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zum hr-fernsehen.de Video 7 Tage ... mit Toten sprechen

Protagonistin im Profil mit geschlossenen Augen, vor einem mehrfarbigen Wandteppich.

Heide-Marie Kuhner-Lück kann als Jenseits-Medium angeblich mit Toten sprechen. Unser Reporter begleitete sie eine Woche lang, auch zu seinem verstorbenen Opa nahm sie Kontakt auf. Aber kann das wirklich sein?

Ein weiß verputztes Haus in Frankfurt-Praunheim. Neben dem wild bewachsenen Vorgarten führt eine schmale Treppe ins Souterrain. Dort unten hat Heide-Marie Kuhner-Lück ihr Studio. Hier stellt sie Kontakt zu Toten her - auf Wunsch ihrer Klientinnen und Klienten.

Beruf: Jenseits-Medium

Heide, wie alle sie nennen und wie sie sich selbst vorstellt, ist 66 Jahre alt, sie trägt ihre langen dunklen Haare offen. Früher war sie meine Klavierlehrerin, sieben Jahre lang, jeden Freitag. Sie war eine Art Vorbild für mich. 14 Jahre ist das her. Nun treffen wir uns das erste Mal wieder.

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7 Tage ... mit Toten sprechen

Mehr über das Jenseits-Medium Heide und die Eindrücke unseres Reporters erfahren Sie in seiner TV-Dokumentation "7 Tage ... mit Toten sprechen", die am 5. August, 21.45 Uhr, im hr-fernsehen läuft und schon jetzt in der ARD-Mediathek abrufbar ist.

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Oft haben wir vor diesem Treffen telefoniert. Fast jedes Mal begrüßte mich Heide mit den Worten: "Ich hatte heute schon so ein Gefühl, dass du anrufst." Von ihrem Hang zur Spiritualität wusste ich als Teenager nichts. Schon damals war sie davon überzeugt, dass sie mit Toten sprechen könne, wie sie mir jetzt sagt. Heute habe sie sich lediglich professionalisiert. Ist meine Lehrerin, mein Vorbild von damals, verrückt geworden?

Von Chakren und Geistern

Ihr Souterrain-Raum ähnelt einem Yoga-Studio. Ein Perserteppich liegt auf dem Boden. In einem Regal stehen zwei Buddha-Figuren, Kerzen und Trommeln, ein Halter für Räucherstäbchen und eine dieser Salzstein-Lampen. An der Wand hängt eine Urkunde über die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung als "Trancemedium", ausgestellt auf Heide-Marie Kuhner-Lück. Ein buntes Tuch zeigt die Chakren. Heide glaubt nicht nur ans Jenseits, sondern auch an Energiepunkte im Körper, an die Kraft von Trance und an Naturgeister.

hr-Reporter Simon Rustler sitzt mit Heide an ihrem Klavier - früher war sie seine Klavierlehrerin, heute stellt sie als Jenseitsmedium Kontakt zu Toten her, behauptet sie

Ein Jenseits-Medium fungiere als Kanal, erklärt sie. Kurz bevor ein Klient bei ihr eintreffe, verbinde sie sich mit der sogenannten geistigen Welt. Sie bitte dann darum, dass ein Geist aus dem Leben des Klienten zu ihr komme - und zu ihr spreche. Das alles passiert in völliger Stille. Nicht einmal das Ticken einer Uhr hört man dann unten im Souterrain.

Verbindung mit der "geistigen Welt"

Nun kommt eine Klientin. "Hallo Bärbel", begrüßt Heide sie. Bärbel ist um die 70. Sie hat weiße Haare und trägt eine rote Bluse. Die Frauen setzen sich, so dass sie sich anschauen können. Dann schließt Heide ihre Augen. Im Regal brennen zwei Räucherstäbchen - der würzige Geruch benebelt etwas die Sinne und verteilt sich mit den Rauchschwaden im Raum.

"Ich habe jemanden hier. Es ist eine Frau. Eine Brille hat sie. Und Löckchen. Sie möchte unbedingt mit dir in Kontakt treten", sagt Heide zu Bärbel. Es wirkt so, als beschreibe Heide, was sie vor ihrem inneren Auge sieht. Die Frau, die ihr gerade erscheine, so Heide weiter, sei sogar schon einmal hier gewesen, als sie noch gelebt habe - auch zwecks eines Jenseitskontakts. Bärbel staunt. "Ja, jetzt weiß ich! Marianne!", entfährt es ihr. Heide entgegnet: "Genau, die Marianne."

