Spielplatz mit Warnschild vergiftet

Seit Jahren wird in Wildeck um den Umgang mit Arsen verseuchten Böden gerungen. Auch ein Kinderspielplatz ist betroffen. Jetzt hat die Sanierung begonnen. Wer die Kosten letztlich trägt, ist weiter unklar.

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zum Video Sanierung: Arsenvergiftete Grundstücke in Wildeck

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Der Spielplatz und die Minigolf-Anlage nahe des Weihebachs im Wildecker Ortsteil Richelsdorf (Hersfeld-Rotenburg) sind eigentlich schön gelegen. Idyllisch eingebettet in einen Grüngürtel, der sich durch den Wildecker Ortsteil schlängelt. Wo Kinder spielen und ihren Spaß haben sollten, laufen jetzt aber Arbeiter in staubdichten Schutzanzügen und Atemschutzmasken umher - gespenstisch.

Der Erdboden der Freizeitanlagen ist mit Arsen verseucht - Altlasten aus dem früheren, nahegelegenen Kupferabbau. Der Bach hat den giftigen Stoff dorthin gebracht und in den Boden gespült.

Als die Belastungen mit überschrittenen Grenzwerten vor rund sechs Jahren festgestellt wurden, sperrten die Behörden den Spielplatz. Der 2015 neu angelegte Minigolf-Platz wurde sogar nie in Betrieb genommen.

Arsen ist krebserregend

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Arsenverseuchter Spielplatz wird saniert

Der Kinderspielplatz ist wegen der Arsen-Belastung seit langem eingezäunt.
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Schnell war klar: Der kontaminierte Boden muss weg. Arsen gilt als krebserregend. Dennoch passierte lange recht wenig. Stattdessen wurde auf Bürgerversammlungen gestritten, wie die Erde entsorgt werden solle, wer dafür verantwortlich ist und wer das alles zahlen muss.

Nun sind die Arbeiten in dieser Woche tatsächlich angelaufen. Die kommunale Kasse streckt die Kosten von rund 300.000 Euro erst mal vor. Eigentlich will sich die Kommune das Geld aber vom Land für die Sanierung von insgesamt vier Grundstücken zurückholen. Zur Klärung wurde ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Nach Angaben des Umweltministeriums in Wiesbaden soll es bis Ende Mai vorliegen.

Es wird einige Wochen dauern, bis die 1.500 Kubikmeter Erdboden (etwa 150 Lkw-Ladungen) abgetragen sind. Bagger heben die obersten 50 Zentimeter aus. Das Erdreich wird auf der ehemaligen Halde der Richelsdorfer Bergbauhütte entsorgt und abgedeckt. So soll davon keine Gesundheitsgefahr mehr ausgehen. Aufgefüllt werden die kontaminierten Bereiche mit frischem Boden.

Erlaubte Belastung um das 132-fache überschritten

Der im Boden steckende Schadstoff soll sich über all die Jahre nicht auf die Gesundheit der Bürger ausgewirkt haben. Dafür hätte man den Boden schon essen müssen, um sich mit den Arsen zu vergiften, erklären Experten. Ortsvorsteher Wilfried Wetterau (SPD) sagt: "Es gibt keine Erkenntnisse, dass dadurch Menschen krank geworden sind." Allerdings wurde die erlaubte Arsen-Menge um das 132-fache überschritten.

Doch in Richelsdorf geht es nicht nur um Freizeit-Anlagen. Mehr als ein Dutzend Grundstücke sind ebenfalls belastet. Für die Eigentümer gilt: Sie dürfen den Boden nicht mehr betreten, müssen das Erdreich versiegeln oder die oberste Schicht austauschen. Das ist teuer, zu teuer für viele.

"Das würde meinen persönlichen Ruin bedeuten", sagt Anwohnerin Karin Dobesch-Wollrath, deren Garten ebenfalls belastet ist. Mehrere zehntausend Euro würde die Sanierung wohl kosten. Zu viel für die 82-jährige Rentnerin. "Ich habe nur meine Rente und dieses Haus", sagt sie.

Die immer noch auch rechtlich ungeklärte Situation sei vor allem für die privaten Grundstückseigentümer unhaltbar, schimpft Bürgermeister Alexander Wirth (parteilos). Denn die Grundstücke sind nicht nur belastet, sondern auch weniger Wert. Wirth verlangt vom Land Unterstützung. Schließlich war es vor Jahrhunderten ein Landgraf, der vom Kupferschiefer-Bergbau profitierte.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.04.2021, 19.30 Uhr