Der Angeklagte (l) im sogenannten "Axtmörder"-Prozess steht neben seinem Verteidiger Wolfgang Stahl bei der Anklagebank.

Erst fuhr er sie an, dann schlug er mit der Axt zu: Für den Mord an seiner Frau mitten in Limburg hat das Landgericht einen Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 34-Jährige hatte die Sterbende noch beschimpft.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lebenslange Haft nach Axtmord in Limburg

Tatort in der Limburger Innenstadt.
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Wegen heimtückischen Mordes hat das Landgericht Limburg am Freitag den 34-jährigen Imad A. zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte im vergangenen Oktober seine 31 Jahre alte Frau in Limburg auf offener Straße getötet. Dazu fuhr er sie mit einem Mietwagen an und hieb anschließend mit einem Beil und einer Axt auf sie ein.

Bereits mit der Auto-Attacke hatte er die Frau tödlich verletzt. Die sterbende Frau legte er offenbar so hin, dass er ihren Hals gut treffen konnte. Es sei "gleichsam eine öffentliche Enthauptung" gewesen, sagte der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer.

"Unbedingter Vernichtungswille"

Als Tatmotiv nannte der Richter die Trennung des Paares. Der Mann habe seine Frau bestrafen wollen, weil sie ihn zuvor verlassen hatte. Bei der Tat habe er einen "unbedingten Vernichtungswillen" gezeigt.

Die Behauptung des Mannes, er habe sich nach der Ermordung seiner Frau selbst töten wollen, sei hingegen unglaubwürdig. "Er hat nie die Waffe gegen sich selbst gerichtet." Im Prozess hatte Imad A. gesagt, es sei ihm ursprünglich nur darum gegangen, seiner Frau Schmerzen zuzufügen. Erst im Auto habe er beschlossen, sie und sich selbst töten zu wollen. Die Staatsanwaltschaft glaubte ihm nicht und plädierte auf Mord. Der Verteidiger hatte auf Totschlag und nicht mehr als zehn Jahre Haft plädiert.

Frau zog nach Streit in Frauenhaus

Das Paar hatte im Jahr 2013 geheiratet. Mit ihren beiden Kindern lebten sie in Rheinland-Pfalz. "Er kontrollierte und dominierte sie psychisch", so der Richter über die Ehe. Einige Male habe er sie auch geschlagen. 2019 zog sie nach einem Streit mit ihrem Mann aus. Gemeinsam mit ihren Kindern kam sie in einem Frauenhaus in Limburg unter und zeigte ihren Mann wegen häuslicher Gewalt an. 

Ihr Aufenthaltsort wurde dem heute 34-Jährigen nicht mitgeteilt, mit Hilfe eines Privatdetektivs bekam er jedoch ihre Adresse heraus. Daraufhin observierte er sie. "Er war tief gekränkt, sein Selbstbild vom treu sorgenden Familienvater brach zusammen", hieß es in der Urteilsbegründung.

Zeugen bedroht, Sterbende beschimpft

Im Oktober habe er schließlich den Entschluss gefasst, seine Frau zu töten. Die Kinder seien ihm egal gewesen. Er mietete sich einen hochmotorisierten Wagen und legte darin seine Waffen ab. Von dort aus beobachtete er am 25. Oktober, wie seine Frau den Sohn und die Tochter in die Kita brachte. Er schaltete die Fahrer-Assistenzsysteme aus, die für eine automatische Bremsung gesorgt hätten, schnallte sich an und fuhr in hoher Geschwindigkeit von hinten gegen seine Frau. 

Passanten glaubten zunächst an einem Unfall und liefen zu ihm. Er bedrohte sie mit seiner Schreckschusspistole und hieb dann mit Axt und Beil auf seine Frau ein, dabei beschimpfte er die Sterbende mit wüsten Ausdrücken. Die Zeugen der Tat seien bis heute "beeindruckt", wie es der Richter formulierte. 

Keine vorzeitige Entlassung möglich

Durch die besondere Schwere der Schuld wird verhindert, dass A. vorzeitig aus der Haft entlassen wird. Das Gericht sprach ihn auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung schuldig. Seinen Führerschein muss er lebenslang abgeben. Die beiden gemeinsamen Kinder, die das Jugendamt als Nebenkläger im Prozess vertreten hatte, bekamen Anspruch auf Schmerzensgeld und Unterhaltsersatz zugesprochen.

Sendung: hr-iNFO, 03.07.2020, 16 Uhr