Eine Sitzung kostet 99 Euro

Die nächste halbe Stunde sprechen die zwei Frauen - angeblich - mit Marianne. Bärbel möchte wissen, warum sie so plötzlich gegangen sei. Sie fragt Marianne, was sie wegen ihrer schmerzenden Beine tun solle. Heide sagt nach einem Moment: "Erde dich jeden Morgen und versuche, von der Erde die Energie aufzunehmen und zu spüren. Lass sie durchfließen, es ist vieles blockiert in den Beinen. Das sagt sie mir." Bärbel nickt zustimmend. Anscheinend leuchtet ihr die Auskunft ein.

Heide sitzt auf einem Stuhl in ihrem Studio und hat die Augen zu - so, behauptet sie, sieht es aus, wenn sie sich mit der geistigen Welt verbindet

So ein Jenseitskontakt kostet bei Heide 99 Euro und dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Die unterschiedliche Dauer erklärt Heide damit, dass es eben so lange dauere, wie die oder der Tote bereit sei, Auskunft zu geben. Für Bärbel ist es nicht seltsam, dass sie ein Jenseits-Medium konsultiert. Sie sagt: "Die Leute, die in die Kirche gehen und beten - was anderes tun die denn?"

Jenseits-Medien bergen Suchtgefahr, sagt die Kirche

Das sehen die Kirchen freilich anders. Oliver Koch, Pfarrer und Referent für Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirchen in Hessen, warnt: "Es kann gefährlich werden, wenn man sich in die Hand von Jenseits-Medien begibt."

Koch erklärt das mit der Art der Trauerarbeit: "Normalerweise ist es so, dass man nach einer gewissen Zeit mit der Trauer abschließen und gut wieder in den Alltag starten kann. Das wird aber nach unserer Erfahrung durch solche Angebote psychologisch unterbunden: dadurch, dass es nie ein Ende geben kann. Die Menschen denken, dass sie ja doch noch einen Kontakt aufbauen lassen können."

Übermittelt werden nur gute Nachrichten

Der Pfarrer glaubt auch, dass der Bezug zur Realität verloren gehe, wenn Menschen sich nur noch in Geisterwelten bewegten. Außerdem bestehe ein Abhängigkeitspotenzial von Jenseits-Medien: Mit ihrem vermeintlich exklusiven Zugang zu Wissen machten sie sich für Menschen, die an sie glauben, unersetzlich.

hr-Reporter Simon Rustler schließt die Augen und versucht selbst mit Geistern in Kontakt zu kommen. Klappt nicht, sagt er - klappt doch, sagt Heide.

Ob diese Kritik im Fall von Heide zutrifft? Möglicherweise ein bisschen - aber: Heide scheint es gut zu meinen und will ihren Kunden wirklich helfen, das spüre ich immer wieder. Sie betont auch, dass sie nur gute Botschaften aus dem Jenseits übermittle, alles Schlechte habe im Jenseits ohnehin keinen Platz. Und zumindest reich scheint sie mit ihren Diensten als Medium nicht zu werden. In der Woche, die ich ich bei ihr verbringe, kommen gerade mal zwei Klientinnen und Klienten. Dazu ein paar Trance-Sitzungen.

Jenseits-Kontakt mit Opa des Reporters

Außerdem stellte Heide - angeblich - Kontakt zu meinem Opa her, der Anfang des Jahres starb. Sie sagte mir, dass sie einen älteren Mann sehe, der ihr sage, dass er mein Opa sei. Außerdem zeige er seine Hände - Hände, die viel gearbeitet hätten. Mein Opa war Handwerker, Malermeister. Hat sie das wirklich gesehen oder drauf los geraten? Sehr spezifisch ist die Angabe ja nicht. Und doch fühle ich das, was Pfarrer Koch beschrieb: eine Neugier, eine leichte Sucht. Plötzlich sitzt dir jemand gegenüber, der mehr zu wissen scheint.

Letztlich glaube ich nicht an Heides "geistige Welt". Ich glaube aber auch nicht, dass meine alte Klavierlehrerin verrückt ist. Ich hatte nie das Gefühl, dass sie mir nur vorspielt, als würde sie mit Toten sprechen. Wenn sie meditiert, hört sie Botschaften. Aber ob die ihrem eigenen Unterbewusstsein entspringen oder dem Jenseits - das wissen nur die Geister.

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