Ein halbleeres Klopapierregal in einem Frankfurter Supermarkt

Lücken in Supermarkt-Regalen, ausverkaufte Online-Shops und erste Rationierungsmaßnahmen: Mit den steigenden Corona-Zahlen beginnen auch wieder die Hamsterkäufe. Verbraucherministerin Hinz verspricht "genügend Klopapier für alle".

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ministerin Hinz: Nicht Klopapier für drei Monate bunkern

Priska Hinz
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Es geht schon wieder los: In einzelnen hessischen Supermärkten weisen die Regale deutliche Lücken auf. Wie in der ersten Corona-Hochphase im Frühjahr steht auch diesmal das Klopapier in der Gunst der Hamsterkäufer weit oben. Verbraucherministerin Priska Hinz (Grüne) versucht, die aufkommende Panik zu besänftigen:

"Es gibt genügend Klopapier für alle und jeden - und das an jedem Tag", sagte sie am Dienstag im Gespräch mit hr3. Es sei deshalb nicht nötig, Klopapier für drei Monate zu bunkern. "Grundsätzlich ist es so, dass die Lager voll sind. Es ist auch den Läden möglich, digital sofort nachzubestellen, die Lieferkette steht, die Grenzen sind offen", so Hinz. Es drohe "überhaupt keine Gefahr".

Warenversorgung laut Handelsverband stabil

Das Problem sei eher ein psychologisches. "Viele Leute hören, die Infiziertenzahlen steigen, aber es macht überhaupt keinen Sinn, jetzt loszulaufen und Hefe oder Nudeln oder Mehl im Übermaß zu kaufen", appellierte die Ministerin. Sobald eine Lücke im Regal sei, habe das Wirkung auf jeden anderen, der einkaufen geht. Der Kunde denke sich dann: "'Die Nudeln gehen ja zu neige, ich brauche jetzt unbedingt Reis' und dann geht das so weiter bis zur Hefe."

Hinz rief die Verbraucher auf, normal einzukaufen. Auch der Einzelhandelsverband Hessen hatte am Montag betont, die Warenversorgung sei stabil und es gebe keinen Grund, zusätzliche Vorräte anzulegen. "Wenn jeder nur das kauft, was er braucht, ist auch genug für alle da." Verbreitete Hamsterkäufe seien noch nicht beobachtet worden, hieß es weiter. Die Nachfrage in den Lebensmittelgeschäften gehe aktuell nicht über den normalen Bedarf hinaus.

Erhöhte Klopapier-Nachfrage bei Drogeriemarkt

In der Praxis sieht das teilweise anders aus. In den Online-Shops der Drogerieketten dm und Rossmann waren einige Klopapier-Sorten am Dienstag nicht erhältlich. Ein Sprecher von dm sagte: "Wir beobachten auch in unserem Onlineshop eine erhöhte Nachfrage nach Toilettenpapier." Kunden in den Märkten werden ihm zufolge darüber informiert, Produkte nur in haushaltsüblichen Mengen zu kaufen.

Bereits in der vergangenen Woche hatten einzelne Lebensmittelmärkte Mengenbegrenzungen für Klopapier wieder eingeführt: In einem Supermarkt in Frankfurt wies ein Aushang darauf hin, dass nur zwei normale Packungen oder ein Doppelpack Toilettenpapier pro Haushalt abgegeben werden. Der Küchenpapier-Kauf wurde ebenfalls beschränkt. Auch die Kassiererin eines Rewe-Marktes sagte hessenschau.de am Dienstag, die Belegschaft stelle Hamsterkäufe beim Klopapier fest. "Wir haben auch schon die Mengen reglementiert."

Kein Engpass bei Rewe und Penny, Aldi mit Nachfrage-Anstieg

Ein Sprecher der Rewe-Group betonte am Dienstag hingegen, es gebe bundesweit keine Änderung im Kaufverhalten und keine Engpässe bei Toilettenpapier und Küchenrolle. Die Lage in den deutschlandweit mehr als 5.500 Rewe- und Penny-Märkten sei vollkommen normal und entspannt. "Es gibt keine Hamsterkäufe." Selbst wenn mal ein Regal zeitweise leer sein sollte, "dann ist das ja nicht automatisch ein Indiz für Hamsterkäufe, sondern schlicht eine Frage, wann das Marktteam das wieder auffüllt oder der Lkw mit Nachschub kommt".

Ein Sprecher von Aldi Süd teilte mit, aktuell werde in den Filialen erstmals wieder ein leichter Anstieg der Nachfrage nach vereinzelten Produkten verzeichnet. Für Hamsterkäufe bestehe aber kein Anlass. "Wir erwarten derzeit keine Einschränkungen bei der Verfügbarkeit." Sollte in Filialen die Nachfrage haushaltsübliche Mengen deutlich übersteigen, "können die Kollegen sich bei Bedarf für eine eingeschränkte Abgabe entscheiden".

Sendung: hr3, 20.10.2020, 7.40 Uhr