Mann links, Schulgebäude rechts

Die Betroffenheit an der Schule in Bad Arolsen ist nach der Amokfahrt in Berlin groß. Eine Lehrerin wurde getötet, viele Schüler und ein Lehrer verletzt. Der Autofahrer wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

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Trauer nach der Amokfahrt in Berlin: Rhein besucht Schule in Bad Arolsen

Am Fuß einer Stele stehen Grablichter, Blumen Kerzen. Nahaufnahme.
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Einen Tag nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Berlin mit einer toten Lehrerin aus Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) hat die betroffene Kaulbach-Schule am Donnerstagmorgen geöffnet. Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule wurden von Polizei und Ordnungsamt bei ihrer Ankunft an der Schule weitgehend abgeschirmt.

"Schlimmer Tag mit schlimmen Nachrichten"

Es sollte zwar regulärer Unterricht angeboten werden. Allerdings sei psychologisches Personal vor Ort, um Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte zu betreuen. Das hatte Waldeck-Frankenbergs Landrat Jürgen van der Horst (parteilos) nach dem Vorfall in Berlin angekündigt. Er sprach von einem "schlimmen Tag mit schlimmen Nachrichten".

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) besuchten die Schule am Donnerstagvormittag. "Für uns ist das ein ganz schwerer Tag", sagte Rhein danach. "Wir haben wirklich ganz schwere Herzen." Er sei mit seinen Gedanken bei den Verletzten und bei den Angehörigen der getöteten Lehrerin. "Sie war ein ganz wichtiger Anker dieser Schulgemeinde", sagte Rhein.

Er habe der Schulgemeinde der Kaulbach-Schule und den Opfern jede erdenkliche Hilfe seitens des Landes Hessen zugesagt. Unter anderem sicherte er den Betroffenen finanzielle Unterstützung aus dem Opferfonds des Landes zu.

"Der schlimmste Schlag, den man sich in einer Schulgemeinde vorstellen kann"

Schon am Mittwoch war nach Angaben von Lorz ein Notfallbetreuungsteam nach Bad Arolsen geschickt worden, um den Angehörigen, Mitschülerinnen und Mitschülern sowie den Lehrkräften beizustehen. Die unverletzten Schüler der Abschlussklasse sind inzwischen nach Nordhessen zurückgekehrt, nach Angaben des Innenministeriums kamen 17 Schüler in der Nacht mit einem Bus in Bad Arolsen an.

Sieben Schülerinnen und Schüler sowie ein Lehrer werden mit schweren Verletzungen in verschiedenen Berliner Krankenhäusern behandelt.

"Abschlussfahrten sind Highlights einer Schullaufbahn, an die man sich oft ein Leben lang erinnert", sagte Kultusminister Lorz. "Diese Klasse wird diese Fahrt im negativen Sinne nie vergessen." Ein Vorfall wie dieser sei "der schlimmste Schlag, den eine Familie hinnehmen kann", sagte Lorz, "der schlimmste Schlag, den man sich in einer Schulgemeinde vorstellen kann."

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Betroffenheit nach Amok-Fahrt in Berlin

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Ein Autofahrer war am Mittwochvormittag mit seinem Auto auf einer beliebten Einkaufsmeile nahe der Berliner Gedächtniskirche in die Menschenmenge gefahren. Die Lehrerin wurde dabei getötet, ihr Kollege schwer verletzt. Daneben wurden insgesamt 14 Schülerinnen und Schüler verletzt sowie 17 Passantinnen und Passanten, wie die Berliner Polizei am Donnerstag mitteilte. 50 weitere Menschen seien psychologisch betreut worden.

Wallmann erinnert an Volkmarsen

Die hessische Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) erinnerte der Vorfall an die Amokfahrt im nordhessischen Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg). Dabei hatte vor zwei Jahren ein Autofahrer beim Rosenmontagszug sein Fahrzeug in eine Menschenmenge gelenkt und zahlreiche Menschen verletzt.

"Es ist mir unbegreiflich, wie ein Mensch sein Auto gezielt in eine Menschenmenge steuern kann und damit bewusst so viel Leid Unschuldiger verursacht", sagte Wallmann am Mittwochabend. Sie hoffe "auf vollständige Aufklärung der Hintergründe" der Todesfahrt von Berlin.

Fahrer in Psychiatrie

Der festgenommenen Autofahrer wurde am Donnerstag - wie von der Staatsanwaltschaft beantragt - in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. "Das Amtsgericht Tiergarten hat soeben den von der Staatsanwaltschaft beantragten Unterbringungsbefehl erlassen", teilte die Ermittlungsbehörde am Agabend per Twitter mit. Bei den weniger schwer verletzten Personen sei jedoch kein Tötungsvorsatz mehr angenommen worden, erklärte ein Sprecher.

Dem Fahrer werde nun ein vollendeter Mord vorgeworfen und in 17 Fällen versuchter Mord sowie gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Die Mordmerkmale seien Heimtücke und Begehung mit gemeingefährlichen Mitteln.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft von versuchtem Mord in 31 Fällen gesprochen. Nach Angaben der Behörde wurden bei der Todesfahrt am Mittwoch neben der toten Lehrerin 32 Menschen verletzt, davon 17 schwer.

Politiker gehen von Amoktat aus

Von der Politik wurde der tödliche Vorfall als Amoktat eingestuft. Nach Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte sich auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (beide SPD) entsprechend: "Das hat sich gestern Abend verdichtet", sagte Giffey am Donnerstag dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. Durch die Ermittlungen der Polizei sei klar geworden, "dass es sich um die Amoktat eines psychisch schwer beeinträchtigten Menschen handelt".

Mit Hilfe eines Dolmetschers werde versucht, mehr "aus den teilweise wirren Äußerungen, die er tätigt, herauszufinden". Ob die Plakate mit Bezug zur Türkei, die in dem Tatfahrzeug lagen, eine Rolle gespielt hätten, werde noch ermittelt.

Der Mann - ein 29 Jahre alter, in Berlin lebender Deutsch-Armenier - war nach der Tat gefasst und in ein Krankenhaus gebracht worden. Im Berliner Landeskriminalamt ist eine Mordkommission für den Fall zuständig, nicht der Staatsschutz, der sich um politisch motivierte Kriminalität von Extremisten kümmert. Der Mann soll den Beamten wegen mehrerer Delikte bekannt gewesen sein.

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