Entwurfskizze und Brunnen.

Ralf Werneke hat den Brunnen in Jossgrund entworfen, der seit Mittwoch hessenweit für viel Gelächter sorgt. Einen Penis sollte die Fontäne eigentlich nicht darstellen - aber dass es nun viele so interpretieren, findet er auch nicht schlimm, erzählt er im Interview.

Ein Brunnen in eigenwilliger Form ist derzeit Gesprächsthema Nummer eins bei den Menschen in Jossgrund (Main-Kinzig) und Umgebung: Zwei Kugeln mit einem Wasserlauf in der Mitte lassen sich auch mit wenig Fantasie als Penis betrachten. Entworfen wurde er im Planungsbüro von Ralf Werneke in Hanau.

hessenschau.de: Herr Werneke, Ihr Brunnen in Jossgrund hat auf einmal landesweite Bekanntheit erreicht. Sind sie davon überrascht?

Ralf Werneke: In der Tat, ja. Der war ja überhaupt nicht als das gedacht und geplant, als was er jetzt interpretiert wird, und dem Ganzen ging ja auch ein Prozess mit vier Jahren Vorlauf voraus. Aber bei uns im Büro fragen wir uns auch, wie das passieren konnte – dass dieser Brunnen für sehr viele aussieht wie ein Penis.

hessenschau.de: Was war denn die Idee für die Form des Brunnens?

Werneke: Der Brunnen sollte das Landschaftsbild auf den Platz zaubern. Jossgrund liegt ja im Spessart mit vielen Sandsteinvorkommen, direkt neben dem Vogelsberg mit seinem Basalt. Basalt und Sandstein sieht man an vielen Stellen im Ort als die regionalen Bauprodukte. Das sollen die zwei Kuppeln aus diesen Materialien darstellen. Das Bergland ist wasserreich. Daher liegt zwischen den Kuppeln ein Tal, in dem Wasser fließt.

Ralf Werneke, Architekt des Brunnens.

Hinzu kommt: Der Franz-Korn-Platz ist ja nach dem früheren Bürgermeister benannt, der in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Jossa an genau dieser Stelle vor rund 30 Jahren überbauen ließ. Die wollten wir wieder auf den Platz holen. Das Wasser wird zwischen den Hügeln aus der Jossa hochgepumpt und fließt an der Spitze des Brunnens wieder in die Jossa ab.

hessenschau.de: Und bei dem ganzen Prozess gab es niemanden, der mal gesagt hat: Das sieht doch aus wie ein Penis?

Werneke: Nein, niemand hat gesagt, dass man das anders sehen könnte. Sonst hätten wir natürlich eine andere Formsprache gewählt. Die ganze Idee wurde sehr intensiv diskutiert, da waren bis zu zwölf Bürger dabei, der Bürgermeister, Vertreter der Verwaltung und der Main-Kinzig-Kreis mit der Förderstelle. Ich kann mir deswegen auch nicht die geringste Schuld geben, das ist ja sehr langsam entstanden.

hessenschau.de: Können Sie denn verstehen, dass Menschen darin was anderes sehen als das Landschaftsbild?

Werneke: Ich hab mir gestern den Link bei hessenschau.de angeschaut und gedacht: Klar, man kann das da rein interpretieren, und wer das will, soll das gerne machen. Solange es mit so viel Humor getragen wird wie bisher, finde ich das nicht dramatisch. Ich bin auch gar nicht beleidigt. Unschön wäre es, wenn jemand mit der Moralkeule käme. Aber das passiert zum Glück bisher nicht.

hessenschau.de: Der Brunnen kurbelt jetzt ja auch den Tourismus an, viele Leute kommen nach Jossgrund, um ihn zu sehen. Das ist doch auch eine gute Nachricht.

Werneke: Absolut, da haben wir nichts dagegen. Gegenüber von dem Brunnen ist ja eine Metzgerei. Da kann man sich dann ein Leberkäsbrötchen holen und beim Verzehr über die Brunnenform sinnieren.

hessenschau.de: Wie geht es denn jetzt weiter mit dem Brunnen?

Werneke: Der ist ja noch nicht ganz fertig. Um die Kuppeln werden noch Rundbänke montiert. Das verändert vielleicht auch das Erscheinungsbild noch ein bisschen. Und dann wird irgendwann der Platz eröffnet – da wird es bestimmt noch den ein oder anderen humorigen Beitrag geben.

hessenschau.de: Und haben Sie auch mal ihre nächsten Projekte geprüft, ob die auch anders interpretiert werden könnten?

Werneke: Ich glaube, die sind unverdächtig – das sind Außenanlagen von Kitas in Rodenbach und Maintal.

Die Fragen stellte Bodo Weissenborn.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 06.08.2020, 18 Uhr