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Audioseite Augenzeuge schildert, wie Brocken aus der Brücke bröselten

Bildkombination auch einem Foto der Brücke aus der Vogelperspektive mit darunter liegenden Straßen und einem Porträt von Wulf Goretzky.

Am Nachmittag des 18. Juni stand Wulf Goretzky aus Wiesbaden im Stau unter der Autobahn nahe einem Pfeiler der Salzbachtalbrücke, als von oben Beton rieselte. Was Goretzky erst für Bauschutt hielt, waren Teile der Brücke. Er alarmierte die Polizei. Seitdem ist auch für ihn vieles anders.

An den 18. Juni dieses Jahres kann Wulf Goretzky sich noch gut erinnern. Er sitzt in einem Auto auf dem Beifahrersitz, sein Freund Daniel hinter dem Steuer. Die Männer stehen im Stau auf der Mainzer Straße. Die Autobahnbrücke im Salzbachtal ist 30 Meter über ihren Köpfen.

"Aus dem Nichts habe ich da eine Staubwolke gesehen, und ein paar Sekunden später fallende Brocken", erzählt Goretzky. Faustgroß waren die Teile, schätzt er. Keine großen Brocken wie aus Hollywood-Actionfilmen. Einige fallen ins Gebüsch, zwei oder drei auf den Bürgersteig, auf dem zum Glück niemand unterwegs ist.

Bauschutt? Brückenteile!

Ein oder zwei Brocken fallen auch auf die Straße, zwischen die im Stau stehenden Autos. Die seien dann um die faustgroßen Stücke herumgefahren. Eine bröselnde Autobahnbrücke? Für Goretzky eigentlich unvorstellbar. Er und sein Freund denken deshalb erst einmal, dass auf der Brücke Bauschutt nicht gut gesichert sein könnte.

Beiden ist jedoch klar, dass sie Alarm schlagen müssen. Goretzky ruft die Polizei. Die notiert alles und wird danach auch noch von anderen Augenzeugen informiert. Eine Viertelstunde später habe ein Beamter zurückgerufen und sich bedankt, denn mittlerweile ist klar: Die Salzbachtalbrücke ist um einen halben Meter abgesackt. Rund um die Brücke besteht Lebensgefahr.

Die Folge: Die Mainzer Straße und die A66 werden gesperrt. Auch die Bahngleise zum Hauptbahnhof dürfen nicht mehr befahren werden. Drei wichtige Verkehrswege durch das Salzbachtal sind seither blockiert. Denn was da von oben heruntergefallen ist, ist kein Bauschutt. Es sind Teile der Brücke.

Die schlimmsten Havarie-Fakten: Die Fahrbahn ist um einen halben Meter abgesackt. Die Fahrbahn hat sich um zehn Zentimeter Richtung Frankfurt verschoben. Der betroffene Pfeiler neigt sich um einen halben Meter Richtung Rheingau. Und die Risse sind mit bloßem Auge zu sehen. Kein Wunder also, dass Brocken fielen.

Der "Ehrenwulf", der Alarm schlug

Seit dem Havarie-Tag zählt Wulf Goretzky zu den Pendlerinnen und Pendlern, die massiv unter den Auswirkungen des Brücken-Gaus leiden. Er wohnt in Wiesbaden, studiert in Frankfurt Theologie und hat Freunde in Mainz. Ohne Auto kommt er seither weder gut nach Frankfurt noch gut nach Mainz.

Freunde ziehen ihn damit auf, dass er die aktuelle Situation doch selbst losgetreten habe. Aber sie nennen ihn auch Ehrenwulf - weil er sofort Alarm geschlagen hat. Und was macht Goretzky am Samstag, wenn die Salzbachtalbrücke gesprengt wird? "Ich treffe mich mit meinem Freund Daniel, mit dem die ganze Geschichte angefangen hat. Gemeinsam werden wir uns die Sprengung im Livestream anschauen."

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Livestream

zum Livestream Sondersendung zur Sprengung der Salzbachtalbrücke

Ein Mann in schwerer Schutzkleidung bearbeitet mit Feuer und Funkenflug einen Pfleiler der Brücke. Auf dem Foto steht in großen Lettern "LIVE-STREAM".
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