Eine von mehreren Festnahmen eines mutmaßlichen Serienbrandstifters, der Anschläge auf alternative Zentren verübt haben soll

Ein 47-jähriger Frankfurter soll zahlreiche Brandanschläge auf alternative Zentren und Wohnprojekte im Rhein-Main-Gebiet verübt haben. Die Hinweise auf eine politische Motivation verdichten sich.

Irgendwann in naher Zukunft wird Steffen B. sich vor Gericht verantworten müssen. Ein Hauptverhandlungstermin ist noch nicht festgesetzt, doch die Anklage gegen den 47-jährigen Frankfurter ist bereits zugelassen.

Sachbeschädigung und Brandstiftung werden ihm vorgeworfen - teils versucht, teils vollendet. Insgesamt 16 Einzeltaten. Steffen B. "spielt" gerne mit Feuer. Motorroller, Scheunen, Wohnhäuser - vor seiner Verhaftung soll B. bei der Wahl seiner Zielobjekte nicht wählerisch gewesen sein. Mit einer Ausnahme.

Politisches Motiv liegt nahe

Steffen B. - dessen wahren Namen wir aus Rücksicht auf das laufende Verfahren nicht nennen - gilt als Hauptverdächtiger für eine Reihe mutmaßlicher Brandanschläge auf alternative Wohnprojekte und linke Kulturzentren im Rhein-Main-Gebiet Ende 2018.

Ein politisches Motiv liegt nahe, zumal Steffen B. bereits in der Vergangenheit versucht haben soll, alternative Wohnprojekte bei Behörden anzuschwärzen. Und auch in den noch laufenden Ermittlungen scheint sich diese Annahme zu verfestigen. Denn nach hr-Informationen hat der mutmaßliche Serienbrandstifter an die hessische AfD gespendet.

Überweisungen kurz vor der Landtagswahl

Laut Aktenauszügen, die dem hr vorliegen, stießen die Ermittler des Frankfurter Polizeipräsidiums bei der Durchsuchung des Hauses von Steffen B. sowie bei der Überprüfung seiner Bankkonten auf Belege für zwei Spenden an den hessischen Landesverband der Partei.

Eine kleinere in Höhe von 65 Euro vom April 2017, sowie eine als "Plakatspende" deklarierte Überweisung von 1.691,70 Euro im August 2018. Letztere erfolgte zwei Monate vor der Landtagswahl 2018 - und nur wenige Wochen vor Beginn der Brandserie.

Die dem hr vorliegenden Berichte stammen von der Staatschutz-Abteilung des Frankfurter Polizeipräsidiums. Dort sind mittlerweile alle noch offenen Ermittlungsverfahren gegen Steffen B. zusammengezogen worden, nachdem die Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Hanau zunächst getrennt ermittelt hatten.

Einspruch gegen Gültigkeit der Landtagswahl

Neben den Spenden an die AfD ist darin auch festgehalten, dass B. laut einem bei ihm aufgefundenen Schreiben gegen die Gültigkeit der Landtagswahl 2018 Einspruch einreichte.

Die hessische AfD wollte den Eingang der Spenden auf hr-Anfrage nicht bestätigen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen werde grundsätzlich keine Auskunft über Spender erteilt, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Allerdings sei Steffen B. nie Mitglied der Partei gewesen. Ob er an Veranstaltungen der AfD teilgenommen habe, sei unbekannt.

Bereits einmal verurteilt

Die vom Staatsschutz in Frankfurt geführten Ermittlungen gegen Steffen B. sind derweil noch nicht abgeschlossen - und somit nicht Teil der 16 Punkte umfassenden Anklage vom Mai 2020, über die das Landgericht Frankfurt in naher Zukunft entscheiden muss.

Diese bezieht sich ausschließlich auf Taten, die von der allgemeinen Abteilung ermittelt wurden, bestätigt die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Auf gut Deutsch: bei denen kein politischer Hintergrund vermutet wird.

Für Steffen B. wird dies allerdings nicht der erste Prozess wegen Brandstiftung sein. Bereits im Herbst 2002 verurteilte ihn das Landgericht Darmstadt wegen versuchter und vollendeter Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Alkohol im Spiel

B. hatte an drei Abenden im September und Oktober 2001 versucht, ein Einfamilienhaus in Brand zu stecken. Die Strafe verbüßte B. im Maßregelvollzug in einer Entzugsklinik.

Auch bei den jüngsten Taten scheint Alkohol zumindest eine Rolle gespielt zu haben. Als Steffen B. am 21. Dezember von Nutzern des autonomen Kulturzentrums Metzgerstraße gestellt und der Polizei übergeben wird, nachdem dort in einem Abstellraum ein Feuer ausgebrochen war, ist er laut der dem hr vorliegenden Aktenauszügen alkoholisiert.

Dennoch liegen nach Ansicht der Frankfurter Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit vor. Auch die Voraussetzungen für eine Einweisung in die Psychiatrie oder eine Entzugseinrichtung seien nicht gegeben, heißt es auf hr-Anfrage.

Mehrfach in Nähe von Bränden festgenommen

Erst mit dieser Festnahme rückte Steffen B. überhaupt erst in den Fokus der Ermittler. Trotz der einschlägigen Vorstrafe wurde B. nicht in Untersuchungshaft genommen. In den folgenden Monaten wird er mindestens zwei weitere Male in der Nähe von Brandorten von Polizisten festgenommen. Doch jedes Mal kommt er nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß.

Erst im Dezember 2019 wird B. nach einer erneuten Brandstiftung in Untersuchungshaft genommen. Dem Zugriff seien aufwändige "verdeckte Ermittlungen" vorausgegangen, erklärte die Frankfurter Staatsanwaltschaft seinerzeit.

Seitdem sitzt Steffen B. wegen Wiederholungsgefahr im Gefängnis und erwartet seinen Prozess wegen Brandstiftung. Möglicherweise nur den ersten von zweien.