Trauer in Volkmarsen

Gut drei Wochen nach der Auto-Attacke auf den Rosenmontagsumzug in Volkmarsen wird die Zahl der Verletzten mit 154 angegeben. Zwei Menschen liegen im Koma. Der mutmaßliche Täter schweigt indes.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Drei Wochen nach der Auto-Attacke in Volkmarsen

Einsatzkräfte nehmen in Volkmarsen Spuren auf.
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Mehr als drei Wochen nach dem Anschlag auf den Rosenmontagsumzug in Volkmarsen ist die Anzahl der körperlich und seelisch Verletzten auf über 154 Menschen gestiegen. Auch viele Kinder sind unter den Opfern. Drei der Verletzten sind noch in stationärer Behandlung, zwei von ihnen liegen im Koma, wie Bürgermeister Hartmut Linnekugel (parteilos) dem hr sagte. "Der Alltag ist bei den Bürgern noch nicht wieder eingekehrt." Vor allem bei den Familien der Verletzten seien die Sorgen groß.

Das Motiv für die Auto-Attacke liegt im Dunkeln

Der 29 Jahre alte Mann aus Volkmarsen, der mit dem Auto in die Menschenmenge raste, befindet sich wegen des Verdachts des Mordversuchs in Untersuchungshaft. Er schweigt aber noch immer zur Tat und zum Motiv. Derzeit rekonstruiert eine Sonderkommission den Verlauf der Amokfahrt am Rosenmontag. Geklärt werden soll nach Angaben von Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn auch, was zur Tat geführt hat. Gab es einen möglichen inneren oder äußerlichen Auslöser?

Sicher scheint, dass die Tat keinen politischen Hintergrund hat. Der Mann handelte allein und hatte keine Mitwisser. Er selbst wurde auch schwer verletzt, es gibt nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sehr deutliche Hinweise darauf, dass Passanten, die den Fahrer stoppten, ihn auch angriffen und auf ihn einprügelten. Er wurde schwer verletzt und war zunächst nicht vernehmungsfähig.

Runder Tisch koordiniert Aktivitäten

Viele Behörden und Organisationen werden über einen runden Tisch koordiniert und vernetzt. Der Generalstaatsanwalt ist auch der Opferbeauftragte der hessischen Landesregierung. Auch ein Spendenkonto für die Opfer wurde eingerichtet. "Wir wollen das koordinieren, damit nicht am Ende der eine ganz viel und der andere gar nichts bekommt", sagt Fünfsinn. "Und es wird Prozesse geben, es werden Zeugen benannt werden, die müssen dann auch betreut werden."

Es brauche viel Zeit, um auch seelische Wunden zu heilen, bestätigt Andreas Wiggers. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der Schön Klinik in Bad Arolsen und steht mit einigen der Opfer in Kontakt. "Je offener und transparenter man mit den Dingen umgeht, umso besser ist das für alle Beteiligten."

Sendung: hr-iNFO, 16.3.2020, 8.50 Uhr