Mitarbeiter des Jerusalemer Zoos entlassen Mesopotamische Damhirsche aus Boxen in die Freiheit.

2017 zogen zwei Mesopotamische Damhirsche aus dem Kronberger Opel-Zoo nach Jerusalem. Dort sollen sie auch weiter für Nachwuchs sorgen - für ein Projekt, das der einst als ausgestorben geltenden Tierart buchstäblich neues Leben einhaucht.

Für Laien sind die Mesopotamischen Damhirsche kaum vom heimischen Damwild zu unterscheiden, aber sie sind etwas ganz Besonderes - und eng mit der Geschichte des Kronberger Opel-Zoos verbunden. Denn Zoo-Gründer Georg von Opel finanzierte in den 1950er Jahren mehrere Expeditionen in den heutigen Iran - auf einer davon wurden die eigentlich als ausgestorben geltenden Mesopotamischen Damhirsch wiederentdeckt.

Von Opel (1912-1971) ließ drei von ihnen in den Taunus bringen, 1960 wurde im Opel-Zoo erstmals Nachwuchs der bedrohten Tierart geboren. Inzwischen lebt in Kronberg die größte Herde von Mesopotamischen Damhirschen in Europa. Ihre Züchtung läuft so erfolgreich, dass regelmäßig Nachkommen als Zuchttiere weltweit an Zoos abgegeben werden.

Frisches Blut aus Kronberg

So auch im Frühjahr 2017. Von den grünen Hügeln des Taunus zogen zwei Jungtiere in das wärmere und trockenere Klima von Jerusalem. Die beiden Hirsche sollten frisches Blut bringen in eine Artenschutzprojekt des dortigen Zoos und der israelischen Naturschutzbehörde. Die bereits in der Bibel beschriebenen und in der Natur stark gefährdete Art soll wieder heimisch werden in der Region.

"Wir sind sehr froh über diese Zusammenarbeit", sagt nun Nili Avni-Magen, Tierärztin des Zoos in Jerusalem und dort verantwortlich für das Auswilderungsprojekt, das seit mehr als 20 Jahren existiert. Mittlerweile sind Avni-Magen zufolge nicht nur mehr als 100 im Zoo gezüchtete Hirsche in den Bergen rund um Jerusalem in einem Naturschutzgebiet in die Freiheit entlassen worden, die Überlebensrate der Tiere hat sich auch deutlich verbessert.

Jüngere Hirsche passen sich schneller an

"Die Tiere, die jetzt freigesetzt werden, sind ein bis zwei Jahre alt - zuvor waren sie vier bis fünf Jahre alt", sagt Avni-Magen. "Die jüngeren Hirsche scheinen sich besser und schneller an die neuen Bedingungen anpassen zu können."

Die beiden Kronberger Hirsche bleiben allerdings zu Zuchtzwecken im Zoo in Jerusalem. "Sie sind noch jung - wir versprechen uns, dass sie uns über Jahre Nachwuchs für das Projekt bescheren", sagt Avni-Magen über die "Mesos", wie sie im Kronberger Zoo genannt werden.

Alle europäischen "Mesos" stammen von Kronbergern ab

Dass sie dazu imstande sind, beweisen die "Mesos" des Opel-Zoos seit Jahren: Alle heute in Europa in Zoos lebenden Hirsche dieser Art stammen nach Angaben einer Sprecherin von den damals von Georg von Opel importierten Tieren ab.

Der begrenzte Genpool könne irgendwann zu Problemen führen, räumt Avni-Magen ein. Die in Israel lebenden und ausgewilderten Tiere wiesen zu 98 Prozent genetische Ähnlichkeiten auf. "Bis jetzt gibt es allerdings keine Probleme."