Haus und daneben der gesperrte Parkplatz

Erst ist ein Parkplatz über Wochen gesperrt, dann wird auch noch das Parken in der Parallelstraße komplett verboten: Die Anwohner in der Dietzenbacher Altstadt sind verärgert. Die Stadt lehnt ein Gespräch mit ihnen bislang ab.

Seit neun Wochen ist der Parkplatz "Linde" in der Dietzenbacher Altstadt gesperrt. Ein Teil der Fläche ist bereits saniert, an anderer Stelle stapeln sich noch neue Pflastersteine. "ParkBEReit 2022" steht auf einem Schild, das Anwohner an die Absperrung geklebt haben – eine Anspielung auf die Dauerbaustelle Berliner Flughafen (BER).

Gesperrter Parkplatz mit Plakat "ParkBEReit 2022"

"Die Zeit, wie lange das schon dauert, ist für uns Anwohner nicht akzeptabel", sagt Ralf Loch. Denn die Parkplätze in der dicht bebauten Altstadt sind ohnehin knapp. "Es sind hier Familien mit Kleinkindern dabei, gehbehinderte Menschen, die jetzt alle ein Problem haben."

Neues Halteverbot in Parallelstraße

Doch bei diesem temporären Wegfall von knapp 15 Parkplätzen blieb es nicht: Seit Ende Juli dürfen die Anwohner ihr Auto auch nicht mehr in der Parallelstraße "In den Speyergärten" abstellen. "Ohne Ankündigung an die Anwohner sind hier Parkverbotsschilder aufgestellt worden", ärgert sich Loch. "Man hat es über unsere Köpfe entschieden und hat die komplette Straße von oben bis unten gesperrt." Mindestens 13 weitere Parkplätze seien dadurch verloren gegangen.

Karte mit betroffener Straße und gesperrtem Parkplatz

Für ihn, der nicht nur selbst in der Straße wohnt, sondern hier auch vier Wohnungen vermietet, ergebe sich dadurch auch eine Wertminderung. Hinzu komme, dass das Ordnungsamt fast jeden Tag kontrolliere. "Und wenn man nur kurz zum Ausladen hält - man läuft Gefahr, einen Strafzettel zu kriegen." Als kreativen Protest gegen die gefühlte Flut an Verwarnungen hat ein Anwohner einen Strafzettel-Automaten gebastelt mit dem Hinweis "Nur für Anwohner".

Stadt lehnt Gespräch ab

Von ihm sei das nicht, aber es sei eine gute Aktion, findet Ralf Loch. "Im Prinzip wollen wir keinen Ärger machen, wir wollen nur mit der Stadt ins Gespräch kommen. Aber das verweigert sie uns im Moment." Die Antwort habe bisher gelautet, aus Sicht der Straßenverkehrsbehörde der Kreisstadt Dietzenbach und des Landkreises Offenbach sehe man keine Notwendigkeit für einen solchen Termin. Inzwischen hat Ralf Loch 33 Unterschriften gesammelt und einen Brief an den Bürgermeister geschickt.

Selbstgebastelter Strafzettelautomat aus Pappe

Die Parkplatzsituation in der Altstadt sei natürlich bekannt, beteuert ein Sprecher der Stadt gegenüber dem hr. Der Parkplatz "Linde" müsse wegen Pflastereinbruch und Wurzeleinwuchs grundsaniert werden und sei daher gesperrt. Dass sich die Arbeiten verzögern, liege daran, dass die Stadt noch mit den Aufräumarbeiten nach den Sturmschäden von Mitte August beschäftigt sei. "Trotz der Mehrbelastung durch dieses Naturereignis steht die Fertigstellung der Parkplätze zeitnah an, sodass diese voraussichtlich Mitte September wieder zur Verfügung stehen."

Zu eng für Rettungsfahrzeuge

Richtig zufrieden sind die Anwohner mit dieser Erklärung nicht. Er habe Verständnis dafür, sagt Ralf Loch, die Dauer der Verzögerung sei trotzdem nicht hinnehmbar. Auch die Begründung der Stadt für das Parkverbot in der Parallelstraße findet er dürftig. Die Halteverbotszone war eingerichtet worden, weil die Stadt die Straße als zu eng für Rettungsfahrzeuge befand.

Zwei Anwohner stehen vor gesperrtem Parkplatz

Lochs Nachbar, Christian Elbracht-Dunz, engagiert sich selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr Dietzenbach und findet die Argumentation fragwürdig. "Hier kommt jeder Rettungswagen durch, hier kommt auch ein Feuerwehrauto durch. Hier fahren auch regelmäßig Lkw." Mit dieser Argumentation müsse man dann auch viele andere Straßen im ganzen Stadtgebiet für das Parken sperren.

Stadt: Einzelprüfung und neue Parkplätze

Die Stadt will nun die Halteverbotsflächen nun noch einmal prüfen, um eventuell doch Parkplätze in der Straße wieder freizugeben. Ralf Loch hofft, dass er und die anderen Anwohner dieses Mal nicht wieder vor vollendete Tatsachen gestellt werden, sondern ihre Bedürfnisse äußern können.

Um die Parkplatznot zu entschärfen, plant die Stadt weitere Parkplätze in der Nähe. "Voraussichtlich noch in diesem Monat wird ein neuer Parkplatz südlich der Darmstädter Straße mit etwa 30 Parkplätzen eingeweiht", sagte ein Sprecher. Außerdem werde aktuell geprüft, ob der Bau eines Parkhauses möglich sei.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 03.09.2019, 18 Uhr