Die Angeklagte vor Gericht in München.
Die Angeklagte vor Gericht in München. Bild © picture-alliance/dpa

Im Prozess um ein ausgesetztes Baby ist die Mutter aus Gießen zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatte ihren kleinen Jungen unmittelbar nach der Geburt in ein Gebüsch gelegt.

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Hinter diesem Gebüsch wurde das Baby gefunden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mutter des ausgesetzten Babys verurteilt

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Das Landgericht München verurteilte die Frau aus Gießen am Freitag wegen versuchten Totschlags zu siebeneinhalb Jahren Haft. Die Richter sprachen die 27-Jährige zudem wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig.

Die Staatsanwaltschaft hatte der Frau vorgeworfen, das Kind im August 2018 in einem Vorgarten im Münchner Stadtteil Neuperlach zur Welt gebracht, die Nabelschnur durchgebissen und den kleinen Jungen dort in einer Hecke liegen gelassen zu haben.

Dem Jungen geht es wieder gut

Als der Neugeborene gefunden wurde, hatte der Säugling nur noch eine Körpertemperatur von knapp 26 Grad, Knochenbrüche und innere Blutungen. Dafür hatte die Anklage zehneinhalb Jahre Haft gefordert.

"Mir ist fast das Herz stehengeblieben", sagte beim Prozessauftakt am 21. Mai die Frau, die den kleinen Elias Justus gefunden hatte, "das Kind war einfach eiskalt." Nach Gerichtsangaben geht es dem Jungen, der inzwischen bei einer Pflegefamilie untergebracht ist, wieder gut.

Mutter bereut die Tat

Beim letzten Prozesstermin hatte die Mutter über ihren Verteidiger eine Aussage gemacht. Das Baby auszusetzen, sei eine unmenschliche und niederträchtige Entscheidung gewesen, die sie zutiefst verachte. Im Laufe des Prozesses sei ihr klar geworden, in welche Gefahr sie ihren Sohn gebracht habe.

Laut Anklage hatte die Frau in der Nacht unmittelbar vor der Geburt einen One-Night-Stand mit einer Internet-Bekanntschaft. Für das erste Treffen mit ihm war sie hochschwanger von Hessen nach Bayern gereist. Der Mann hatte laut Aussage allerdings nichts von der bevorstehenden Niederkunft und der anschließenden Geburt im Vorgarten gemerkt.

Nach der Geburt soll die Frau stark blutend wieder in die Wohnung des Mannes zurückgekehrt sein. Er habe sie dann zum Bahnhof gebracht, weil sie angegeben habe, in ihrer hessischen Heimat ein Krankenhaus aufsuchen zu wollen. Statt in eine Klinik zu gehen, soll sie dann aber abends ein Grillfest in Hanau besucht haben. Über ihren kleinen Sohn verlor sie der Anklage zufolge kein Wort.

Sendung: hr-iNFO, 07.06.2019, 12 Uhr