Screenshot einer Login-Seite der Kinderpornografie-Plattform "Elysium"
Screenshot einer Login-Seite der Kinderpornografie-Plattform "Elysium" Bild © picture-alliance/dpa

An die 90.000 Menschen aus aller Welt nutzten im Darknet die Kinderporno-Seite "Elysium". Jetzt hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen die Betreiber erhoben. Die Zentrale der Plattform war in Mittelhessen.

Die Fotos und Videos zeigten schwersten sexuellen Missbrauch an Kindern und Kleinkindern. Die Kinderporno-Plattform "Elysium", die das im Darknet an rund 90.000 Nutzer verbreitete, wurde im vergangenen Sommer zerschlagen. Jetzt hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt beim Landgericht Limburg Klage gegen die Betreiber erhoben, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

Kinder teils jünger als vier Jahre

Den vier Männern im Alter von 40 bis 62 Jahren wird die bandenmäßige Verbreitung einschlägiger Schriften vorgeworfen. Die Kinder, die auf den Aufnahmen zu sehen sind, waren von Nutzern der Plattform teils selbst missbraucht worden. Teilweise waren die Kinder zum Zeitpunkt des Missbrauchs jünger als vier Jahre. Den Beschuldigten drohen lange Haftstrafen.

Den Angeklagten, die weiterhin in Untersuchungshaft sitzen, soll jetzt vor dem Landgericht Limburg der Prozess gemacht werden. Dieser könnte im Spätsommer beginnen, sagte am Dienstag ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Zunächst müsse aber das Gericht die Anklageschrift zur Hauptverhandlung zulassen.

Kopf der Plattform kommt aus Hessen

Als die beiden zentralen Figuren beim Aufbau der Plattform sieht die Anklage einen 40 Jahre alten Mann aus Bad Camberg (Limburg-Weilburg) sowie einen 58-Jährigen aus dem Landkreis Tübingen (Baden-Württemberg) Der 40-Jährige soll für den Betrieb des Servers verantwortlich gewesen sein und allein Zugriff darauf gehabt haben. Er wurde im Juni vergangenen Jahres festgenommen.

Der 58-Jährige soll die Software für die Plattform geschrieben und die Webseite eingerichtet haben. Er hatte laut Anklage bereits eine führende Rolle beim "Elysium"-Vorgänger "Giftbox Exchange" gespielt. Dessen Betreiber wurden inzwischen in den USA verurteilt.

Angeklagte lernen sich noch kennen

Zwei Männern im Alter von 47 Jahren und 62 Jahren aus dem Main-Tauber-Kreis (Baden-Württemberg) und aus Landsberg/Lech (Bayern) sollen als Moderatoren und Chat-Administratoren bei "Elysium" gewirkt haben. Der 62-Jährige soll nach Kontaktaufnahme auf der Plattform mit einem Österreicher dessen zwei Kinder im Alter von vier und sechs Jahren mehrfach sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben.

Die vier Männer sollen sich nur über ihre digitalen Identitäten, die sogenannten Nicknames, gekannt haben. "Im Falle einer Hauptverhandlung würden sich die Angeschuldigten zum ersten Mal persönlich begegnen", sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft.

Insgesamt haben die Ermittler inzwischen mehr als 111.000 Mitgliederkonten bei "Elysium" gefunden. Da es aber Mehrfachkonten gegeben habe, schätzt der Sprecher die tatsächliche Zahl etwas geringer ein. Im vergangenen Juli hatten die Ermittler von 87.000 Nutzern gesprochen und insgesamt 14 Verdächtige festgenommen - auch in Österreich.

Langjährige Haftstrafen für "Elysium"-Mitglieder

Inzwischen sind im Fall von "Elysium" bereits einige Verfahren vor Gericht beendet worden. Das Landgericht Dresden verurteilte Anfang des Jahres einen Ingenieur wegen Missbrauchs zwei Kinder zu fünfeinhalb Jahren. Der Mann, der auch in einer Pfarrgemeinde aktiv war, hatte Fotos und Videoaufnahmen von den Kindern angefertigt.

Erst vor wenigen Tagen endete ein Prozess vor dem Landgericht Wien mit drei Schuldsprüchen und hohen Haftstrafen von bis zu 14 Jahren. Ein Mann hatte sich jahrelang an seinen Kindern vergangen und die Aufnahmen dann auf eine Chatplattform gestellt. Später filmte er auch Kinder von Bekannten und Verwandten, die man ihm zur Aufsicht überlassen hatte.

Sendung: hr-iNFO, 15.05.2018, 13 Uhr