ESA-Sonde Hera umkreist den Asteroiden Dimorphos

Die Raumfahrtagenturen ESA und NASA wollen in einem gemeinsamen Projekt nicht weniger als den Planeten Erde verteidigen. Dabei geht es um die Abwehr von Asteroiden. Die Chance eines Aufpralls ist nämlich recht hoch.

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hs
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So könnte ein Science-Fiction-Film anfangen: Die Menschheit muss sich vor einem Asteroiden schützen, der bald die Erde treffen könnte. Mittels einer Sonde soll das in letzter Sekunde verhindert, der Asteroid abgelenkt werden. Klingt erst mal unwahrscheinlich - aber nicht mehr, wenn man mit Experten der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Darmstadt spricht. In einem spektakulären Projekt gehen sie die Asteroiden-Abwehr ganz real an.

Am Dienstag nahm dieses Projekt weiter an Fahrt auf. Vertreter der ESA und des Raumfahrtkonzerns OHB aus Bremen unterschrieben einen Vertrag zum Bau einer Sonde names "Hera". 129 Millionen Euro sollen in die Entwicklung, Integration und den Test des Raumfahrzeugs fließen.

Wie wichtig die Weltraummission ist, sieht man auf der "Risk-Page" der ESA. Hier werden Himmelskörper gezählt, die unserer Erde gefährlich nahe kommen könnten. Aktuell steht der Zähler bei 1.081 Objekten. Eines davon trägt die Bezeichnung "2010RF12" und hat einen Durchmesser von acht Metern. Nicht gerade groß, aber der Himmelskörper sorgt für Respekt, denn: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:14 könnte er die Erde im Jahr 2095 treffen. "Ich spiele kein Lotto", sagt Rolf Densing, Leiter des ESA-Kontrollzentrums in Darmstadt: "Aber wenn das hier die Gewinn-Chancen wären, müsste man wohl spielen."

"Darauf sollten wir vorbereitet sein"

Auch wenn viele Himmelskörper noch Jahrzehnte von der Erde entfernt sind, machen sich in Darmstadt Wissenschaftler schon jetzt Gedanken, wie Mutterschiff Erde vor Asteroiden und anderen erdnahen Objekten verteidigt werden könnte. Einer von ihnen ist Rolf Densing. Er sagt, auf der Erde schlugen schon immer Objekte ein. Zuletzt brach im Jahr 2013 ein vermutlich knapp 20 Meter dicker Brocken aus dem All rund 30 Kilometer über der russischen Stadt Tscheljabinsk auseinander. Die Druckwelle hinterließ große Schäden und zahlreiche Verletzte. "Es ist nicht die Frage ob, sondern wann ein Objekt wieder über bewohnten Gebieten niedergehen wird", sagt Densing. Das sei auch ein Grund, warum sich die ESA auf diese Situationen vorbereiten wolle.

Sonde schlag auf Asteroid ein.

Deshalb haben sich auch Amerikaner und Europäer zusammengeschlossen. NASA und ESA wollen die Asteroiden-Abwehr üben. Der Feind in diesem wissenschaftlichen Experiment heißt "Didymos". Ein Doppel-Asteroid. Der eine davon ist etwa so groß wie der Kölner Dom. Die NASA schickt dafür ihre Sonde "Dart", die im September 2022 den Asteroiden frontal rammen und vom Kurs abbringen soll. Die ESA-Sonde "Hera" ist dafür zuständig, diesen Aufprall mit Kameras und anderen Instrumenten zu dokumentieren.

Know-how aus Darmstadt

Das Wissen der ESA ist für diese Mission sehr wichtig. "Die Amerikaner sind Meister, wenn es darum geht, auf großen Planeten zu landen. Aber wir sind die einzigen, die Erfahrung haben, zu kleinen Himmelskörpern wie Asteroiden zu fliegen", sagt Paolo Ferri. Er war Leiter des ESA-Missionsbetriebs und ist stolz auf die Arbeit der zurückliegenden zwölf Jahre.

In Darmstadt habe man Pionierarbeit geleistet, findet Ferri. Der Launch von "Rosetta" war die erste Mission zu einem Kometen. "Wir können dieses Wissen jetzt für die nächste Mission nutzen", sagt Ferri.

So sieht die Hera-Sonder der ESA aus.

Das Ziel der neuen Mission ist gewagt: zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte eine mögliche Verteidigung des Planeten Erde testen. Von Darmstadt aus werden die ESA-Wissenschaftler alles steuern und überwachen. Rolf Densing freut sich schon jetzt auf den Start der "Hera"-Mission in vier Jahren: "Die Stimmung ist dann wie in einem Kreißsaal, bis man so weit ist, alle Systeme laufen und der Satellit zum Leben erwacht."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.09.2020, 19.30 Uhr