Ein langer ICE der Deutschen Bahn steht auf einem Gleis. Daneben sind viele Gleise und Oberleitungen zu sehen.

Die Bahn will die Fahrt auf der ICE-Strecke Frankfurt-Berlin durch einen Ausbau in Osthessen schneller machen. Jetzt ist ihre Entscheidung über den Trassenverlauf gefallen. Es gibt jubelnde Gewinner und gefasste Verlierer.

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Neue ICE-Trasse führt über Bad Hersfeld

hs
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Nach jahrelangen Planungen und Diskussionen hat die Deutsche Bahn eine wegweisende und milliardenschwere Entscheidung für den Schienenverkehr in Osthessen getroffen. Der Konzern hat sich auf den Verlauf der neuen ICE-Strecke zwischen Fulda und Gerstungen (Thüringen) festgelegt. Am Freitag präsentierte der Konzern seine mit Spannung erwartete Entscheidung in Bad Hersfeld.

Die Kur- und Festspielstadt darf sich als die große Gewinnerin fühlen. Denn die Trasse für die schnellen Fernverkehrszüge soll über Bad Hersfeld und den Bahnhof der Stadt führen. Diese Variante, mit Kosten von vier Milliarden Euro veranschlagt, werde die Bahn allen weiteren Planungen als Vorzugsvariante zugrunde legen, erklärte der Konzern.

Elf Minuten schneller zwischen Fulda und Erfurt

Die Planungsphase soll im Jahr 2025 abgeschlossen werden, wie die Bahn auf Anfrage mitteilte. Als nächstes muss die DB Netz von den Genehmigungsbehörden wie dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) grünes Licht bekommen. "Genaue Terminaussagen zur Planfeststellungsdauer und zum Baubeginn sind in dieser frühen Phase nicht möglich", sagte eine Bahn-Sprecherin dem hr.

Die 41 Kilometer lange Neu- und Ausbaustrecke ist im bundesweiten Maßstab ein Teilstück zwischen Frankfurt und Berlin. Zwischen Fulda und der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt werden Züge dann elf Minuten schneller unterwegs sein.

Verkehrsminister spricht von "Meilenstein"

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sagte: "Auf dem Weg zur Auflösung eines bedeutenden Engpasses im deutschen Schienennetz ist heute ein Meilenstein erreicht – mit einem für Hessen sehr erfreulichen Ergebnis: Denn die Anbindung von Bad Hersfeld an den Fernverkehr der Bahn war seit jeher ein zentrales Anliegen des Landes."

Der Minister sagte, der Ausbau schaffe auch die Möglichkeit für ein verbessertes Angebot im Nahverkehr und verringere die nächtliche Lärmbelastung der Menschen. Denn mehr als die Hälfte der 41 Kilometer-Strecke verläuft im Tunnel oder in nicht bewohntem Gebiet. Die Züge werden mit Geschwindigkeiten von bis zu 230 Stundenkilometern auf der Neubaustrecke unterwegs sein.

Nach Angaben der Bahn überzeuge die Route auch mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit: Mit einem Kostenvorteil von rund 600 Millionen Euro sei sie deutlich günstiger als die zuletzt noch betrachteten Varianten. Im Rennen waren am Ende noch vier verschiedene Streckenvarianten. Zwei davon verliefen nordwestlich von Bad Hersfeld, eine südöstlich von Bad Hersfeld - und die Gewinner-Variante führt eben zu einem Halt in Bad Hersfeld.

Die Karte zeigt einen Auschnitt von Hessen, in welchem Bad Hersfeld, Bebra und Schlitz lokalisiert sind. Eine rote Linie stellt die neue ICE-Strecke dar.

Bürgermeister nennt es Generationen-Entscheidung

Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) kommentierte die Entscheidung mit "ganz großer Freude" und sagte: "Die heutige Entscheidung ist eine Generationen-Entscheidung zum Wohle der Stadt und des Umlandes." Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker hatten die Bad Hersfelder Variante unterstützt, zudem Bürgerinitiativen im Aktionsbündnis Waldhessen.

Ludwigsau und Mecklar, nördlich von Bad Hersfeld gelegen, wurden nicht mit einer besseren Anbindung berücksichtigt. Wilfried Hagemann, Bürgermeister in Ludwigsau, nahm es gelassen: Die Gemeinde sei wegen der Stromtrasse und dem Umspannwerk ohnehin schon zersiedelt, insofern halte sich die Enttäuschung in Grenzen. Alle 20 Bürgermeister des Kreises hätten sich sowieso für Bad Hersfeld stark gemacht, nur in Bebra habe es abweichende Stimmen gegeben.

Auch die traditionsreiche Eisenbahner-Stadt Bebra hatte großes Interesse, vom Trassenverlauf berührt zu werden, scheiterte aber in den Ausscheidungen, als noch mehr Varianten erwogen und bewertet wurden.

Fast vier Jahre Bürgerbeteiligung vorausgegangen

Die Bahn betonte das hohe Maß an Bürgerbeteiligung bei der Entscheidungsfindung zum Trassenverlauf. Bereits im Juni 2018 sei damit begonnen worden, Vertreterinnen und Vertreter vieler Interessengruppen einzubinden. Dazu zählen etwa Umwelt- und Fahrgastverbände, Bürgerinitativen und Menschen aus der Politik.

Dadurch habe man bei Beteiligten und Betroffenen eine hohe Akzeptanz erzielen wollen, erklärte eine DB-Sprecherin in Frankfurt. Es bestehe so auch die Hoffnung, dass die geplante Strecke zügiger und störungsfrei durch die Genehmigungsverfahren komme.

Der Fahrtzeit-Gewinn kommt dadurch zustande, dass die Bahn zwischen Langenschwarz und Ronshausen den Bau von zwei neuen Gleisen plane. "Die Züge des Fernverkehrs können damit künftig getrennt von den in der Regel langsameren Zügen des Nah- und Güterverkehrs auf einer eigenen Trasse fahren und sind damit deutlich schneller und verlässlicher unterwegs", erklärte eine Bahn-Sprecherin.

Baugrund-Untersuchungen folgen

Die nun ausgewählte Streckenführung soll die Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg bei Langenschwarz verlassen und im Tunnel nach Bad Hersfeld verlaufen. Von dort führt sie im Tunnel Richtung Ronshausen, um dann östlich der Gemeinde auf die bestehende Strecke Richtung Gerstungen einzufädeln.

In einem nächsten Schritt erstellt die Bahn die Unterlagen für das weitere Verfahren und bereitet Baugrund-Untersuchungen vor. Auch der Bürgerdialog zum Bahnprojekt solle wie gewohnt weitergehen. Das nächste Treffen des Beteiligungsforums ist im Herbst geplant.

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