Ein silberfarbener Kombi fuhr in Volkmarsen in den Rosenmontagszug.

Es klang ein wenig Verzweiflung mit: Die Verteidigung des mutmaßlichen Auto-Attentäters von Volkmarsen hat Milde für ihren Mandanten gefordert. Schließlich sei es "zum Glück" nur bei versuchtem Mord geblieben.

Die Verteidiger des Angeklagten Maurice P. haben im Prozess um die Auto-Attacke in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) am Donnerstag eine mildere Strafe gefordert. "Zum Glück" sei es bei der Tat bei versuchtem Mord geblieben, sagte Verteidigerin Susanne Leyhe am Donnerstag vor dem Landgericht Kassel. Die Tat sei also nicht vollendet worden. Die Höhe der Strafe stellte sie ins Ermessen des Gerichts.

Staatsanwaltschaft und Vertreter der Nebenklage hatten in ihren vorangegangenen Plädoyers eine lebenslange Freiheitsstrafe mit dem Vorbehalt anschließender Sicherungsverwahrung sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Maurice P. wird vorgeworfen, am 24. Februar 2020 mit seinem Wagen absichtlich in den Rosenmontagszug gefahren zu sein und dabei mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, teilweise schwer verletzt zu haben.

Mehr als 150 Betroffene beeinträchtigt oder traumatisiert

Die Verteidigung plädiere "für eine Verschiebung des Strafrahmens wegen Versuchs", sagte Anwältin Leyhe. Sie forderte das Gericht zudem auf, bei der Strafzumessung die Möglichkeit zu berücksichtigen, dass der Angeklagte das Tatfahrzeug selbst zum Stillstand gebracht haben könnte. Schließlich habe ein Kfz-Sachverständiger einen technischen Defekt an dem Pkw ausgeschlossen, führte die Verteidigerin aus. Auch die besondere Schwere der Schuld sowie die Bedingungen für den Vorbehalt anschließender Sicherungsverwahrung lägen aus Sicht der Verteidigung nicht vor.

Der heute 31 Jahre alte Angeklagte muss sich in 88 Fällen für versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung, in einem Fall für versuchten Mord sowie für den gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr verantworten. Insgesamt wurden bei der Auto-Attacke nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft mehr als 150 Betroffene beeinträchtigt oder traumatisiert.

Angeklagter lehnt letzte Worte ab

Das Motiv für die Tat blieb auch am letzten Verhandlungstag vor der Urteilsverkündung unklar. Der Angeklagte, der sich seit seiner Festnahme weder gegenüber der Polizei noch vor Gericht geäußert hat, lehnte die Möglichkeit letzter Worte vor Gericht ab. Sein Schweigen dürfe sich nicht auf das Strafmaß auswirken, betonte Leyhe. "Dass er schweigt, wird ihm zwar vorgeworfen, ist aber sein gutes Recht."

In ihrem Plädoyer hatte Staatsanwältin Melike Aydogdu gesagt, es sei eine "außergewöhnliche und traumatisierende" Tat gewesen. 182 Zeugen seien vernommen worden, deren Aussagen "auch uns nicht kalt gelassen und emotional berührt haben". Es sei unzweifelsfrei festgestellt worden, dass Maurice P. der Täter ist - er wurde noch im Auto festgehalten und von der Polizei festgenommen. Er sei vorsätzlich in die Menge gefahren - das habe der Prozess "ohne Zweifel" bewiesen, sagte Aydogdu.

Staatsanwalt: Maurice P. boshaft und vereinsamt

Der Angeklagte von Volkmarsen, Maurice P., beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Kassel

Staatsanwalt Tobias Wipplinger sagte, der Angeklagte habe aus "allgemeinem Lebensfrust einen Mordanschlag auf eine Großveranstaltung begangen". Drei Mordmerkmale seien klar: Heimtücke, Gemeingefährlichkeit und niedrige Beweggründe.

Es sei ein "Attentat aus ganz böser Gesinnung" gewesen, Maurice P. "wollte sich an der Menschheit rächen" für sein trostloses Leben. Er sei eine "extrem vereinsamte Persönlichkeit" gewesen, "ein extrem gelangweilter Mensch", den kein einziger Zeuge jemals in Begleitung einer anderen Person gesehen habe, der stattdessen im Kreis gelaufen sei, ewig im Auto saß und fremde Leute angestarrt habe, erklärte Wipplinger.

Das Urteil wird am Donnerstag kommender Woche erwartet.

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