfurt, wo auch ein Traktor in Flammen aufging.

Auch Glas kann Brände auslösen

Bereits in den letzten Tagen hatten in Hessen immer wieder Felder gebrannt. Feuerwehr und Polizei warnen davor, Zigaretten oder andere brennende Gegenstände wegzuwerfen. Auch Glas sei gefährlich, da es als Brennglas wirken und auf dem trockenem Untergrund Brände auslösen könne.

Das Umweltministerium wies darauf hin, dass Rauchen im Wald nicht gestattet ist. Grillen ist nur an ausgewiesenen Plätzen erlaubt. Beim Verlassen darf nichts Brennendes oder Glühendes zurückbleiben.

Weniger als die Hälfte des üblichen Regens

Im Juni dieses Jahres ist nach Angaben des Hessischen Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HLNUG) weniger als die Hälfte der sonst üblichen Regenmenge, bezogen auf das langjährige Mittel, gefallen. Entsprechend niedrig sind die Pegelstände von Fließgewässern. Bei einigen Bächen im Raum Wiesbaden sei die Wasserführung kritisch, teilte das Regierungspräsidium Darmstadt am Dienstag mit.

Aus diesem Grund wurde die sonst erlaubte Wasserentnahme aus Bächen im Main-Taunus-Kreis, dem östlichen Vordertaunus, der Stadt Wiesbaden, dem Rheingau sowie aus der Weil und ihren Seitengewässern untersagt. Das Verbot gilt bis auf Weiteres.

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Viele Bauern ziehen die Reißleine und holen ihr Getreide schon jetzt aus den vertrockneten Böden. Seine Gerste habe wegen der Trockenheit nur flach gewurzelt und sei notreif, erklärte Landwirt Torsten Möller dem hr-fernsehen. Das wirkt sich auch negativ auf die Erträge aus.

Gewitter bringen kaum Entspannung

Hoffnung auf Entspannung können die Wetterexperten nicht machen. Zwar sind für Mittwoch und Donnerstag einige Schauer und Gewitter angekündigt. Diese können nach Worten von hr-Wetterexperte Jörg Pfeifer vor allem am Donnerstag sogar unwetterartig ausfallen und Starkregen sowie Hagel mit sich bringen.

Diese Erscheinungen seien jedoch lokal sehr begrenzt, gab Pfeifer zu bedenken. Für eine nachhaltige Verbesserung der Situation könnten sie nicht sorgen. Zudem sei es ab Freitag mit den Niederschlägen auch schon wieder vorbei. Bis in die nächste Woche hinein werde die Dürre wohl mindestens noch anhalten.