Graphische Darstellung derRaumsonde Hayabusa2 am Asteroiden Ryugu

Eine Kapsel mit Proben von einem Asteroiden ist am Samstag auf der Erde gelandet. Forscher aus Frankfurt hatten das Ereignis gespannt erwartet. Sie werden die Staubkörner untersuchen und hoffen auf wegweisende Erkenntnisse über die Entstehung des Lebens.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Professor Brenker: "Dann haben Sie die Bausteine für Leben auf jedem anderen Himmelsobjekt"

Prof. Frank Brenker von der Uni Frankfurt untersucht Staub aus dem All.
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Geschafft: Eine kleine Kapsel mit Proben des Asteroiden Ryugu ist am Samstagabend deutscher Zeit sicher in der australischen Wüste gelandet. Die japanische Raumsonde Hayabusa-2 (Wanderfalke) hatte den Sternenstaub im vergangenen Jahr gesammelt und zur Erde zurückgebracht. Während die Sonde zu einem weiteren Asteroiden durchstartete, löste sich 220.000 Kilometer von der Erde entfernt die etwa 40 mal 20 Zentimeter kleine Kapsel und machte sich bereit für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Ein Leuchtstreifen am Himmel zeigte die Rückkehr an.

Expertise aus Frankfurt gefragt

Gebannt verfolgten Wissenschaftler in Frankfurt das Geschehen via Livestream. Denn Professor Frank Brenker vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität und sein Team werden die mitgebrachten Asteroidenpartikel in einer frühen Untersuchungsphase mit als erste genau unter die Lupe nehmen.

Mit speziellen hochenergetischen Röntgenstrahlen erstellen die Forscher eine "chemische Tomographie" der voraussichtlich etwa einen Millimeter großen Staubpartikel, wie Brenker im Gespräch mit hessenschau.de erklärt. Dabei wird die dreidimensionale Verteilung von Haupt- und Spurenelementen in den Körnern vermessen.

Doch wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den Japanern? "Wir haben unsere Messtechniken angeboten", erklärt der 54-Jährige. "Da die japanische Raumfahrtagentur JAXA keine Wissenschaftler hat, die das ähnlich gut können, hat man uns mit in das Voruntersuchungsteam genommen."

Zudem ist Brenker in Sachen interstellare Materie kein unbeschriebenes Blatt. Die frühe Phase des Sonnensystems, die Geologie von Planeten und die Zusammensetzung von Kometenstaub gehören zu seinen Forschungsschwerpunkten. Er war schon an der Stardust-Mission der Nasa beteiligt, die 2006 interstellaren Staub und Kometen-Partikel zur Erde brachte.

Gibt es die Bausteine des Lebens auf anderen Planeten?

Hayabusa-2 war 2014 gestartet, im vergangenen Jahr gelang es dann, Proben von Ryugu zu entnehmen, einem im Durchmesser rund 900 Meter großen Asteroiden der sogenannten C-Klasse. Diese sehr dunklen Himmelskörper gehören zu den ursprünglichsten Objekten des Sonnensystems und machen etwa 75 Prozent aller Asteroiden aus. Es wird vermutet, dass sie besonders reich an organischen Stoffen sind. Das "C" steht dabei für Kohlenstoff.

Von der Untersuchung des Ryugu-Materials erhofft sich Brenker weitere Erkenntnisse darüber, ob Asteroiden einst die Bausteine des Lebens auf die Erde brachten, nämlich bestimmte Aminosäuren und vor allem Wasser in bestimmter Zusammensetzung. Ließe sich das bestätigen, so hieße das, dass nicht nur die Erde damit gesegnet ist.

Denn Asteroiden jeder Größe schlugen in der Vergangenheit auch auf dem Mars, der Venus, dem Merkur oder den Jupitermonden ein. "Dann haben Sie die Bausteine für Leben auf jedem anderen Himmelsobjekt in unserem Sonnensystem auch", ist Brenker überzeugt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Lebensformen dann auch anderswo entwickelten, schätzt der Wissenschaftler als sehr hoch ein.

Reines, unverändertes Material

Deshalb sind die Ryugu-Proben für die Forscher von so großem Wert. Zwar ist Material aus dem All in nicht unbeträchtlicher Zahl schon verfügbar, nämlich Steine und Partikel, die als Meteoriten auf der Erde landen. Doch diese sind in der Atmosphäre erhitzt worden, haben durch Liegezeit Luftfeuchtigkeit aufgenommen und waren anderen irdischen Einflüssen ausgesetzt.

Was Brenker und seine Kollegen für ihre Untersuchungen aber brauchen, ist reines, unverändertes Material, das direkt vom Asteroiden kommt. Die Goethe-Uni feierte die Rückkehr mit einer Übertragung im Internet. Sie startete rund zwei Stunden vor der Landung mit Expertenvorträgen und Hintergründen zur Hayabusa-2-Mission.

Hoffnung auf Proben vom Mond

Bis die Proben tatsächlich nach Frankfurt kommen, wird es aber noch etwas dauern. Die Sichtung, Katalogisierung und Vermessung der einzelnen Partikel in Japan wird laut Brenker etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Erst Mitte 2021 können die Wissenschaftler sie nach Frankfurt bringen und mit ihren Untersuchungen starten.

Derzeit sind chinesische Forscher dabei, Mondgestein zu sammeln und zurück zur Erde zu bringen. Auch davon könnten Proben bald in den Laboren der Frankfurter Geowissenschaftler landen. Erste Kontakte sind bereits geknüpft.