Nach 50 Jahren endlich freigegeben: Die Bahnunterführung in Gustavsburg

In Gustavsburg ist eine Bahnunterführung fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben worden. Das klingt im ersten Moment wenig spannend, hätten die Bewohnerinnen und Bewohner nicht tatsächlich fünf Jahrzehnte darauf warten müssen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Unterführung nach 50 Jahren Planung fertiggestellt

Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha (CDU) schneidet vor Journalisten das Absperrband durch.
Ende des Audiobeitrags

Die langen Staus an der Bahnschranke in Ginsheim-Gustavsburg (Groß-Gerau) gehören der Vergangenheit an. Denn am Mittwoch wurde die Bahnunterführung im Stadtteil Gustavsburg für den Verkehr freigegeben. Damit ging eine lange Wartezeit zu Ende. Eine 50 Jahre lange Wartezeit, um genau zu sein.

Ungefähr 200 Züge fahren täglich auf der Strecke zwischen Frankfurt und Mainz – und somit auch durch Gustavsburg. Die Schranken, die bis zuletzt den Verkehr am Bahnübergang geregelt haben, waren laut Stadt rund acht Stunden am Tag geschlossen, teilweise bis zu zehn Minuten am Stück.

Pannen, Verzögerungen und Behörden-Wirrwarr

Das Verkehrsproblem am Gustavsburger Bahnübergang ist nicht neu. Bereits im Juli 1971 hatte das Bundesverkehrsministerium deswegen die Beseitigung des ebenerdigen Bahnübergangs als "vordringliche Aufgabe" angesehen. Was dann folgte, war eine Serie von Pannen, Verzögerungen und jede Menge Behörden-Wirrwarr.

Der alte Bahnübergang mit Schranke

Zunächst dauerte es bis 1987, bis die damalige Deutsche Bundesbahn beschloss, alle ebenerdigen Bahnübergänge zu beseitigen. Ein Jahr später setzten sich Bahn, hessisches Bauamt und die Stadt Ginsheim-Gustavsburg zusammen, um mit der konkreten Planung zu beginnen. Nochmals vier Jahre später, 1992, lag dann ein Bebauungsplan für das betroffene Areal vor, womit die Voraussetzungen für die Schaffung des Baurechts gegeben waren.

Klage kostet sieben Jahre

Doch nichts da: Mehrere Bürgerinnen und Bürger reichten kurz darauf eine sogenannte Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel ein. Erst im März 1999 wies das Gericht die Klage zurück.

Im Jahr 2001 gründeten dann Vertreter von Bahn, Stadt und dem Straßenamt in Darmstadt eine Projektgruppe, um die Planung voranzutreiben. Großes Thema dabei: die Finanzierung. Da die Bahn nicht über eigene Finanzmittel für die Planung verfügte, entschied die Stadt 2007, rund 430.000 Euro vorzuschießen.

Baurecht erst nach zwölf Jahren Planungszeit

Schneller ging es trotz Finanzspritze auch nicht: Erst 2012 konnten sich die drei Parteien nach nun fast zwölf Jahren konkreter Planung auf eine Vereinbarung einigen, die dann nochmals ein Jahr später vom Bundesverkehrsministerium genehmigt wurde. Daraufhin beantragte die jetzige Deutsche Bahn AG das Baurecht. Der erste Spatenstich erfolgte im Dezember 2016.

Doch das war noch nicht das Ende der Pannen-Serie. Wegen eines falschen Bodengutachtens gestalteten sich die Bauarbeiten schwieriger als geplant, es kam immer wieder zu Verzögerungen wegen des höher als erwartet stehenden Grundwassers. Zu guter Letzt musste die offizielle Eröffnung noch einmal um einen Monat verschoben werden, weil im Mai die Technik zum Abpumpen des Regenwassers streikte.

Bürgermeister erleichtert

Am Mittwochnachmittag war es dann soweit: Die ersten Autos fuhren durch die neue Unterführung, die man nun fast als "Jahrhundertbauwerk" bezeichnen kann. "Ich bin sehr erleichtert", sagte Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha (CDU) bei der Einweihung. "Ein Bauprojekt mit fast 50 Jahren Planung hat heute ein glückliches Ende gefunden."

Zumindest für den Autoverkehr. Fahrradfahrer und Fußgänger dürfen die neue Unterführung noch nicht nutzen, die entsprechenden Wege werden erst noch gebaut. Was laut Bürgermeister aber nicht noch einmal 50 Jahre dauern wird. Sonst berichten wir spätestens 2071 wieder.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen