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Mordfall aus dem Jahr 1991 bei TV-Fahndern von "Aktenzeichen XY ... ungelöst"

Die Polizei rollt einen 30 Jahren Mordfall auf: Tado Loncar starb am 7. Dezember 1991

Ein Mann wird nachts auf einem Autobahn-Parkplatz im Vogelsberg gefunden. Er ist bewusstlos und stark unterkühlt. Kurz darauf stirbt er. Schnell wird klar: Es war Mord. Die Polizei hat den Fall aus dem Jahr 1991 noch einmal aufgerollt. Nach einem Fernsehbeitrag haben die Ermittler mehr als ein Dutzend Hinweise bekommen.

Als Tado Loncar in einer eiskalten Winternacht auf einem Parkplatz an der A5 bei Gemünden (Vogelsbergkreis) gefunden wird, ist er stark unterkühlt. Bewusstlos, barfuß und bedeckt mit einem Mantel findet ihn zufällig ein Autofahrer. Trotz sofortiger medizinischer Hilfe stirbt der 61-Jährige noch am selben Tag in einem Krankenhaus. Zunächst gehen die Ermittler davon aus, dass der Mann auf dem Parkplatz Dottenberg betrunken in der Kälte eingeschlafen war. Doch später wird klar: Es war Mord.

Über 30 Jahre ist das nun her. Noch immer ist der Fall aus dem Jahr 1991 ungelöst. Und Mord verjährt nicht. Deswegen haben die Staatsanwaltschaft Gießen und das Polizeipräsidium Osthessen den ungeklärten Kriminalfall noch einmal aufgerollt - auch mit medialer Unterstützung. In der Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" (ZDF) wurde er am Mittwochabend gezeigt. Ein Ermittler der Kriminalpolizei Alsfeld schilderte das Geschehen und bat um Hinweise aus der Bevölkerung.

Ermittler bekommen mehr als ein Dutzend Hinweise

Im Nachgang erreichten mehr als ein Dutzend Hinweise die Ermittler. Daraus ergeben sich auch einige neue Spuren und Ermittlungsansätze, die möglicherweise zur Klärung des Falls beitragen können, wie Thomas Hauburger von der Staatsanwaltschaft Gießen am Donnerstag sagte.

Die Obduktion ergab damals: Tado Loncar wurde mit K.-o.-Tropfen betäubt und auf der Rasenfläche am Autobahn-Parkplatz abgelegt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann von mindestens zwei Tätern in einem Fahrzeug zum Fundort gebracht und dort ausgesetzt wurde. "Wie sich das Geschehen genau abgespielt hat, wissen wir nicht", sagte Ermittler Horst Schäfer dem hr.

Opfer um Jahresrente bestohlen

Der aus dem damaligen Jugoslawien stammende Loncar wollte einen Tag vor seinem Tod von Frankfurt aus in seine Heimat reisen. Kurz vor der Abfahrt am 6. Dezember 1991 hatte er am Hauptbahnhof 2.500 Mark abgehoben. Es war seine Jahresrente, die er persönlich abholte und mit in die Heimat nehmen wollte. Loncar war Gastarbeiter in Deutschland und als Maschinenbauer tätig.

Als Loncar auf dem Rastplatz, etwa 100 Kilometer von Frankfurt entfernt, entdeckt wurde, fehlt von dem Geld jede Spur. Auch seine Armbanduhr und das mitgeführte Gepäck waren verschwunden. Gefunden wurde er von einem Abschlepp-Unternehmer aus Alsfeld. Diesen schaurigen Moment wird Matthias Hartmann nicht mehr vergessen: "Im Scheinwerfer-Licht sah ich dort jemanden liegen." Er traute sich nicht näher als ein paar Meter an den leblos wirkenden Mann heran, bei dem er weder Kopf noch Hände sah. "Es war gruselig. Ich hatte Angst", erinnert sich Hartmann im Gespräch mit dem hr noch heute.

Belohnung ausgesetzt

Wieso Loncar ausgerechnet auf den Parkplatz gefahren wurde, ist ebenfalls unklar. "Womöglich sollte damit auch eine falsche Fährte gelegt werden", sagt Ermittler Schäfer. Für Angaben, die zur Ermittlung und Ergreifung des beziehungsweise der Täter führen, hat die Staatsanwaltschaft Gießen eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.

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Für Hinweise, die mitunter auch vertraulich behandelt werden können, ist die Polizei erreichbar unter der Telefonnummer 06641/971-0 oder per Mail an rki-alsfeld.ppoh@polizei.hessen.de 

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