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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hinterbliebene zeigen Vater von Hanau-Attentäter an

Ein Jahr Hanau

Welche Rolle spielte Hans-Gerd R., der Vater des Attentäters von Hanau, bei dem rassistischen Anschlag? Die Angehörigen der neun Opfer beschuldigen den 73-Jährigen der Beihilfe zum Mord.

Vor einem Jahr, am 19. Februar 2020, erschoss Tobias R. in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und danach mutmaßlich seine Mutter und sich selbst. Jetzt rücken die Hinterbliebenen der Opfer mit einer Strafanzeige eine weitere Person in den Fokus. Der Vater des Attentäters, Hans-Gerd R., spielte ihrer Ansicht nach bei dem Anschlag womöglich eine viel gewichtigere Rolle als bislang angenommen.

Die Hinterbliebenen haben gegen den 73-Jährigen Strafanzeige erstattet. Wegen möglicher Beihilfe zum Mord, mindestens aber wegen des Nichtanzeigens von Straftaten, wie die Süddeutsche Zeitung zuerst berichtete. Demnach besteht laut Anzeige der Anfangsverdacht, dass der Vater von den geplanten Taten gewusst und seinen Sohn darin bestärkt habe.

Falsche Aussagen zur Tatnacht

Laut Anzeige hat der Vater zum Tatabend falsche Ausagen gemacht. So sei er eben nicht schon um 20 Uhr im Bett gewesen, wie er behauptet habe, sondern habe noch nach 22.30 Uhr - somit nach den Morden und der Rückkehr seines Sohnes nach Hause - mit in einer Taschenlampe in dessen Auto, in dem die Tatwaffe lag, hineingeleuchtet. Zeugen hätten ihn dabei beobachtet.

Die Anwälte der Opferfamilien gehen davon aus, dass Vater und Sohn noch am Tatabend über die Waffe sprachen. Hans-Gerd R. sagte der Polizei aber, er habe von der Heimkehr seines Sohnes nichts mitbekommen und sei erst durch die Erstürmung des Hauses durch die Einsatzkräfte wach geworden.

"Gemeinsame psychotische Störung"

Von Videos und Schriftstücken, die sein Sohn im Internet verbreitet hat, will der Vater nichts gewusst haben. Dabei, so die Anwälte der Hinterbliebenen, habe er in der Tatnacht mehrfach auf die Seite seines Sohnes mit dessen "Manifest", in dem dieser rassistische Ansichten und krude Verschwörungstheorien verbreitet hat, zugegriffen.

Hans-Gerd R. soll seinen Sohn klar dominiert haben, obwohl dieser längst erwachsen war. Als Beleg dafür führen die Anwälte etwa Aussagen eines Jobcenter-Mitarbeiters an, Tobias R. sei ein "Produkt seines Vaters" gewesen. Beide hätten eine gemeinsame psychotische Störung ausgelebt.

Die Anwälte der Opferfamilien halten es sogar für möglich, dass der Vater an der Ermordung der Mutter beteiligt war. Diese Tat könne ihm in dem kleinen Haus nicht verborgen geblieben sein, so das Argument. An seiner Kleidung seien außerdem Schmauchspuren gefunden worden.

Angst vor Hans-Gerd R.

Mit ihrer Anzeige wollen die Hinterbliebenen Ermittlungen gegen den Vater in Gang bringen. Ihrer Meinung nach hat die Bundesanwaltschaft dessen Rolle in dem Fall bislang zu sehr vernachlässigt. Sie fürchten den 73-Jährigen in ihrer Nachbarschaft in Hanau-Kesselstadt, vor allem seit er sich einen Schäferhund angeschafft und die Waffen seines Sohnes zurückgefordert hat.

Erst kürzlich erhob die Staatsanwaltschaft Hanau Anklage gegen Hans-Gerd R. wegen rassistischer Beleidigung. R. hatte demnach Teilnehmer einer Mahnwache für die Anschlagsopfer als "wilde Fremde" bezeichnet, die sich "dem deutschen Volk" unterordnen sollen.

Sendung: hr1, 17.02.20121, 12.12 Uhr