Darknet
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Drogen, Daten, Dokumente: Auf einem riesigen, illegalen Online-Marktplatz konnten über eine Million Menschen ungestört auf Shopping-Tour gehen. Als die mutmaßlichen Betreiber um einen 31-jährigen Hessen ans Geld der Kunden gingen, griff das internationale Ermittlerteam zu.

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Ermittlern aus Europa und den USA ist gemeinsam ein Schlag gegen den Handel mit illegalen Waren im Internet gelungen. Sie nahmen in Deutschland drei Männer fest, die im Darknet kriminelle Geschäfte ermöglicht haben sollen. Bei dem Online-Marktplatz "Wall Street Market" handele es sich um die weltweit "mindestens zweitgrößte" kriminelle Handelsplattform, sagte Georg Ungefuk von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ermittlern aus den USA und den Niederlanden.

Über die illegale Plattform konnten sich Kunden im Darkweb ausgespähte Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware mittels Kryptowährung beschaffen. Den Löwenanteil, laut Ungefuk rund 70 Prozent, habe aber der Handel mit Drogen ausgemacht. Als mutmaßliche Verantwortliche wurden ein 31-Jähriger aus Bad Vilbel (Wetterau), ein 22-Jähriger aus Kleve (NRW) und ein 29-Jähriger aus dem Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg) identifiziert. Sie sollen mit Provisionen in Höhe von 2 bis 6 Prozent an den Verkäufen beteiligt gewesen sein.

Drahtzieher bereiteten Abschied vor

Zum Ermittlerteam zählten Fahnder aus Deutschland, von der Europäischen Polizeibehörde Europol, vom FBI und der Drogenbekämpfungsbehörde DEA in den USA sowie aus den Niederlanden, wo sich nach Angaben eines Vertreters der niederländischen Behörden wichtige Strukturen des illegalen Handels befanden.

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Die drei Hauptverdächtigen wurden bei einer konzertierten Aktion von rund 80 Beamten von Landes- und Bundespolizei in den beiden Tagen am 23. und 24. April festgenommen. Sie hatten laut Ungefuk kurz zuvor angefangen, das von den Kunden des Online-Marktplatzes hinterlegte Geld auf ihre eigenen Konten zu transferieren - und so offenbar ihren Abschied vorbereitet.

Bis zu 15 Jahre Haft

Bei Wohnungsdurchsuchungen seien die Rechner, über die die Plattform betrieben wurde, sichergestellt worden. Außerdem fanden die Ermittler über 550.000 Euro in bar, digitale Währungen in sechsstelliger Höhe und teure Fahrzeuge. Bei dem Tatverdächtigen aus Kleve habe man auch eine Schusswaffe entdeckt. Gegen die Männer wurde wegen gewerbsmäßiger Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln Untersuchungshaft verhängt. Ihnen drohen laut Ungefuk Haftstrafen von bis zu 15 Jahren.

Der "Wall Street Market" ist laut den Ermittlern nicht mehr erreichbar. "Zuletzt waren auf dem Online-Marktplatz über 63.000 Verkaufsangebote eingestellt sowie über 1,1 Millionen Kundenkonten und über 5.400 Verkäufer angemeldet", erklärte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Den Festnahmen seien aufwendige verdeckte Ermittlungen vorausgegangen. Einzelheiten zur Aufspürung der Hauptverdächtigen wurden nicht genannt, um weitere Einsätze nicht zu gefährden.

"Starke internationale Partnerschaft" der Behörden

In den USA habe die Staatsanwaltschaft in Los Angeles durch die Ermittlungen zwei der umsatzstärksten Anbieter von Drogen auf dem "Wall Street Market" identifiziert und festgenommen. Bei Durchsuchungen der US-amerikanischen Tatverdächtigen seien illegale Waffen und Bargeld in Millionenhöhe gefunden worden. Ein auf der Pressekonferenz anwesender Staatsanwalt aus Los Angeles lobte die "starke, internationale Partnerschaft" der kooperierenden Behörden. Auch Europol sprach von einem "exzellenten Beispiel" für die Zusammenarbeit.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 03.05.2019, 19.30 Uhr