Fotografie eines Polizeiwacheschildes, welches sich in der Glasfassade spiegelt.
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Um mindestens 500.000 Euro soll eine Bande ältere Menschen betrogen haben. Jetzt wurde sie erwischt. Die Täter gaben sich am Telefon als Polizisten aus. Ein besonders spektakulärer Fall hatte sich in Hessen ereignet.

Polizei und Staatsanwaltschaft ist ein Schlag gegen ein Netzwerk falscher Polizisten gelungen. Die Betrüger waren in den vergangenen Monaten in verschiedenen Regionen in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aktiv, wie die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft Heilbronn am Montag auf einer Pressekonferenz mitteilten.

Der Gruppe seien in zwölf Fällen Taten nachzuweisen, bei denen den Opfern ein Schaden von insgesamt rund 500.000 Euro entstanden sei.

110 auf dem Telefon-Display

Die Betrüger hatten im Telefonbuch nach älter klingenden Vornamen gesucht und vorwiegend alleinstehende Frauen angerufen, wie die Polizei erklärte. Auf dem Telefon-Display der Angerufenen erschien die Notrufnummer 110. Am Telefon versuchten sie ihre Opfer zu überzeugen, dass deren Vermögen in Gefahr sei. Anschließend fuhr ein falscher Polizist oder eine falsche Polizistin bei den Angerufenen vorbei, um Geld und Wertsachen einzusammeln.

Insgesamt ermittelte die Polizei in der vergangenen Woche 20 Personen, die seit spätestens Oktober an den Betrügereien beteiligt gewesen sein sollen. Drei der mutmaßlichen Haupttäter sitzen nach Angaben der Ermittler in Untersuchungshaft, zwei weitere kamen gegen Auflagen frei, einer ist noch flüchtig.

Mindestens vier Mitglieder aus dem Kern der Bande stammen aus Viernheim (Bergstraße). Die beiden anderen wohnen in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) sowie in Nordrhein-Westfalen. Die Verdächtigen sind zwischen 19 und 26 Jahren alt.

200.000 Euro bei Frau aus Bergstraße erbeutet

Der vermutlich spektakulärste Betrug der Bande ereignete sich vergangene Woche in Südhessen - und führte schließlich auch zum Schlag gegen die mutmaßlichen Täter. Im Rahmen von verdeckten Ermittlungen konnte die Polizei beobachten, wie eine 19-Jährige und ein 20-Jähriger aus Viernheim mit ihrer Masche bei einer im Kreis Bergstraße wohnenden 72-jährigen Frau Schmuck und Bargeld im Wert von rund 200.000 Euro erbeuteten.

Anschließend wollten sie die Beute einem 23-jährigen Schmuckhändler in Mannheim übergeben, der ebenfalls zur Bande gehörte. Hier griff die Polizei zu. Bei den folgenden Durchsuchungen von sieben Objekten in vier Bundesländern wurden zahlreiche Beweismittel gesichert. Darunter befanden sich Goldschmuck, Goldbarren, Münzen, Bargeld und hochwertige Uhren.

Nach Auskunft der Ermittler war die Bande hochmobil und bestens organisiert. Die Anrufer, die sich am Telefon als Polizeibeamte ausgeben, saßen in Call-Centern in der Türkei. Dorthin wurde offenbar auch ein Großteil der Gewinne transferiert, mithilfe von Finanztransaktionen oder durch Kuriere. Die Identifizierung dieser Personen und die weitere Strafverfolgung gehörten nun zu den Schwerpunkten der weiteren Ermittlungen.

Sendung: hr-iNFO, 18.02.2019, 14.40 Uhr