Tacho zurückgedreht, Unfallschaden oberflächlich behoben - und schon wird aus einer reparaturbedürftigen Rostlaube ein teurer Gebrauchtwagen. Mit dieser Masche hat eine Betrügerbande im Rhein-Main-Gebiet Kunden übers Ohr gehauen. Die fetten Gewinne schleusten sie am Finanzamt vorbei.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ermittlungen gegen Autobetrügerbande

Tacho-Manipulation an einem Mercedes
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Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ist einer Auto-Betrügerbande auf die Spur gekommen. Am Dienstag durchsuchten Polizei und Steuerfahndung deshalb acht Wohnungen und Geschäftsräume im Rhein-Main-Gebiet, unter anderem in Offenbach, Frankfurt und Dreieich (Offenbach). Drei dringend Tatverdächtige im Alter von 18, 20 und 25 Jahren wurden festgenommen.

Tachometer zurückgedreht

Insgesamt ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft gegen neun Beschuldigte. Ihnen wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Masche der Betrüger: Sie kauften einst hochwertige Gebrauchtwagen auf, die allerdings viele Kilometer auf dem Tacho hatten. Oft handelte es sich auch um Unfallfahrzeuge.

Durch Manipulationen am Kilometerstand und oberflächliche Reparaturen gaukelten sie den Käufern dann vor, es mit top-gepflegten Gebrauchtfahrzeugen zu tun zu haben. Die Preise, die sie für diese Fahrzeuge verlangten, waren dann auch entsprechend hoch.

Innerhalb von vier Monaten strich die Bande so einen Gewinn von 100.000 Euro ein. Diese Summe erzielte sie durch den Verkauf von gerade mal sieben Autos. Den Käufern der manipulierten Fahrzeuge entstand nicht nur ein Schaden durch die viel zu hohe Kaufsumme, die sie für die vermeintlichen Schnäppchen zahlten. Sie blieben auch auf den Folgekosten für Reparaturen sitzen, die die Autos aufgrund ihrer tatsächlichen Kilometerleistungen nötig hatten.

Insgesamt 20 Beschuldigte und verschiedene Vorwürfe

Die Hauptbeschuldigten und die zahlreichen Hintermänner sind alle Mitglieder einer Großfamilie. Nach bisherigen Ermittlungen sollen sie den Handel mit hochwertigen Gebrauchtfahrzeugen seit mindestens 2014 betrieben haben. Die Umsätze sollen am Finanzamt vorbeigeschleust worden sein. Der Finanzverwaltung soll insgesamt ein Steuerschaden von einer halben Million Euro entstanden sein.

Die aktuellen Durchsuchungen und Festnahmen sind Teil eines größeren Ermittlungskomplexes gegen insgesamt 20 Beschuldigte im Alter zwischen 18 und 47 Jahren. So soll ein 38-Jähriger als externer Dienstleister die Manipulation der Tachometer vorgenommen haben. Gegen ein 43 und 44 Jahre altes Ehepaar wird ermittelt, weil es seit Jahren systematisch Sozialleistungen erschlichen haben soll.

Rat: Unabhängige Sachverständige einschalten

An den Durchsuchungen am Dienstag waren insgesamt 86 Beamte von Steuerfahndung, Polizei und Staatsanwaltschaft beteiligt, außerdem waren vier Bargeldspürhunde im Einsatz.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft warnte am Dienstag vor dem vermeintlichen Schäppchen-Kauf über Auto-Portale im Internet. Gerade bei hochpreisigen Gebrauchtfahrzeugen solle man den Rat eines unabhängigen KFZ-Sachverständigen einholen. "Der kostet nur wenige hundert Euro, das sollte man bei einem fünfstelligen Kaufpreis investieren."

Sendung: hr3, 3.12.2019, 13.00 Uhr