Blick in den Gerichtssaal während des Lübcke-Prozesses.

Nach dem Urteil im Lübcke-Prozess will die Familie den Freispruch von Markus H. anfechten. Sie sieht eindeutige Indizien, die seine Schuld bestätigen. Auch der Nebenkläger Ahmed I. legt Revision ein.

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Audioseite Nun legt auch Familie Lübcke Revision ein

Der Mitangeklagte Markus H. mit seinen Verteidigern.
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Die Familie Lübcke hat Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt eingelegt. Das bestätigte ihr Sprecher am Mittwoch. Damit möchte die Familie den Freispruch gegen Markus H. aufheben. H. war wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord aber freigesprochen worden.

Die Familie sei nach dem Verlauf der Verhandlung überzeugt, dass Markus H. den Mord an Walter Lübcke durch Beihilfe unterstützt habe. Seine manipulative psychische Beihilfe sei nachweisbar, so der Sprecher der Familie.

Schmauchspuren am Tatort

Stephan Ernst, der zum Mord an Lübcke verurteilt wurde, gab vor Gericht an, die Tat gemeinsam mit H. geplant zu haben und in der Tatnacht vor Ort gewesen zu sein. Diese Indizien sprächen für die Schuld von Markus H.

Der Anwalt der Familie wollte während des Prozesses Beweise zu Schmauchspuren am Tatort und zur Schützenposition vorlegen. Diese hätten eine Mittäterschaft von H. am Tatort nahegelegt, so der Sprecher. Das Gericht hatte dies wegen "Bedeutungslosigkeit" abgelehnt. Darum zieht die Familie Verfahrensfehler in Betracht.

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Ernst legte ebenfalls Revision ein

Der verurteilte Lübcke-Mörder Stephan Ernst hat ebenfalls Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt eingelegt. Das bestätigte eine Sprecherin des Gerichts am Dienstag.

Am vergangenen Donnerstag war Ernst zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Seine Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert. Freigesprochen wurde der 47-Jährige im zweiten Anklagepunkt, dem versuchten Mord an dem irakischen Flüchtling Ahmed I.

Weitere Revisionen eingelegt

Wie am Donnerstag bekannt wurde, legte auch Ahmed I. als zweiter Nebenkläger Revision ein. Damit haben nun nach Angaben einer Gerichtssprecherin alle am Verfahren Beteiligten Revision eingelegt: Das hatten neben Ernst zuvor auch die Bundesanwaltschaft sowie der Mitangeklagte Markus H. getan. Dessen Verteidiger hatten einen Freispruch in allen Anklagepunkten gefordert.

Die Bundesanwaltschaft hatte für H. auf eine Verurteilung zu neun Jahren und acht Monaten wegen Mord-Beihilfe plädiert. Auch Ernsts Strafe will die Anklage nun vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe überprüfen lassen. Für den Hauptangeklagten hatte sie wegen des versuchten Mordes an Ahmed I. eine zusätzliche Sicherungsverwahrung gefordert.

Sendung: hr1, 03.02.2021, 14.30 Uhr