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Audioseite Arbeitsunfall im Homeoffice

Ein Frau arbeitet im Homeoffice. (dpa)

Auf dem Weg vom Schlafzimmer in sein häusliches Büro stürzt ein Mann und verletzt sich schwer. Die Versicherung seines Arbeitgebers weigert sich zu zahlen. Das Bundessozialgericht urteilte nun: Es handelt sich um einen Arbeitsunfall.

Arbeitgeber müssen unter Umständen auch für Unfälle auf dem Weg ins häusliche Arbeitszimmer aufkommen. Das Bundessozialgericht in Kassel gab am Mittwoch einem Kläger Recht, der auf dem Weg vom Bett ins Homeoffice seine Wendeltreppe hinuntergestürzt war.

Dabei hatte sich der Mann einen Brustwirbel gebrochen. Für den Schaden zahlen sollte aus seiner Sicht die gesetzliche Unfallversicherung seines Arbeitsgebers. Doch die Berufsgenossenschaft weigerte sich - mit der Begründung, der Versicherungsschutz beginne erst im Arbeitszimmer. Ein versicherter Wegeunfall liege nicht vor.

Büro auf eigener Etage

Die Kasseler Richter urteilten nun, dass die Berufsgenossenschaft sehr wohl für mögliche Folgekosten des Unfalls wie eine Reha aufkommen muss. Da sich das Büro auf einer eigenen Etage befinde, habe der Kläger zweifelsfrei nachweisen können, dass er die Treppe nur zu Arbeitszwecken betrat. Zudem habe er um 7 Uhr morgens mit der Schicht begonnen und sich ohne Umwege sofort aus dem Schlafzimmer ins Büro begeben. Deswegen handele es sich in diesem Fall um einen Arbeitsunfall.

Das Gericht wies in seiner Urteilsbegründung aber auch darauf hin, dass Unfälle im Homeoffice grundsätzlich keine Wegeunfälle seien. Diese gebe es nur, wenn der Arbeitnehmer das Haus verlasse, um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen.

Durch Corona zuhause besser versichert?

Der Unfall hatte sich bereits vor der Corona-Pandemie, im Jahr 2018, ereignet. Laut der im Juni eingeführten Neuregelung zum Homeoffice gilt zuhause in gleichem Umfang Versicherungsschutz wie im Unternehmen. Ungeklärt ist bisher aber, ob das auch den Weg zur Toilette oder in die Küche einschließt, wie es vor Ort im Betrieb der Fall wäre.

Vorangegangen waren Urteile des Sozialgerichts in Aachen und des Landessozialgerichts in Nordrhein-Westfalen. Das Landessozialgericht hatte die Klage abgewiesen.

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