Collage Arzt - Klinik Melsungen von außen

Mit gefälschten Zeugnissen und Urkunden hat sich ein 38-Jähriger eine Stelle als Bereitschaftsarzt an der Asklepiosklinik in Melsungen erschlichen. Erst nach mehreren Diensten fiel der gefährliche Schwindel auf - dank einer aufmerksamen Krankenpflegerin.

Videobeitrag

Video

zum Video Falscher Arzt in Melsungen

hs
Ende des Videobeitrags

Er sollte Patienten aufnehmen, Diagnosen stellen und Untersuchungen anordnen. Dass der 38-Jährige, der sich auf die Stelle des Bereitschaftsarztes an der Melsunger Asklepiosklinik bewarb, weder ein abgeschlossenes Medizinstudium noch das medizinische Wissen für den Umgang mit den Patienten besaß, fiel zunächst niemanden auf. Zuerst hatte die HNA über den Fall berichtet.

Fünf Bereitschaftsdienste hatte der 38-Jährige bereits absolviert, als ihn seine Unwissenheit im Juni 2018 entlarvte. Für einen Patienten sollte er eine Blutkonserve vorbereiten.

"Dabei ist einer Pflegekraft aufgefallen, dass er das offensichtlich nicht kann, dass er nicht so richtig weiß, was er da tut. Und das ist im Grunde genommen das Einmaleins", sagte Klinikmanager Fabian Mäser dem hr. Die Pflegekraft habe den Chefarzt informiert, woraufhin der 38-Jährige sofort des Hauses verwiesen und ihm gekündigt worden sei.

Originale fehlten bei Bewerbung

Laut Mäser reichte der Mann eine vollständige Bewerbung ein, inklusive Approbations- und Facharzturkunde mit den entsprechenden Stempeln. "Es wurden Zeugnisse von vorangegangenen Arbeitgebern vorgelegt, wo er offensichtlich auch über entsprechende Zeiträume als Arzt tätig gewesen ist und auch entsprechend verantwortungsvolle Aufgaben übernommen hat. Insofern war es für uns erst mal nicht ersichtlich, dass er offensichtlich kein Mediziner ist", sagte Mäser.

Dass die Unterlagen wohl gefälscht waren, blieb in der Klinik zunächst unbemerkt. Der 38-Jährige hatte sich online auf die Stelle als Bereitschaftsarzt beworben, die Originale reichte er nicht ein.

"Normalerweise haben wir den standardisierten Prozess, dass wir uns die Original-Unterlagen vorlegen lassen. In dem Fall war es so, dass wir akut einen Dienst zu besetzen gehabt haben und entsprechend handeln mussten", erklärte der Klinikmanager. Man habe den Mann aber in mehreren Telefonaten darauf hingewiesen, dass er die Originale noch einreichen müsse.

Keine Reue

Nachdem der Schwindel aufgeflogen war, zeigte der 38-Jährige laut Mäser keine Reue - im Gegenteil. "Nachdem wir ihn des Hauses verwiesen und gekündigt haben, haben wir von dem Herren noch eine Kündigungsschutzklage bekommen und er hat seine Bereitschaftsdienstvergütung, die wir zurückgehalten hatten, eingeklagt. Das ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten."

Nach der Kündigung prüfte die Klinik die Bewerbungsunterlagen des Mannes erneut und erstattete Anzeige. Ihre Recherchen zeigten, dass der Mann bereits im Mai 2018 wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und Sozialbetrugs verurteilt worden war. Die Untersuchungshaft wurde nach dem Urteil unter Auflagen ausgesetzt - und der Mann bewarb sich an der Asklepiosklinik in Melsungen.

Auch an anderen Kliniken gearbeitet

Die Staatsanwaltschaft Kassel bestätigte, dass der 38-Jährige sich mit gefälschten Arbeitszeugnissen in mehreren Kliniken beworben und sogar in einigen gearbeitet hatte, wie im Klinikum Kassel.

In einer Berufungsverhandlung im Oktober wurde er schließlich zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Nachdem der wiederholte Betrug aufgefallen war, sitzt er nun in Untersuchungshaft.