Die Villa Kennedy in Frankfurt-Sachsenhausen in der Außenansicht.

Das Frankfurter Luxushotel Villa Kennedy muss schließen, weil der neue Besitzer der historischen Immobilie diese anders nutzen will. Für den Hoteldirektor und die 130 Beschäftigten eine bedrückende Entscheidung - in der auch etwas Positives liegen soll.

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Wird die Luxusherberge zum Seniorenheim?

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Am Tag, als der Eisberg sein Schiff traf, hatte der Kapitän eine Botschaft an seine Crew: Sie sollten "unbedingt positiv" bleiben, sagte Florian Steinmeier seinen 130 Angestellten, denen er seit Mittwoch nach und nach kündigt. Seitdem klar ist, dass ihr gemeinsames Luxus-Schiff, das Hotel Villa Kennedy in Frankfurt-Sachsenhausen, sinken wird. "Ich will erhobenen Hauptes hier raus gehen", sagte Steinmeier, der als Hoteldirektor und Kapitän als Letzter von Bord gehen wird.

16 Jahre lang war die Villa Kennedy ein Nobelhotel, in dem Weltstars abstiegen. Fußballer, Künstler, Politiker und Vorstände waren oft gesehene Gäste in der neogotischen ehemaligen Bankiersvilla Speyer aus dem Jahr 1901 und ihren ähnlich gestalteten Neubauten. Mit Suiten, die bis zu 6.000 Euro pro Nacht kosten. Am Dienstag hatte Rocco Forte, die Betreiberkette, mitgeteilt, dass das renommierte Hotel Ende März seine Pforten und Suiten schließen muss.

Neuer Besitzer plant keine Hotel-Nutzung

Vergangenen März hatte die Immobilie ihren Besitzer gewechselt, mal wieder. Die Conren Land, eine Immobilien-Investmentfirma mit Sitz in Frankfurt, schlug für einen laut Medienberichten "oberen zweistelligen Millionenbereich" zu und entschied schließlich, die historische Villa anderweitig zu nutzen.

"Der neue Eigentümer ist von Anfang an transparent damit umgegangen, dass er über eine andere Nutzung nachdenkt", sagt Steinmeier, den der Entschluss trotzdem schmerzt. "Es ist natürlich extrem bedrückend, dass wir schließen müssen", sagt er. Erst vor zwei Jahren hatte er die Leitung des Hotels übernommen, "mit Ideen, mit Visionen", die nun hinfällig sind.

"Jeder Einzelne wird unterstützt"

Aber, und das ist die Botschaft, die Steinmeier der Belegschaft vermitteln will: "Ich möchte aufzeigen, dass diese Situation nicht so schlecht ist, dass sie nicht auch für etwas gut ist."

Mitarbeitende der Villa Kennedy seien in der Branche "heiß begehrt". Etliche Hotel- und Gastronomiebetriebe aus der Umgebung hätten ihn schon angerufen und angeboten, ihre freien Stellen zu übermitteln, auf dass Steinmeier sie seinen Mitarbeitern offeriert. Zudem wolle Rocco Forte den Gekündigten Angebote machen, in die beiden anderen Hotels der Kette, nach Berlin und München zu wechseln. "Jeder einzelne wird unterstützt", sagt Steinmeier.

Verschiedene Optionen für die Nachnutzung

Wie es dagegen mit der Immobilie weitergeht, bleibt zunächst offen. Verschiedene Medien hatten berichtet, die Conren Land plane aus dem Hotel ein Seniorenheim zu machen. Bestätigen will das ein Sprecher des Unternehmens auf hr-Anfrage nicht. Nur so viel: "Derzeit prüfen wir verschiedene Optionen für die Nachnutzung der Villa Speyer."

Konkrete Pläne gäbe es demnach noch nicht. "Wir werden uns Zeit nehmen, um ein Konzept zu erarbeiten und zu präsentieren, das zur traditionsreichen Villa Speyer passt", teilt der Sprecher weiter mit.

Zeit, die auch Hoteldirektor Steinmeier gerne bekommen hätte. "Ich bin angetreten, um das Hotel zu repositionieren", sagt er. In den wenigen Jahren seit der Eröffnung 2006 habe sich die Villa Kennedy schließlich zur Institution in der Frankfurter Luxus-Hotellerie entwickelt. Bis die Corona-Pandemie kam und auch die Villa Kennedy leiden ließ.

"Die Pandemie belastet die Hotelbranche enorm"

Nach dem Rekordjahr 2019 mit mehr als zehn Millionen Übernachtungen, erlebte Frankfurt im ersten Corona-Jahr einen Rückgang auf nur noch vier Millionen Übernachtungen. "Die Pandemie belastet die Hotelbranche enorm", sagt Thomas Feda, Geschäftsführer von Frankfurt Tourismus.

Das Virus und seine Folgen, mit Lockdowns und Reisebeschränkungen, will Hoteldirektor Steinmeier aber nicht als Begründung für das Aus der Villa Kennedy geltend machen. "Das wäre nicht richtig", sagt er. Für den neuen Besitzer sei aber mittelfristig eben auch nicht einzuschätzen gewesen, wie und wann sich die Branche erholt. Klar ist aber: Wenn sie das tut, wird ihr mit der Villa Kennedy in Frankfurt ein Fünf-Sterne-Hotel fehlen.

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