Mitarbieter des Technischen Hilfswerks betreuen Lkw-Fahrer, die auf der Autobahn 4 bei Gera im Stau stehen.  (dpa)

Schnee und Eisglätte haben erneut viele Fahrer die ganze Nacht auf der A4 in Osthessen gefangen gehalten. Helfer sorgten für heiße Getränke und Decken. Auch die Bahn hat weiterhin Probleme - und es wird noch eisiger.

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Schnee sorgt für Chaos auf A4
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Minus 16 Grad zeigte das Thermometer am Morgen noch. Da war für viele Fahrer, vor allem Lastwagenfahrer, auf der A4 in Osthessen die Sache noch nicht ausgestanden: So massiv waren die Verkehrsbehinderungen, so lange war der Stau durch Schnee, Glätte und querstehende Laster, dass am Dienstag nach dem Räum- auch ein Weckdienst gebraucht wurde.

Polizisten stapften in der Früh auf der Chaosstrecke zwischen Bad Hersfeld und Erfurt an Scheiben klopfend durch die Reihen, um als erste die Fahrer im vorderen Abschnitt des Staus aus dem Schlaf zu holen. Denn nachdem zunächst eine Fahrspur freigeworden war, ging es ganz langsam wieder voran.

Mühsames Freikratzen

In der Nacht war neben dem Einsatz von Polizei und Schneeräum-Abteilungen auch die Ausdauer von Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz gefragt. Die Einsatzkräfte verteilten heißen Tee und Kaffee, etwas zu Essen und Decken. Nicht nur die Fahrbahn, auch Autos und Laster mussten oft mühsam von Schnee und Eis befreit werden. Bis zum Vormittag kam es immer wieder zum Stillstand, bei Wildeck-Obersuhl (Rhön) zum Beispiel.

Hauptbahnhof in Kassel gesperrt

Begonnen hatte alles mit dem Wintereinbruch zum Wochenanfang. Bis zu 25 Zentimeter Schnee fielen. Schulunterricht wurde abgesagt. Den Verkehr traf es mit Wucht: Busse und Bahnen blieben in den Depots. In Kassel ändert sich das auch am Dienstag nicht, und weder Straßenbahnen noch Linienbusse verkehren - bis mindestens Freitag. In den Tramgleisen etwa sitzt noch immer das harte Eis. Auch Schulunterricht in der Stadt und im Umland wurde abgesagt.

Der Hautbahnhof in Kassel, am Montagnachmittag gesperrt, blieb noch am Dienstag dicht. Statiker hatten wegen der enormen Schneelast auf den Dächern Bedenken. Schicht für Schicht sollte der Schnee beseitigt werden. Ein Teil des Bahnhofs, der unter anderem Mittelpunkt der Regiotram ist, soll nach Angaben der Bahn am Mittwoch wieder freigegeben werden.

Schneepflug-Traktor umgekippt

Katastrophal war es seit Sonntag in Hessen vor allem für Autofahrer auf der A7 und der A4 geworden. Dort, auf der A7, hat sich die Lage wieder entspannt. Probleme meldete die Polizei am Dienstagmorgen jenseits der hessisch-niedersächsischen Landesgrenze im Raum Göttingen. Von schweren Unfällen wurde zunächst nichts bekannt, nicht auf den Autobahnen. Meist blieb es bei Blechschäden.

Am Abend zuvor hatte es allerdings den Fahrer eines Schneepflug-Traktors getroffen - im insgesamt glimpflicher davongekommenen Südhessen. In Weiterstadt (Darmstadt-Dieburg) verunglückte der 52 Jahre alte Mann am späten Montagabend auf einem Betriebsgelände, wie die Polizei berichtete. Das Fahrzeug kippte um und klemmte den Fahrer ein. Die Feuerwehr befreite den Mann, der Verletzungen an der Wirbelsäule und eine Gehirnerschütterung erlitt. Er kam in ein Krankenhaus.

Bahnverkehr noch immer betroffen

Wegen des Wintereinbruchs müssen sich auch Bahnpendler und andere Reisende in Hessen weiterhin auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen. Im Fernverkehr ist besonders der Knotenpunkt Kassel betroffen, wie die Deutsche Bahn am Dienstagmorgen mitteilte. Man arbeite mit Hochdruck daran, die Hauptstrecken von Schnee und Eis zu befreien.

Auch im Regionalverkehr gibt es Behinderungen. So kann es dem Rhein-Main-Verkehrsverbund zufolge etwa auf den Linien RB5, RE5, RE30 und RE98 rund um Kassel zu Ausfällen und Verspätungen kommen. In mehreren Landkreisen gebe es auch im Busverkehr Probleme, etwa im Wetteraukreis.

Von den Einschränkungen im Fernverkehr sind unter anderem Bahnverbindungen zwischen Hamburg und Frankfurt oder Berlin und Frankfurt betroffen. Es werde den ganzen Tag über mit Verzögerungen gerechnet. Die Bahn rät: Wer seine Fahrt nicht verschieben kann, sollte die Verbindung vor dem geplanten Fahrtantritt überprüfen.

Frostiger, sonniger

Frostig bleibt es auch in den kommenden Tagen in Hessen. Temperaturen zwischen -11 Grad im Upland und -3 Grad im äußersten Süden sind nach Angaben der hr-Meteorologen am Dienstag das höchste der Gefühle. Der Himmel bleibt meist bewölkt, Schnee soll jedoch nur vereinzelt fallen.

In der Nacht zu Mittwoch kühlt es noch weiter ab, auf bis zu -23 Grad. Auf den Straßen im Land könne es daher etwa durch gefrierendenden Nebel glatt werden. Immerhin: Die Tage werden sonniger.

Sendung: hr-iNFO, 9.2.2021, 7 Uhr