Drei Fotos in Kombination: eine Wandergruppe im Wald, eine verschmutzte OP-Maske auf dem Waldboden, eine junge Frau, die mit Schutzhandschuhen und Müllbeutel ausgestattet Plastikflaschen aus einem Waldbach fischt.

Das Biosphärenreservat Rhön erfährt in Zeiten der Corona-Pandemie einen wahren Besucheransturm. Mit negativen Folgen für Natur und Tierwelt. Das von der UNESCO anerkannte Schutzgebiet schlägt Alarm.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Besucheransturm sorgt für Probleme im Biosphärenreservat Rhön

Biosphärenreservat Rhön
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Mehr Müll und Ruhestörungen mit Folgen für Natur und Tierwelt - das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön fühlt sich derzeit von Besuchern geradezu überrannt - mit negativen Folgen. "Der zunehmende Besucherdruck wird zum ernsthaften Problem in den Schutzgebieten, die wichtiger Lebensraum zahlreicher vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten sind", heißt es in einer Mitteilung. Den Besucheransturm führt das Schutzgebiet auf die derzeit eingeschränkten Reise- und Freizeitmöglichkeiten zurück.

Tiere in Lebensräumen gestört

Die Naturschützer beobachten, dass immer wieder Hinweisschilder missachtet würden und die Wandernden vielerorts in den Schutzgebieten abseits der Wege unterwegs seien. "Solche Störungen haben - besonders in der aktuellen Vogelbrutzeit – erhebliche Folgen: Die zum Teil streng geschützten Tiere werden aus ihren Lebensräumen vertrieben, eine Brut findet oftmals gar nicht statt oder wird abgebrochen", warnt das Biosphärenreservat (BR) und bittet die Besucher, die noch anhaltende Winterruhe vieler Tiere nicht zu stören und keine Pflanzen herauszureißen und mitzunehmen. Vor allem Hunde sollten an der Leine gehalten werden.

Probleme träten immer dann auf, wenn besonders viele Menschen zur gleichen Zeit unterwegs seien, erklärt Torsten Raab, Leiter der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats. Wer am Wochenende oder in den Ferien Erholung suche, solle nicht unbedingt die Hotspots wie Wasserkuppe, Kreuzberg und Co. aufsuchen, sondern auch mal kleinere Wanderwege suchen, ergänzt Sprecherin Anna-Lena Bieneck.

Für Ungemach sorgen auch die Wohnmobile. Viele Fahrzeuge würden einfach an Waldwegen im Schutzgebiet wild geparkt. "Dann sind ständig Störungen zu bemerken. So etwas geht gar nicht und ist auch verboten", betont Raab.

Corona-Masken landen im Wald statt im Mülleimer

Zu dem ohnehin ärgerlichen Problem mit zurückgelassenem Müll sei nun auch noch das mit den Masken dazugekommen. "Man sieht, dass die Entsorgung der Masken mangelhaft ist, das muss man deutlich sagen", sagt Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das sei besonders misslich, weil die Mund-Nase-Masken aus Kunststoffgewebe sind. Sie verwittern nicht wie organischer Abfall. Für die Tiere im Wald seien die Masken zudem gefährlich, weil sie sich in den Ohrschlingen verfangen und selbst strangulieren können.

Auf der anderen Seite freue er sich aber auch, dass Grünanlagen und Wälder als Erholungsräume nun mehr genutzt würden, sagt Umweltschützer Wessel. "Manchen Familien würde es viel schlechter gehen, wenn sie nicht die Gelegenheit hätten, das Grüne aufzusuchen." Natur sei für die Menschen eben ein Gesundheitsfaktor. "Das sind die Kronjuwelen Deutschlands, wenn man sich anschaut, was für fantastische Landschaften wir haben."

Damit diese Kostbarkeiten erhalten bleiben, sollte man im Wald nichts hinterlassen als einen guten Eindruck. "Und alles andere nimmt man wieder mit nach Hause", sagt Wessel.

Sendung: hr-iNFO, 07.04.2021, 08.15 Uhr