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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Willingen sperrt Skipisten und Rodelhänge

Das Foto zeigt sehr viele Menschen - dicht beieinander und ohne Maske - in der Schneelandschaft bei Willingen.

Wegen des Ansturms von Schneetouristen sperrt der nordhessische Wintersportort Willingen seine Skipisten, Rodelhänge und Parkplätze für Besucher. Auch andere hessische Schneegebiete ächzen unter dem Andrang von Ausflüglern.

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hessenschau 16:45 Uhr 04.01.2021 Thumbnails
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Der nordhessische Wintersportort Willingen zieht Konsequenzen aus dem Besucheransturm der vergangenen Tage und hat seine Skipisten, Rodelhänge und Parkplätze am Wochenende für Besucher gesperrt. Ein entsprechendes Verbot hat am Dienstag der Landkreis Waldeck-Frankenberg beschlossen. Es ist die erste Sperrung von Skipisten und Rodelhängen dieser Art in Hessen. Aus Gründen des Infektionsschutzes habe man sich für die zunächst dreitägige Einschränkung entschieden, sagte eine Sprecherin in Korbach. Sie soll von Freitag bis Sonntag gelten.

Nachdem die Wintersport-Region Winterberg im benachbarten Nordrhein-Westfalen am Wochenende Pisten und Parkplätze geschlossen hatte, waren Tausende Ausflügler nach Nordhessen ausgewichen.

"Mindestabstände sind bei der Masse an Tagestouristen weder einhaltbar, noch kontrollierbar gewesen - sogar im Freien", sagte der Gesundheitsdezernent des Landkreises, Karl-Friedrich Frese. Man habe daher keine andere Möglichkeit als das Betretungsverbot gesehen, um die Besucherströme zu verringern. Ordnungsbehörden und Polizei würden die Einhaltung kontrollieren. Danach hofft der Kreis auf eine Entspannung der Lage wegen des Ferienendes.

Die Gemeinde Haina (Kloster) rief dazu auf, den Skihang im Ortsteil Battenhausen nicht aufzusuchen. Der dortige Lift sei ohnehin seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Das Ordnungsamt behalte sich zudem vor, die Zufahrtsstraßen zu sperren, sollte die Einhaltung der Corona-Regeln gefährdet sein. "Ersparen Sie sich bitte den Weg und uns den Aufwand!", so der Appell der Gemeinde.

Polizei zeigt mehr Präsenz in Rhön und Vogelsberg

Auch an den Ausflugszielen und Wintersportorten in der Rhön und im Vogelsberg will die Polizei in den kommenden Tagen an mehr Präsenz zeigen. Dabei werde man "ein ganz besonderes Augenmerk" auf die Einhaltung der Verkehrsregeln und Corona-Beschränkungen legen, wie das Polizeipräsidium Osthessen mitteilte. "Dabei werden Verstöße kommunikativ begleitet und, wenn nötig, auch konsequent verfolgt."

Auf der Wasserkuppe in der Rhön sowie am Hoherodskopf und an der Herchenhainer Höhe im Vogelsberg war es zuletzt durch erhöhtes Besucher-Aufkommen aufgrund des Neuschnees zu massiven Verkehrsbehinderungen gekommen. Die Zufahrten und Parkplätze an den beiden Zielen im Vogelsberg sind nun bis mindestens Freitag (8. Januar) tagsüber für den Besucherverkehr gesperrt. Die Wasserkuppe bleibt zwar offen. Die Polizei rät aber, Wintersportregionen generell zu meiden.

Wegen des Ansturms auf die Wintersport-Gebiete hatte der Bürgermeister der Gemeinde Grebenhain (Vogelsberg), Sebastian Stang (SPD), am Montag zu Beginn der letzten Ferienwoche einen Hilferuf veröffentlicht. Er sei "ehrlich gesagt ratlos", was man noch machen solle, "damit die Menschen nicht unseren Vogelsberg und die anderen bekannten Winterfreizeitgebiete in Hessen überrennen“.

Appelle an Schneetouristen

Unterdessen versuchen es andere Kommunen erneut mit Appellen an Schneetouristen. Im Lahn-Dill-Kreis riefen am Dienstag Landrat Wolfgang Schuster (SPD) und Bürgermeister dazu auf, Wintersportgebiete nicht zu "überrennen". "Wir möchten niemandem das Schlittenfahren verbieten, aber auch im Freien sollten die Menschen sich an die AHA-Regeln halten und vor allem den Abstand wahren", sagte Schuster. "AHA" steht für "Abstand halten", "Hygiene" und das Tragen einer Alltagsmaske bei zu geringem Abstand.

Unter einem Ansturm von Ausflüglern hatten in den vergangenen Tagen mehrere hessische Wintersportorte zu leiden. Rund um den Hohen Meißner hatte die Polizei am vergangenen Wochenende Zufahrten gesperrt, weil Autofahrer Rettungswege versperrten. Es seien "nicht mehr kontrollierbare Verkehrssituationen" gewesen, sagte eine Sprecherin des Kreises am Montag. Für die kommenden Tage würden sich Landkreis, Polizei, Bürgermeister und Hessen Mobil absprechen, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Genervte Anwohner im Taunus

Auch im Taunus führte der Besucherandrang am vergangenen Wochenende zu chaotischen Zuständen - und das, obwohl die Behörden appellieren, die Gegend um den Feldberg zu meiden. "Wir Falkensteiner Bürger sind mit den Nerven völlig am Ende", schrieb eine Anwohnerin dem hr. Seit zwei Wochen drückten sich "Autokarawanen und Menschenmassen" durch den Ort, die Anwohner würden keine Parkplätze mehr finden, sie würden nur noch aus dem Haus gehen zum Einkaufen - und das dann zu Fuß: "Wir werden vollkommen alleingelassen".

Hartmut Müller, erster Beigeordneter von der CDU in Schmitten, sagte, die vergangenen Tage seien eine "eine Katastrophe für Anlieger" gewesen. "So etwas habe ich noch nicht erlebt, man konnte es kaum wagen, nach draußen zu gehen".

Sendung: hr-iNFO, 05.01.2020, 15.30 Uhr