Schiffstunnel Weilburg
Der Schiffstunnel bei Weilburg ist der einzige Tunnel dieser Art in Deutschland. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Bei Wartungsarbeiten an der Weilburger Lahn-Schleuse sind hunderte Fische verendet. Die Tiere hatten im Schiffstunnel Schutz gesucht, als Behörden-Mitarbeiter das Wasser darin abließen.

Eigentlich ist es Routine: Alle sechs Jahre muss das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Koblenz die Doppelschleuse am Schiffstunnel Weilburg auf Schäden untersuchen. Dafür lassen Arbeiter das Wasser bis auf etwa 20 Zentimeter ab. Den Tunneleingang dämmen sie, damit kein Wasser nachläuft. Fische, die im Tunnel sind, fangen sie ein und setzen sie in die angrenzende Lahn.

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Der Weilburger Schiffstunnel

Der Tunnel ist der einzige seiner Art in Deutschland. Die Regierungen von Nassau und Preußen ließen den knapp 200 Meter langen Tunnel Mitte des 19. Jahrhunderts bauen. Die Lahn war damals ein Transportweg für Eisenerz. Heute ist der Tunnel ein beliebtes Ausflugsziel für Wassersportler.

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In diesem Jahr aber wurde die Schleuse zur tödlichen Falle: Die Behörde hatte nicht damit gerechnet, dass unzählige Fische vor dem Frost der vergangenen Wochen im Tunnel Schutz gesucht hatten. Als der Pegel beim Ablassen sank, starben hunderte von ihnen, auch weil sich eine Eisschicht am Tunneleingang gebildet hatte.

Der niedrige Pegelstand kombiniert mit dem Eis hatte den Fischen wohl den Sauerstoff abgedreht. Dass die Arbeiter die Dämmung schnell entfernten und wieder Wasser einlaufen ließen, half auch nicht mehr.

Fassungslosigkeit bei Fischereisportverein

Für den örtlichen Fischereisportverein FSV Oberlahn ist das eine Tragödie, die hätte verhindert werden können, wie der erste Vorsitzender Matthias Zenkert betont. Die Arbeiten seien dem Verein nicht gemeldet worden.

Dabei hätte er helfen können, die Fische einzufangen und umzusiedeln. Zenkert ist stinksauer: "Es ist Irrsinn, wie viele Fische da in der Schleuse verendet sind." Er geht von etwa 100 Kilo totem Fisch aus.

Auch Winfried Klein, Gewässerwart des FSV Oberlahn, ist fassungslos. In der vergangenen Woche habe eine heftige Kälte geherrscht, sagt er. Da sei es ganz normal, dass sich Fische in der Schleuse versammeln. "Hier sind sie vor der eiskalten Strömung geschützt."

Wasserschutzpolizei ermittelt

Es seien tatsächlich immer Fische im Tunnel und an der Schleuse, sagt Tobias Schmidt vom WSA Koblenz: "Dass sich aber so viele Fische dort aufhalten, das ist absolut unüblich." Dem Verein habe das Amt nicht Bescheid sagen müssen, auch das sei nicht gängig.

Normalerweise reiche es aus, wenn das Amt selbst die Schleusen abfische. "Es ist uns auch nicht bekannt, dass es bei Reinigungsarbeiten schon mal so viele tote Fische gab, auch wenn das die Fischereisportvereine gerne behaupten", sagt Schmidt.

Keine Auswirkungen auf Fischbestand

Jetzt ermittelt die Wasserschutzpolizei, der eine Anzeige unter anderem wegen Verletzung des Tierschutzgesetzes vorliegt. "Auch wir waren verwundert, wie viele Fische in der Schleuse waren", sagt ein Sprecher. Woran die Fische genau verendet sind, sei nun Gegenstand der Ermittlungen.

Auswirkungen auf den Fischbestand in der Lahn soll das Sterben aber offenbar keine haben. Die noch lebenden Tiere - nach Angaben des WSA haben mehr Tiere überlebt als verendet sind - könnten demnächst in die Lahn schwimmen. Die Arbeiten an der Schleuse sind inzwischen abgeschlossen.

Sendung: hr1, 12.03.2018, 17:45 Uhr