Nach einem Corona-Ausbruch in einem Marburger Altenheim kommt dort laut den Behörden wieder Pflegepersonal zum Einsatz. Doch die Zahl der Infizierten steigt weiter.

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Nach dem heftigen Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim im Marburger Stadtteil Moischt (Marburg-Biedenkopf) hat sich die Lage vor Ort nach Behördenangaben stabilisiert. Man gehe davon aus, "in so etwas wie einen Regelbetrieb" übergehen zu können, sagte ein Sprecher des Kreises Marburg-Biedenkopf am Donnerstag.

Sämtliche Dienste seien für die kommenden Tage organisiert. Die Kreisverwaltung hatte am Mittwoch nach einem Hilferuf der Heimleitung Unterstützung für die Einrichtung auf den Weg gebracht, in der die meisten Bewohner und Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Berichte über drastische Zustände in Heim

Die Oberhessische Presse hatte am Mittwoch zuerst über die Notsituation in dem Heim berichtet. Die Zeitung meldete, dass die Bewohner zeitweise sogar komplett unbetreut und medizinisch unversorgt gewesen seien. Ein Verstorbener soll demnach über Tage im Bett gelegen haben und eine weitere Person ohne palliative Behandlung im Heim verstorben sein.

Der Kreis bestätigte auf hr-Anfrage, dass derzeit kein Pfleger des Heims Haus Waldblick mehr arbeitsfähig sei. "Die Situation in der Einrichtung ist ernst", hieß es in der Stellungnahme des Kreises.

Der Kreis hatte am Mittwoch unter anderem Mitarbeiter der Gefahrenabwehr eingesetzt, um bei der Versorgung der Bewohner mit Essen und Trinken zu helfen. Andere Pflegeeinrichtungen, Institutionen und externe Dienstleister unterstützten nun mit Personal.

Infiziertenzahl steigt im Heim weiter an

Derweil steigt die Zahl der Infizierten in Beleg- und Bewohnerschaft weiter an: Im Marburger "Haus Waldblick" wurden nach Angaben des Kreissprechers am Donnerstag 39 von derzeit 41 Bewohnern positiv auf das Virus getestet sowie 32 Beschäftigte.

Am Mittwoch waren es noch 39 infizierte Bewohnern und 29 infizierte Pflegekräfte. Wie schwer die Infizierten erkrankt sind, ist unklar. Das gesamte Personal sei derzeit entweder krankgeschrieben oder in Quarantäne, teilte der Kreis am Donnerstag erneut mit. Ein Bewohner sei inzwischen gestorben, die Ursache noch unklar.

Am Mittwoch hatte der Kreis berichtet, dass die Versorgung der Bewohner unter den aktuellen Voraussetzungen am besten in der Einrichtung sichergestellt werden könne.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 17.12.2020, 19.30 Uhr