Schwalmstadt: Ein kopiertes Blatt weist im Dannenröder Forst auf weiß markierte Bäume hin, die den Trassenverlauf darstellen sollen.

Kaum ist der umstrittene Ausbau der A49 beschlossene Sache, werden Brandsätze an Baggern auf einer Autobahn-Baustelle gezündet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes. Im Internet kursiert ein Bekennerschreiben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ermittler schließen politisch motivierte Tat nicht aus

Eine Demonstrantin neben einem Transparent mit der Aufschrift "Wald statt Asphalt"
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Die Brandstiftung an den Baggern "könnte im Zusammenhang mit dem Ausbau der A49 stehen", sagte Timo Ide, Sprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, am Freitag zu hessenschau.de. Nach Angaben der Behörde ist nicht auszuschließen, dass die Tat am derzeitigen Autobahnende bei Schwalmstadt politisch motiviert war. Ingesamt waren am vergangenen Wochenende auf der Baustelle an fünf Baggern des Bauunternehmens Strabag Brandsätze gezündet worden.

Es wird laut Staatsanwaltschaft nun wegen versuchter schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes gegen Unbekannt ermittelt, da auch Menschen hätten zu Schaden kommen können. Vermutlich wegen der Witterung seien keine Schäden entstanden.

Linksautonome bekennen sich offenbar zu Anschlag

Der Staatsschutz ist eingeschaltet, die Ermittler suchen nach Zeugen. Ob auch gegen Ausbau-Gegner ermittelt wird, wollte Ide nicht sagen. Dafür spricht allerdings vieles: Auf der als linksradikal geltenden Internet-Plattform de.indymedia-org, die am Freitagvormittag nicht mehr erreichbar war, hat sich eine autonome Gruppe zu dem Anschlag bekannt.

In dem anonymen Post vom 5. Juli heißt es: "Wo die Kräfte des industriellen Kapitalismus ungehindert diesen Planeten - unsere Heimat - unbewohnbar machen, ist die direkte Aktion notwendig. Angesichts einer sogenannten "Grünen" Partei und Justiz, die die Eskalation des Konflikts weiter provozieren, sahen wir uns genötigt mit Feuer zu antworten." Unterzeichnet ist das Bekennerschreiben mit "Autonome Kleingruppe in Solidarität mit den Kampf gegen die A49". Ob das Bekennerschreiben echt ist, ist noch nicht klar.

Rodungen beginnen ab Oktober

Der Ausbau der A49, die Kassel mit Gießen verbinden soll, ist seit Jahrzehnten umstritten. Erst Ende Juni wies das Bundesverwaltungsgericht eine Klage von Umweltschützern gegen den Weiterbau zurück. Ungeachtet der Proteste unter dem Motto "Wald statt Asphalt" kündigte das Verkehrsministerium kurz nach dem Urteil an, dass noch in diesem Jahr mit dem Bau des Teilstücks bei Stadtallendorf begonnen werden soll. Die erforderlichen Rodungen in Waldgebieten seien ab Oktober möglich.

Die Karte zeigt die Autobahnen A 49 und A5 und den geplanten "Lückenschluss" dazwischen.

Waldbesetzer wollen nicht weichen

Die Waldbesetzer, die seit Monaten im Dannenröder Forst, unweit von Stadtallendorf, aktiv sind, wurden inzwischen von der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) aufgefordert, ihre Baumhäuser zu verlassen. Das haben die Waldbesetzer allerdings nicht vor. "Aktivist*innen im Dannenröder Wald lassen den Appell der DEGES, die Besetzung zu beenden, links liegen", schreiben sie auf ihrer Homepage. Die Besetzer wollen sich wehren und den Ausbau solange hinauszögern, wie es geht.

Weiter heißt es dort, die DEGES befeuere durch die Zerstörung des Waldes die Klimakrise. Die Aktivisten kündigten an, "sich aktiv gegen die Verbrechen, die vom Land Hessen, der DEGES und der Strabag begangen werden, zu stellen und sich für eine gerechte Verkehrswende einzusetzen".

Sendung: hr4, 10.7.2020, 6.30 Uhr